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Veröffentlicht am 1. August 2009 von lyrikzeitung
99 Prozent dessen, was man in der DDR halt Kunst nannte, taugt natürlich nichts. Das ist immer so und ist nirgends anders. Aber die DDR hatte so eine Weise, in diesen 99 Prozent ganz besonderen Mist zu bieten, denn es kam dort zum künstlerischen Unvermögen immer noch diese zwanghafte Art, politische Bekenntnisse abzulegen, die Hammer-und-Sichel-Lyrik, die Wir-packen-das-Romane und die Bisschen-dagegen-Filme. Lourdes für Atheisten, „Schwarzwaldklinik“ für Unsentimentale, Micky Maus für solidarisch Gesinnte. – Aus und vorbei.
Wir sprechen hier von Kunst im engeren Sinne, im Sinne von Dauer. So viel Ewigkeitsahnung trägt doch jeder in sich, dass er weiß, dass mit solcher Kunst nicht Christa Wolf und ganz sicher nicht Günter Grass gemeint ist. Wir sprechen aber zum Beispiel von Peter Hacks, von Heiner Müller, von dem erst noch zu entdeckenden Alfred Matusche, vom eben gestorbenen Jochen Berg. Die BRD hatte auch wen – oje, ich überlege gerade, wen ich nun nennen soll. Na ja, irgendwen wird sie gehabt haben, aber keinen jener Art und Güte. / André Thiele, taz 1.8.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Alfred Matusche, André Thiele, Christa Wolf, DDR, Günter Grass, Heiner Müller, Jochen Berg, Peter Hacks
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