In seiner Heimat Bengalen ist Alokeranjan Dasgupta einer der berühmtesten lebenden Dichter. Als Dozent für Vergleichende Literaturwissenschaft und Bengalistik lehrte er an der Jadavapur Universität in Kalkutta und hatte bis 1994 eine Gastprofessur am Südasien-Institut der Universität Heidelberg inne. Einen Namen machte sich Dasgupta auch als Übersetzer bengalischer Literatur: Er übersetzte unter anderen Goethe, Hölderlin, Brecht und Grass.
Der Dichter pendelt zwischen zwei Kulturen: Die eine Hälfte des Jahres lebt er in Indien, die andere verbringt er in seiner Wahlheimat an der Bergstraße. „Ich weiß nicht, wo ich hingehöre“, sagt Dasgupta. …
Die meisten seiner Werke verfasst der Lyriker in Bengali, einer rollenden melodischen Sprache, wie das Publikum erfährt, als Dasgupta mehrere Gedichte im Original vorliest. / Weinheimer Nachrichten / Odenwälder Zeitung 29.6.
Das Bild des armen Poeten ist nicht nur in der Malerei ein Standardmotiv – sondern auch im echten Leben! Es ist klar: Die Dichter (bzw. Philosophen, Literaten) und das Geld führen seit Jahrhunderten eine ebenso lieb- wie hasserfüllte Auseinandersetzung, die andauert. Schätzt du das Geld auch so sehr wie ich? soll Heinrich Böll Hans Werner Richter einmal gefragt haben, um nur ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zu nennen. Die nächste Veranstaltung der Datenschreiber-Reihe spürt am 20. Jahrestag der deutsch-deutschen Währungsunion der Frage nach der Poesie des (meistens fehlenden) Geldes nach.
AKTION ALUCHIP: Wer mit einem Original-Geldschein aus der DDR „bezahlt“, erhält freien Eintritt.
Näheres unter www.lettretage.de und www.datenschreiber.net.
Donnerstag, 1. Juli 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Datenschreiber: DIE ZETTEL, DIE DIE WELT BEDEUTEN oder MONEY IS A KIND OF POETRY
Es lesen Denis Abrahams und Tom Bresemann
Die Reihe „Datenschreiber“ wurde konzipiert von Philip Maroldt und Moritz Malsch
Verwirklicht mithilfe von Projektmitteln des Berliner Senats
Acht Daten, elf Autoren, rund sechzig Jahre Geschichte. Um den Nukleus eines mehr oder minder zufällig „Gegebenen“ (lat. datum) herum – sei es tragisch oder trivial, esoterisch oder paranoid – sammelt sich der Sternenstaub der Historie zu einem „schmutzigen Schneeball“.
Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Daten her? Und welchen Daten schreiben wir uns zu? (Paul Celan)
Geld ist eine Art Poesie, hat Wallace Stevens kurz und knapp konstatiert. Doch was soll das eigentlich heißen? Was macht die Faszination an jenen Zetteln, die die Welt bedeuten, aus? Warum glauben wir wie selbstverständlich, was auf ihnen steht? Welches Bedürfnis (nach Aristoteles) wird abgebildet, wenn sich Gedichte mit Geld befassen? Ausgehend vom eigenen Schreiben hat sich Tom Bresemann auf die Suche begeben, hat Texte von Kollegen aus verschiedenen Jahrhunderten unter die Lupe genommen, und ihnen philosophische Überlegungen seit der Antike anheim gestellt. Gefunden wurde ein dichter als gedacht geknüpftes Motiv-Netz, welches seit über 2000 Jahren die literarische und philosophische Auseinandersetzung mit dem Geld bestimmt bzw. modifiziert. In der Lettrétage wird am 1. Juli 2010 nicht zuletzt anlässlich des 20. Jahrestages der Währungsunion von DDR und BRD vom 1. Juli 1990
gezeigt werden, was über den bloßen Gebrauchs- und Kommunikationswert hinaus das Geld ausmacht. Dazu werden Texte gelesen, unterbrochen von Videoclips mit Zeitzeugenaussagen und -bildern zur Währungsunion.
Die Lettrétage lädt Sie herzlich ein, sich im oben skizzierten Motiv-Netz verfangen zu lassen, frei nach Nicolas Born:
Einmal steht jeder vor der Frage ob er selbst fährt oder sich fahren läßt.
Texte von Aristoteles, Catull, Walter von der Vogelweide, Heinrich von Kleist, Charles Baudelaire, Georg Simmel, Nicolas Born, Daniel Falb und Tom Bresemann.
Tom Bresemann, geboren 1978 in Berlin, wo er seither von unter 1000 € monatlich lebt.
Denis Abrahams, geboren 1974 in Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. Bereits während des Studiums spielte er am Staatstheater Mainz. Weitere Stationen waren u.a. das Staatstheater Wiesbaden, die Oper Frankfurt, Stuttgart und das Theater der Stadt Koblenz. Seit Mitte der Neunziger Jahre tritt Denis Abrahams als Rezitator und Vorleser auf und hat sich seither ein breites Repertoire erarbeitet. Seit 2004 lebt und arbeitet Denis Abrahams als freier Sprecher und DJ in Berlin und hat bereits in zahlreichen Hörspielen mitgewirkt.
Tags darauf versammelten sich dann Autoren und Kritiker zu dem seit 1967 stattfindenden Forum, bei dem ausgewählte Autoren Unveröffentlichtes lesen, über das anschließend die Kollegen und Kritiker diskutieren. …
Bruno Epple las seine „Gedichte zum Auflesen“, das heißt seine in den hiesigen Wörterwiesen aufgelesenen Gedichtfrüchte. So schön wie immer. Die problemabweisende Epple-Schönheit. …
Mit seinen phantasievollen, wissenschaftskritischen Gedichten voller Selbstironie und „Fabulierfreude“ (Eva Berberich), die Grenzen überschreiten, überzeugte der Autor Manfred Gruhler. Für den Verleger Herbert Klöpfer entwickelt sich bei ihm ein „ganz eigener Kosmos“. Durch schöne Bilder erfreute Jürgen-Peter Stössels Lyrik die Kollegenrunde, „Kinderantwort“ hieß eines seiner besonders gewürdigten Gedichte. Befreiend kreativ, irritierend, wurde der Autor Martin Strauß in seiner artistischen Lyrik mit „Antipathos“ empfunden. / Südkurier
Wer wird diese Gedichte mögen? Alle, die im Leben nicht immer so genau wissen, worauf es eigentlich ankommt. Alle, die es nicht schätzen, wenn man schwere Anliegen „plötzlich ganz leicht macht“– mit Sicherheit nicht die, die – wie es der Klappentext munter daher plappert – „angesichts unserer alltäglichen Katastrophen nicht den Humor (…) verlieren.“ Polityckis passagere Promenaden, sein Durch-die-Seiten-Streifen in Versen aller Formen – vom Sonett bis zum Slam-Text – machen das Leben überhaupt nicht leichter. Auch nicht schöner. Sondern intensiver. So, wie´s sich für gute Gedichte gehört. / Britta Koth, Unser Lübeck
Matthias Politycki: Die Sekunden danach. 88 Gedichte, Hoffmann und Campe, 128 Seiten
Matthias Politycki: Die Sekunden danach. 88 Gedichte, Hoffmann und Campe, 128 Seiten
Joachim Wittstock ist aus Rumänien angereist. Der in Hermannstadt geborene Rumäniendeutsche Autor, Stipendiat des Jahrganges 1993, widmet seine Geschichte „Windmühle“ Achim von Arnim und dessen Gedicht „Öffne nicht die goldnen Tore“.
… Und so bleibt Wiepersdorf ein Ort der Begegnungen. Beim Sommerfest am 11. Juli auch für die Öffentlichkeit.
Sommerfest am 11. Juli, ab 13 Uhr. Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Bettina-von-Arnim-Straße 13, Wiepersdorf. Tel. 0337 46/6990.www.schlosswiepersdorf.de
/ Martin Stefke, Märkische Allgemeine
In „Celans Kreidestern“ gibt eine bislang nahezu Unbekannte Einblick in das Leben des Dichters. Sie weist auf Spuren der Verbindung in seinem Werk hin, auf gemeinsam Erlebtes, eigene Wortschöpfungen oder Privatsprache, die Celan in seine Lyrik aufgenommen hat. So eröffnet Eisenreich neue Blickwinkel auf das komplexe Werk.
Uneitel erzählt sie von den Jahren „am Rande seines Lebens“, die sie „gleichzeitig sehr nahe und sehr weit von ihm entfernt“ verbrachte. Celan besucht die junge Frau in unregelmäßigen Abständen. Trifft er sie nicht an, zeichnet er einen Kreidestern auf die Schiefertafel vor ihrem Zimmer. Ein Zeichen, dass er ihr bisweilen als Widmung in seine Bücher schreibt. …
An Brigitta Eisenreich appelliert er verzweifelt: „Verjude doch!“. Sie hört den Ausdruck, der aufs Engste verknüpft ist mit der faschistischen Diktatur, als Schuldzuweisung. Die junge Frau kann nicht begreifen, was die heute 82-Jährige versteht: Celan meint „verjuden“ als Umkehrung von Hitlers Vernichtung. „Man kann zum Juden werden, wie man zum Menschen werden kann; man kann verjuden und ich möchte, aus Erfahrung, hinzufügen: auf deutsch heute wohl am besten.“ / Birgit Güll, Vorwärts
Brigitta Eisenreich: „Celans Kreidestern. Ein Bericht“ unter Mitwirkung von Bertrand Badiou, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2010, 266 Seiten, 22,80 Euro, ISBN 978-3-518-42147-5
Im Guardian vom 19.6. bespricht Charles Bainbridge den Gedichtband „A Village Life“ von Louise Glück. Darin zitiert er aus dem Gedicht „Walking at Night“:
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I recognize the couple who are introduced in this poem by Patricia Frolander, of Sundance, Wyoming, and perhaps you’ll recognize them, too.
Denial
He called it “his ranch,”
yet each winter day found her beside him
feeding hay to hungry cows.
In summer heat
you would find her in the hayfield—
cutting, raking, baling, stacking.
In between she kept the books,
cooked, cleaned
laundered, fed bum lambs.
Garden rows straight,
canned jars of food
lined cellar walls.
Then she died.
I asked him how he would manage.
“Just like I always have,” he said.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by Patricia Frolander, and reprinted from her most recent book of poems, Grassland Genealogy, Finishing Line Press, 2009, by permission of Pat Frolander and the publisher. Introduction copyright © 2010 by The Poetry Foundation. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Mit seinem „Lexikon-Roman“ schrieb Andreas Okopenko zukunftsweisende Literaturgeschichte, mit seiner Lyrik ging er stets eigene, eigenwillige Wege: Gestern, Sonntag, Vormittag ist der bedeutende österreichische Dichter und Staatspreisträger 80-jährig gestorben. …
„Ich bin nicht nur meinen Anfängen, sondern auch meinem Wesen nach Lyriker“, betonte Okopenko und auch sein meist beachtetes Werk, das „Lexikon einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden“ ist unter diesem Aspekt zu verstehen: Weithin nur „Lexikon-Roman“ genannt ist der Text aus 1970 enzyklopädisch in Stichworten von A bis Z aufgebaut und mit Querverweisen versehen. Als eine der ersten Vorwegnahmen von Netzliteratur und Hypertext wird hier der Leser dazu aufgefordert, sich einen individuellen Roman zu basteln. Seit 1998 gibt es den Avantgarde-Klassiker tatsächlich als veränderbare CD-Rom-Version, an der Okopenko auch mitarbeitete. / Der Standard 28.6.
Mehr: Zintzen.org / Kurier / ORF / Kulturministerin Claudia Schmied zum Tod von Andreas Okopenko /
Links: Andreas Okopenkos „Lexikon einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen in Druden“ ist jetzt als Hypertext auf CD-ROM erschienen, Die Zeit 25/1998 / Interview mit Okopenko / Christiane Zintzen, Traumbilder | Traumberichte /
In L&Poe:
Neuere Beiträge hier
(die älteren sind im Archiv erreichbar)
Im gut besuchten Vortragssaal des Goethe-Museums war jetzt der Diplomat Stéphane Hessel zu Gast. Im Gespräch mit Professor Bernd Witte stellte er dort sein jetzt im Grupello Verlag erschienenes Buch „Ô ma mémoire – Gedichte, die mir unentbehrlich sind“ vor. Es ist die ungewöhnliche Form einer Autobiographie, denn anhand von 88 Gedichten, die er im Laufe von Jahrzehnten auswendig gelernt hat, reflektiert Stéphane Hessel sein überaus bewegtes Leben. / Rheinische Post
Fußball habe nun doch nichts mit Krieg zu tun, schrieb ein Kommentator neulich beim Sieg der Serben. Tennis vielleicht schon eher („Bum-Bum-Becker“)? Der Wimbledondichter Matt Harvey schreibt, der Rasen von Wimbledon sei „mehr als Rasen“:
it’s a lawn – just a lawn
but it’s more than a lawn
it’s a dance floor, a war zone, a platform, a stage
showcase, coliseum, a ring, a fight cage
big top, debating hall, combat arena
goldfish bowl, cauldron, a cliche convener
petri dish, pressure cooker, drama provider
physics laboratory, small hadron collider
…
Ein paar Tage eher schrieb er über Andy Murray, „one of ours“:
if ever he’s brattish
or brutish or skittish
he’s Scottish
but if he looks fittish
and his form is hottish
he’s British
Unter den Autoren der Romandie ist er ohne Zweifel eine singuläre Erscheinung, inzwischen über neunzig Jahre alt: Georges Haldas. … Dem Lyriker und poetischen Chronisten Haldas widmet die Literaturzeitschrift «Orte» nun ihre jüngste Nummer, mit einem anregenden und informativen Querschnitt durch sein Werk, von 1942, als «Cantique de l’aube» erschien, bis 2000, dem Erscheinungsjahr der «Poésie complète», eines über 900 Seiten starken Wälzers. … Viel Empathie und Phantasie auf engem Raum: Die Zeitschrift «Orte» macht hier einen dringenden Vorschlag zur Wiederbegegnung mit einem höchst ungewöhnlichen Autor. / Martin Zingg, NZZ 23.6.
