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Veröffentlicht am 8. Juli 2019 von lyrikzeitung
Walter Hasenclever
(* 8. Juli 1890 in Aachen; † 21. Juni 1940 in Les Milles bei Aix-en-Provence)
Die Lagerfeuer an der Küste, Mai 1914
Die Lagerfeuer an der Küste rauchen.
Ich muß mich niederwerfen tief in Not.
Leoparden wittern mein Gesicht und fauchen.
Du bist mir nahe, Bruder, Tod.
Verworren zuckt Europa noch im Winde
Von Schiffen auf dem fabelhaften Meer;
Durch die ungeheure Angst bricht her
Schrei einer Mutter nach dem kleinen Kinde.
Es starb mein Pferd heut nacht in meiner Hand.
Wie hast Du mich verlassen, Kreatur!
Aus dem Kadaver steigt das fremde Land
hinauf zu einer andern Sonnenuhr.
Aus: Walter Hasenclever: Tod und Auferstehung. Neue Gedichte. Leipzig: Kurt Wolff, 1917, S. 8
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Walter Hasenclever
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