69. Buch ohne Staben

Wenn er, wie er sagt, wirklich keinen Plan von Kunst hat, dann liegt es vielleicht daran, dass er selbst Kunst ist. Raver-Frisur, ungarischer Bart, Pullunder und Adidas-Sneaker – der Lyriker und Performer Dr. Peter Treznok an sich macht Spaß, da kann sein so genanntes stabiles Buch, das er am Freitag in der Walpodenakademie vorstellte, kein allzu großer Schund sein. In der Sammelausstellung „Materialschlacht“, die am Freitag in der Walpodenakademie in der Neubrunnenstraße eröffnete, präsentieren bis zum 8. Mai auch drei weitere Künstler ihre Arbeiten.

Ist ein stabiles Buch das Gegenteil zu einem labilen Buch? Gibt es ein Buch ohne Staben oder Staben ohne Buch? Diese Fragen beschäftigten Dr. Treznok während des einjährigen Schaffensprozesses an seinem stabilen Buch. Den Inhalt – Treznoks eigene dadaistische Lyrik – druckte der Wahl-Mainzer „mit einer ollen Handnudel“ und Bleisatz auf Tapetenmuster. 50 Exemplare stellte Treznok her. „Die Frage ist“, so Treznok, „warum kostet jedes davon 200 Euro?” / Wiesbadener Tagblatt

68. Radiosendung mit „Geistersehen“ und rough-Song

Heute 20 – 21 Uhr auf Radio 98,1  (im Raum Greifswald, live im Internet auf www.98eins.de) die neueste Sendung der Plattform-Redaktion mit Berichten von der Leipziger Messe u.a. über die Uraufführung des rough-Songs am ersten Messeabend in der Gaststätte Waldfrieden durch Christian Filips und den Waldfrieden-Chor  – lohnt sich!, außerdem eine Rezension des huchelpreisgekrönten Bandes „Geistersehen“ von Marion Poschmann. (Wers verpaßt: wird danach, spätestens am Montag, auf der Website zum Download bereitstehen, also die Sendung).
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67. Clemens Schittko hat einen Preis

Der zweite „Lauter Niemand Preis für politische Lyrik“ wurde kürzlich in Berlin vergeben. Eine Verteidung des Siegertextes von Stefan Schmitzer, The Gap:

Der „Lauter Niemand Preis für politische Lyrik“ ist lustig dotiert (400 € – gerade so viel, dass es noch als „echtes“ Preisgeld durchgeht) und von einer Literatur-Zeitschrift gestiftet, die im ihrem Namen (Lauter Niemand) schon ihr Programm umreißt (etwa: Hinzens und Kunzens Privatpoetiken in fruchtbarem Nebeneinander mit den Patent-Kapazundern des „neuen deutschen Lyrik-Hypes“).

Zum Anlass gab es eine Lesung der Autoren der „engeren Wahl“, eine Diskussion  und die Bekanntgabe des Preisträgers. Dass der Clemens Schittko heißt und den Preis für sein Gedicht „Who is who / Is who or what“ gekriegt hat, erfüllt mich mit Genugtuung. Weil:

Diesen Monstertext, diese 24 Seiten füllende Litanei über Geschichte und Farce der deutschen Gegenwart, dieses  genial einfach konstruierte Ding kenne ich schon länger (seit „Perspektive“#64). Habe ihn/ sie/ es auch bei zwei Anlässen als „extrem super“ bezeichnet und musste dann den Doppelvorwurf „zu lang! und unterkomplex!“ lang und breit entkräften. Stimmt halt einfach nicht. Das hab ich jetzt, dank der Lauter Niemand-Jury, quasi schriftlich.

Geschenkt: Wer von „Who is who…“ nur die erste halbe Seite liest, muss sich denken: Kennen wir schon, bringt uns nicht weiter. Ein einziges Formprinzip – hier die Aussage „A heißt jetzt B“ – über allerhand Sachverhalte zu spannen, ist wirklich weder neu noch originell. Und erinnert an die langweiligeren Gebilde von Erich Fried et al.

