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Veröffentlicht am 8. März 2024 von lyrikzeitung
Elisabeth Borchers
(* 27. Februar 1926 in Homberg, Niederrhein; † 25. September 2013 in Frankfurt am Main)
Ein paar Dichter
Nach der Lektüre von Gedichten
in einer literarischen Zeitschrift
Der Damalige
Er ist wieder da.
Ein Rückfall in die Begabung
von gestern
und schreibt ein Gedicht.
Ich horche
nicht mehr wie damals
als uns die Jugend zunichte machte
und groß.
Der Alltägliche
Er kennt keine Blockaden.
Auch die Rasur ist ein Thema,
das Blut leuchtet
wie Woyzeck dem Büchner.
Nur schreibend bist du ein Dichter
nur so.
Mit einem Kopf der dich trennt
von dir und den anderen
im Schwindel
der die Stufe als Abgrund erkennt
daß dich schaudert.
Der Schweigsame
Kein Wort gelingt, schreibt er,
kein Wort.
Und schreibt und schreibt.
Das Schweigen, schreibt er,
ohne Antrieb, Zeit noch Gegenwart
und schreibt
daß es die Seiten schwärzt
bis zur Unlesbarkeit.
Du schöne Kunst,
bewundernd halt ich ein.
Aus: Was sind das für Zeiten. Deutschsprachige Gedichte der achtziger Jahre. Herausgegeben von Hans Bender. Frankfurt/Main: S. Fischer, 1990 (Lizenzausgabe Hanser 1988), S. 64
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Elisabeth Borchers
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