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Veröffentlicht am 14. Februar 2020 von lyrikzeitung
Johann Wolfgang Goethe
Keinen Reimer wird man finden Der sich nicht den besten hielte, Keinen Fiedler der nicht lieber Eigne Melodieen spielte. Und ich konnte sie nicht tadeln; Wenn wir andern Ehre geben Müssen wir uns selbst entadeln. Lebt man denn wenn andre leben? Und so fand ich's denn auch juste In gewissen Antichambern, Wo man nicht zu sondern wußte Mäusedreck von Koriandern. Das Gewesne wollte hassen Solche rüstige neue Besen, Diese dann nicht gelten lassen Was sonst Besen war gewesen. Und wo sich die Völker trennen, Gegenseitig im Verachten, Keins von beyden wird bekennen Dass sie nach demselben trachten. Und das grobe Selbstempfinden Haben Leute hart gescholten, Die am wenigsten verwinden, Wenn die andern was gegolten.
Aus: West-oestlicher DIVAN von Goethe. Stuttgard: Cotta, 1819, S. 83f (Rendsch Nameh. Buch des Unmuths)
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Johann Wolfgang Goethe
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