Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 25. Juli 2010 von lyrikzeitung
Es gab sesshafte Bänkelsänger, die in Mundart sangen und selbst die Texte für ihre Lieder schrieben, wie den blinden Bänkel- beziehungsweise Zeitungssänger Philipp Keim (1804-84), der in der Mannheimer Gegend so sein Brot und Wurscht verdiente. Er muss ein solches Unikum gewesen sein, dass ein Volkswirt aus Leipzig sich in seinen Memoiren an Keim erinnerte: „Eine originelle Erscheinung war er… der erblindete Philipp Keim von Dietenbergen, der mit seiner Frau Lisbeth im ganzen Lande Nassau umherzog und überall die von ihm selbst gefertigten Lieder mit lauter Stimme vortrug. Diese Lieder wechselten mit den Ereignissen der Zeit und waren nach dem Grundsatz ’Reim dich oder ich freß dich’ zusammengefügt. Wo der Reim nicht klappen wollte, wurde er durch ein stereotypisches ’Ja, ja’ am Ende einer Zeile ersetzt. Als Selbstdichter hielt sich Keim natürlich für etwas Besseres als andere Orgelmänner und schloss seine Vorträge gewöhnlich mit der Aufforderung an seine Gattin: ’Lisbeth, heb die Grosche uff’, indem er damit andeutete, dass er mit Kupferkreuzern nicht belohnt sein wolle.“
UNTERGEGANGENE BERUFE . Der Bänkelsänger. Tagesspiegel
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Bänkelsang, Philipp Keim
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare