In der NZZ vom 22.11.03 bespricht Roman Bucheli
Giovanni Orelli: Vom schönen Horizont / E mentre a Belo Horizonte . . . Gedichte italienisch und deutsch. Ausgewählt und übersetzt von Christoph Ferber. Mit einem Nachwort von Georges Güntert. Limmat-Verlag, Zürich 2003. 160 S., Fr. 36.-. – Zitat:
Und bisweilen blitzt ein irrwitziges Lachen zwischen den Versen hervor: Dann fällt er mit der gleichen Inbrunst, mit der er zuvor sich dem Eros der Sprache hingab, über seine Gedichte her: «auf allen vieren / kommt ihr daher», heisst es dann von den Sonetten, «ihr seid meine verquer geborenen, trottenden / Ziegen – und ich bin der Ziegenbock, längst zu kastrieren».
Das Burleske, die wilden Sprachorgien und die Zuspitzungen ins Groteske können nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Gedichte Teile eines nie endenden Totengedenkens
Auch gut 600 Jahre nach seinem Tod findet der italienische Dichter Francesco Petrarca (1304-1374) keine Ruhe: Ein italienisches Forscherteam hat jetzt die sterblichen Überreste exhumiert, um die Gesichtszüge des Dichters zu rekonstruieren. / Berliner Morgenpost 20.11.03 / Ausführlicher im Independent 20.11.03 / Kommentar Süddeutsche 20.11.03
Im titel-Magazin 47 bespricht Klaus Hübner:
F.W. Bernstein: Die Gedichte. Antje Kunstmann 2003. Gebunden. 600 Seiten. 19,90 Euro. ISBN 3-88897-340-6 (mit Lesepröbchen)
/ 17.11.03
The legend begins at the moment of Rimbaud’s birth on October 20, 1854, in the small town of Charleville. Some say he was born with his eyes open, as a sign of the seer that he would become; others claim that the future traveller surprised the midwife by crawling toward the door. / Ruth Franklin, The New Yorker 17.11.03 über
I Promise to Be Good: The Letters of Arthur Rimbaud, edited by Wyatt Mason
Von MONICA DAVEY
The New York Times*), November 17, 2003
SINCE 1912, poets and editors have produced the monthly magazine Poetry on a budget sometimes stretched perilously thin. Recently, its home has been a cramped, borrowed office beside the stacks in a Chicago library.
Over the years, the magazine featured poets who would become among the best known of their times — Ezra Pound, Marianne Moore, Wallace Stevens, William Carlos Williams, T. S. Eliot, Carl Sandburg. The next issue was never a sure thing, but whenever it seemed the money had run out, someone stepped in with a few dollars, enough to keep the magazine’s presses chugging.
All that has changed. The magazine remains, but the financial struggle has vanished
In der Reihe „Poet’s Choice“:
Edward Hirsch features a poem by Daniel Hughes. (The Washington Post 16.11.03)
Poetry Daily präsentiert einen Essay von Stephen Yenser
(aus The Yale Review)
über
Collected Poems, by Robert, Lowell, edited by Frank Bidart and David Gewanter, with an Introduction by Frank Bidart (Farrar, Straus and Giroux, 1186 pp., $45)
/ 16.11.03
Als 14. Band der von Wassiliki Knithaki und Adrian Kasnitz herausgegebenen Lyrikreihe „Parasitenpresse“ erschien die von Stan Lafleur und Adrian Kasnitz herausgegebene Anthologie „Bier & Schläge. Fußball-Gedichte“. Darin enthaltene Texte sind:
1 Achim Wagner: mersey
2 Klaus Hansen: die bilanz des wochenends
3 Guy Helminger: Bodenschüssig
4 Anne Tharau: Zinemagie
5 Arne Rautenberg: [Haiku]
6 Nikola Richter: abseits
7 Stan Lafleur: gott spielt tipp-kick
8 Adrian Kasnitz: beckham’s foot
9 Crauss.: dribbeln, duschen mit elf
10 René Hamann: turnier bei oma: finale
11 Tom Schulz: Wir sind Weltmeister
Bier & Schläge. Fußball-Gedichte, hg. v. Stan Lafleur und Adrian Kasnitz. 14 Seiten. Preis: 5,- EUR.
parasitenpresse@hotmail.com
http://parasitenpresse.kulturserver-nrw.de
parasitenpresse / bei knithaki / richard-wagner-str. 18 / d-50674 köln
/ 16.11.03
Rolf Schneiders Berliner Anthologie: Günter Kunert, Berlin, Berliner Morgenpost 16.11.03
In der NYT vom 16.11.03 Besprechung und 1st chapter der neuen Puschkin-Biographie von T.J. Binyon. – – – The complete guide to Literary Africa verspricht der Independent vom 15.11.03 – – – Im Hamburger Abendblatt vom 15.11.03 erinnert Maike Schiller an Dylan Thomas.
Zu den Pionierinnen der Modernisierung in Iran gehörte Qurrat al-Ayn (1817-1852), eine Dichterin, die im Jahre 1848 ohne islamischen Hijab bei einer Versammlung einer revolutionären Gruppe erschien. Noch heute, mehr als 150 Jahre nach ihrer Hinrichtung durch den damaligen khadjarischen König, kann man ihre mystischen Liebesgedichte auch aus dem Mund einfacher Menschen hören. … Zu den kreativsten und meistgelesenen Dichtern zählt in Iran nach Ahmad Shamlu, der als iranischer Neruda bezeichnet wird, eine Frau, die Dichterin Forugh Farrokhzad (1934-1967). Ihre Gedichte üben nicht nur hinsichtlich ihrer Sprache und Form, sondern auch durch ihre Sicht auf die Welt und den Menschen seit mehr als vier Jahrzehnten auf mehrere Generationen grossen Einfluss aus. …
Nachdem Farrokhzad zunächst drei Sammlungen mit Lyrik in klassischer Form veröffentlicht hatte, ging sie zu freien Gedichten über und öffnete damit den Weg zu einer neuen Form moderner iranischer Dichtung. Ihre Innovationen in Bezug auf Form und Sprache fanden zahlreiche Nachfolger und Imitatoren. Mit einer Klarheit und Kühnheit, die in der persischen Sprache und der iranischen Geschichte ohnegleichen waren, zeichnet sie in ihren klassischen und modernen Gedichten ein Bild von den sozialen, emotionalen und sexuellen Bedürfnissen, Gefühlen und Wünschen iranischer Frauen. Insbesondere in ihren modernen Gedichten widmete sich Farrokhzad neben dem Protest gegen die Traditionen und die einengenden kulturellen, politischen und religiösen Tabus auch der Erforschung der Tiefen kollektiver Vorstellungen, den Labyrinthen der Kultur und existenziellen und philosophischen Fragen. Am Ende ihres kurzen Lebens – sie starb mit nur 33 Jahren bei einem Autounfall – verband sie in ihren Gedichten, die die modernste Tendenz in der iranischen Lyrik darstellten, ästhetische Werte und philosophische Fragen mit sozialer und politischer Kritik. / Faraj Sarkohi, NZZ 15.11.03
Außerdem in dieser NZZ-Beilage: Islamische Kalligraphie / Hugo Ball als Kabarettdichte
Die romantisierende Verschmelzungssehnsucht des lyrischen Subjekts hat hier keine Chance mehr. Es geht in diesem wie auch in den folgenden fünf Zyklen um die Auslotung von Wahrnehmungsverhältnissen, um die Erkundung der Möglichkeiten von poetischer Erkenntnis. Bereits sein vielgelobter Erstling Lichter in Menlo Park (2000) enthielt solch strenge Exerzitien der Wahrnehmung, lyrische Streifzüge durch die klassischen Experimentierstätten der modernen Technikgeschichte. Es ging um Kontinente, Windgeschwindigkeiten, Wolkenbildung, Teilchenbeschleunigung, physikalische Zustände des Wassers und vor allem um Veränderungen des Lichts.
