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Veröffentlicht am 1. Oktober 2018 von lyrikzeitung
Natürlich mußte ich bei Hunold an … Wilhelm Hauff denken. Bei ihm gibt es ein berühmt-berüchtigtes Gedicht mit den vielzitierten und auch variierten Zeilen
Gestern noch auf stolzen Rossen
heute durch die Brust geschossen.
Hauff hat es von einem Volkslied, sagt er. Vielleicht ja auch von Hunold? Oder dessen vermutlicher Quelle, dem genialen frühverstorbenen Johann Christian Günther. Die ersten fünf Verse Hauffs sind identisch mit der fünfzeiligen Strophe Hunolds – und mit Günthers
“Wie gedacht / vor geliebt, jetzt ausgelacht / gestern in die Schöß’ gerissen, / heute von der Brust geschmissen, / morgen in das kühle Grab“
Reiters Morgenlied
(Alte Soldatenweise)
Morgenrot!
Leuchtest mir zum frühen Tod?
Bald wird die Trompete blasen,
Dann muß ich mein Leben lassen,
Ich und mancher Kamerad!
Kaum gedacht,
War der Lust ein End gemacht!
Gestern noch auf stolzen Rossen,
Heute durch die Brust geschossen,
Morgen in das kühle Grab.
Doch! wie bald
Welket Schönheit und Gestalt!
Prangst du gleich, mit deinen Wangen,
Die wie Milch und Purpur prangen,
Ach! die Rosen welken all.
Und was ist
Aller Mannsbild Freud und Lust?
Unter Kummer, unter Sorgen
Sich bemühen früh am Morgen,
Bis der Tag vorüber ist.
Darum still
Füg ich mich, wie Gott es will,
Und so will ich wacker streiten,
Und sollt ich den Tod erleiden,
Stirbt ein braver Reitersmann.
Wilhelm Hauff
(* 29.11.1802, † 18.11.1827)
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Christian Friedrich Hunold, Johann Christian Günther, Wilhelm Hauff
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