«Orte» Nr. 162: «Georges Haldas, Poète». Zu beziehen über Orte-Verlag, Rüteggstrasse 48, 9413 Oberegg. info@orteverlag.ch.
2.PoetryToGo-Version 27.6.2010
TomDeToys | 27. Juni 2010 | 2:42
G&GN-INSTITUTE 27.6.2010: 19.MobilePoetryClip @ http://www.PoetryToGo.de (c) TM POEMiE 16.-18.6.2010 NEW COLOGNE (BERLIN) / This final OFFicial Version is the second part in the series of 5 videos for the poem „PARANORMALE PAUSCHALITÄTEN (KOAN IM KANON)“ that was written from 16th to 18th June 2010. The series was spoken at sunday morning between 10 and 12 a.m. when the neighbours went to church. The church bells started to ring at 9:50 o’clock, the original water video was already shot June 19th at Landwehrkanal (channel of river Spree) in Berlin-Kreuzkölln.
Tom de Toys, 16.-18.6.2010: „PARANORMALE PAUSCHALITÄTEN (KOAN IM KANON)“ = alles liegt im ganZen / etwas ist geschehen / morgen gibt es nicht / und wir sind mittendrin / ich glaube daß du / da bist wo die liebe / keine fragen stellt / im gegensatz zu den / touristen die grund- / sätzlich nur im weg / rumstehen weil sie / nirgends hingehören / wenn das leben länger / dauert als vorher- / gesehen nehme ich mir / 1 jahr urlaub um mich / mit dem ganZen nicht / mehr zu b-schäftigen / als ob ein zauber darin / läge denn das rätsellose / bleibt ein OFFenes / geheimnis selbst / für unverhältnis- / mäßig schlaue leute / scheint die sonne falls / die sonne scheint auf / jeden rücken jeder / über1ander gestapelt / schlafenden schildkröte / die geduldig vOM / regenplätschern auf / dem unendlichen / meeresgrund träumt //
To punish
men for their endless sins
God gave me
this fair skin,
this long black hair.
Um die Männer zu bestrafen
für ihre endlosen Sünden
gab mir Gott
diese glatte Haut
dies lange schwarze Haar.
From: Universes in Collision. Men and Women in 19th Century Japanese Prints (Bayly Art Museum) http://www.lib.virginia.edu/dic/bayly/docs/columna3.big.html
Yosano Akiko (1878-1942)
Jemanden lieben
der die Liebe nicht erwidert
ist dasselbe wie im großen Tempel
sich vor dem Hintern eines Hungerteufels
in den Staub werfen.
Aus: Ooka Makoto, Dichtung und Poetik des alten Japan. München und Wien: Carl Hanser Verlag 2000, S. 68.
Ahiomohanu
hito wo omohu ha
ohotera no
gaki no shirihe ni
nukatsuku gotoshi
Amare una persona
che non ci riama,
è come prostrarsi
dietro a un’immagine
del demone della fame
nel grande tempio.
Nr. 608 Transkription des Originals und italienische Nachdichtung
(von der Homepage von Aldo Tollini )
Kasa no Iratsume, um 750
Das Gedicht stammt aus dem Manyoshu (Sammlung der 10.000 Blätter), der ersten bedeutenden Anthologie japanischer Lyrik, die etwa um 760 zusammengestellt wurde und mehr als 4500 Gedichte enthält. Mehr als ein Drittel der Gedichte stammen von Frauen. Die Dichterin Kasa no Iratsume kennt man nur aus dieser Anthologie.
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