So überrascht es nicht, wenn auch das lyrische Subjekt in den „Faltenwürfen“ beim Erfassen der Naturszene auf physikalische Unschärferelationen zurückgeworfen wird. Schon bevor das erste Gedicht eine Verfinsterung des sonnenhellen Vormittags registriert, stolpert man über eine Negation. Nach zwei Zeilen vertrauter Herbst-Metaphorik stößt man auf die schroff den Gedichtrhythmus konterkarierende Fügung vom „unewigen Schnee“. / Michael Braun, FR 12.11.03
Raphael Urweider: „Das Gegenteil von Fleisch.“ Gedichte. DuMont Verlag, Köln 2003, 90 Seiten, 17,90 Euro.
Die geheime Sehnsucht der (meisten) Germanisten: selber schreiben, hat sich jetzt auch Karl Otto Conrady erfüllt, berichtet die Kölnische Rundschau am 12.11.03
Karl Otto Conrady: „Wörtertreiben“ Landpresse-Verlag ISBN 3-935221-19-3, 18 Euro
In der Warschauer «Folkszeitung», einer jiddischen Tageszeitung, erschienen 1927 die ersten Gedichte von Rajzel Zychlinski. 1910 in Gombin, einem polnischen Schtetl, geboren, ging Zychlinski Anfang der dreissiger Jahre nach Warschau, wo der Jiddische Schriftstellerverband 1936 ihren ersten Gedichtband unter dem Titel «Lider», Gedichte, mit einem Vorwort von Izik Manger, veröffentlichte. Schon damals wurde die Ausdruckskraft ihrer Sprachbilder erkannt, wurden ihre Gedichte als lyrische Miniaturen bezeichnet und ihre freien Verse gelobt. …
Während sie in den dreissiger Jahren in pastoralen Szenen die Landschaft beschrieb und in den vierziger Jahren Episoden aus der Thora in einer säkularen Sprache umformte oder nostalgisch das Schtetl beschwor und die Shoah fast metapoetisch reflektierte, evozierte sie in den späteren Gedichten das Strassenbild New Yorks in verbrämt realistischer Manier. «un chotsch in di frimorgnss / ajln dort gedichte massn mentschn / zu scheper, zu bjuroen – / is baj nacht dort schtil, / kejn mentsch, kejn licht», heisst es in «jene gass» (Diese Strasse dort: Und wenn auch frühmorgens dort / dichte Menschenmengen hasten / zu Fabriken und Büros, / nachts ist es still, / kein Mensch, kein Licht). / Stefana Sabin, NZZ 11.11.03
Rajzel Zychlinski: di lider. Die Gedichte. Jiddisch und Deutsch. Herausgegeben und übertragen von Hubert Witt. Verlag Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2003. 967 S., Fr. 38.-.
Neue biologische Deutungsmuster präsentierte ein Artikel im Boston Globe vom 9.11.03
Far from being abstract, music presents a strange analog to the patterns created by the sounds of speech. „Music, like the visual arts, is rooted in our experience of the natural world,“ says Schwartz. „It emulates our sound environment in the way that visual arts emulate the visual environment.“ In music we hear the echo of our basic sound-making instrument — the vocal tract. The explanation for human music is simpler still than Pythagoras’s mathematical equations: We like the sounds that are familiar to us — specifically, we like sounds that remind us of us.
This brings up some chicken-or-egg evolutionary questions. It may be that music imitates speech directly, the researchers say, in which case it would seem that language evolved first. It’s also conceivable that music came first and language is in effect an imitation of song — that in everyday speech we hit the musical notes we especially like.
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