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Veröffentlicht am 22. Dezember 2017 von lyrikzeitung
Christine Busta
(23. April 1915 Wien – 3. Dezember 1987 Wien)
UNTER DEN NESSELN
Es sprengte die zarte, wunderbare
Wurzel der Nessel den lastenden Stein.
Durchs brennende Dickicht verschütteter Jahre
dringen wir in die Grabkammer ein.
Heimgang ins fremdgewordene Innen.
Unsere Sohlen rührt kultischer Staub:
war es ein Dornkranz, kindliches Linnen
oder des Ölzweigs zerbröckeltes Laub?
An den langverfinsterten Wänden
tasten wir blind nach Zeichen hin
und erkennen mit scheuen Händen
wieder die Lampe und den Delphin.
Aus: Unter dem sapphischen Mond. Deutsche Frauenlyrik seit 1900. Hrsgg. von Oda Schaefer. München: Piper, 1957
Kategorie: Österreich, DeutschSchlagworte: Christine Busta, L&Poe-Anthologie
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