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Veröffentlicht am 27. Februar 2003 von rekalisch
Die Geschäftsidee ist einfach. Unter dem Titel „Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes“ ruft der Gräfelfinger Realis Verlag nun schon zum sechsten Mal seinen jährlichen Internet-Gedichtwettbewerb aus. Es locken nicht nur Geld- und Bücherpreise, sondern auch kostenlose schriftliche Gutachten der eingesandten Poeme. Rund 16 000 Hobbylyriker haben im vergangenen Jahr für den Dichterwettstreit Verse geschmiedet – 4000 von ihnen hat der Verlag zur Aufnahme ihres Lyrikversuchs in seine Anthologie “ Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichtes – Ausgewählte Werke “ gratuliert, die seit 1998 im Anschluss an den Wettbewerb erscheint.
Die Autoren bekommen kein Belegexemplar des Bandes. Dafür bietet ihnen der Verlag, dessen Buchprogramm größtenteils Astrologie-Ratgeber wie den „Astroguide 2003″ umfasst, den großformatigen Wälzer zum “ Autorenvorzugspreis“ an. Wer sich das Zeugnis seines “ literarischen Erfolgs“ ins Bücherregal stellen will, zahlt rund 45 Euro dafür. Das tun viele der geehrten Freizeitpoeten – je mehr “ Dichtertalente“ der Verlag in die Anthologie mit dem viel versprechenden Titel aufnimmt, desto mehr Buchbestellungen kann er erwarten. / Christine Kokot, Heilbronner Stimme 27.2.03
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Christine Kokot, Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichts
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