Aber je länger der Text läuft, desto mehr wird deutlich, was das nochmal heißt, dass dokumentarisch-didaktische Lyrik ihre Wurzeln genauso sehr in Lied und Zauberspruch hat wie jede andere. Einen Text zu bauen, der zum Mitgrölen – „Raider heißt jetzt Twix“ – genauso anregt wie zur Recherche von Detailfragen deutschen Versicherungsrechts oder zur Kontemplation verschobener Subjektbegriffe – das mache Schittko mal einer nach.

Dass Schittko noch keinen „eigenen“ Gedichteband hat, ist eine Frechheit. Wo es Zeug von ihm zu lesen gibt, steht andererseits eh hier.

Lauter Niemand. Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa

www.lauter-niemand.de

66. Statistik

Apropos Zahlen – brandneu kommen diese an:

3sat.online 3satText

 3satText  14.04.11 20:34:47    S.505-1
                       Kultur
                       Nachrichten

 Dichter-Anzahl: Deutschland führt

 Deutschland ist, wie EU-Statistiker
 herausgefunden haben, immer noch ein
 Land der Dichter und Denker. Rund
 330.000 Schriftsteller und Künstler
 arbeiten in der Bundesrepublik, so
 viele wie in keinem anderen europäi-
 schen Land. Großbritannien kann 200.000
 Kulturschaffende vorweisen, Frankreich
 180.000 und Italien 120.000.

 Betrachtet man allerdings nicht die ab-
 soluten Zahlen, sondern die Künstler-
 dichte, sind in Deutschland 0,8 % aller
 Beschäftigten als Schriftsteller und
 Künstler tätig. In Schweden und Finn-
 land liegt ihr Anteil dagegen bei 1,5%.

   500 <-         Ausstellungen -> 515

65. Wie findet Lyrik heute eine Öffentlichkeit? TeaTimeLesungen und Gespräche

Sonntag, 17.4., 17.30 Uhr

„Gedichte sind kein Luxus, sie gehören zu unserem Existenzminimum“, schreibt Elisabeth Borchers. Sie ist fest davon überzeugt, dass Lyrik unverzichtbar ist, doch im letzten Jahr erschienen nur etwa 15 Lyrikdebüts*) im deutschsprachigen Raum, ein verschwindend geringer Anteil im Vergleich zu der stetig wachsenden Menge an Prosaliteratur.

„Wie findet Lyrik heute eine Öffentlichkeit?“ – ist Thema einer TeaTimelesung am Sonntag, 17.04., 17.30 Uhr, Literaturhaus, Schwanenwik 38

Idee, Konzeption, Moderation: Charlotte Ueckert .

Lesungen und Gespräche mit:

Autorin Nadja Küchenmeister zu ihrem vielversprechenden Debüt „Alle Lichter“ (Schöffling & Co.). Simone Kornappel und Philipp Günzel präsentieren ihr neues Literaturmagazin „randnummer“ und Julietta Fix informiert über ihr  Onlinemagazin  FIXPOETRY.COM und ihren neuen gleichnamigen Verlag.

Karten unter: Tel. 227 92 03 oder 207 69 037 oder Mailto: lit@lit-hamburg.de

Literaturzentrum Hamburg
Schwanenwik 38
22087 Hamburg
Internet: www.lit-hamburg.de

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*) nur 15 Debüts? Woher kommt diese Zahl? Glaub ich nie und nimmer. Was zählt man da mit? Wie wird das „ermittelt“? Hier meine Bitte und mein Aufruf an &Poe-Leser: Helfen Sie mir, eine etwas genauere Zahl von Lyrikdebüts 2010 und auch gleich 2011 zu ermitteln! Schreiben Sie mir per Mail oder hier im Kommentar einschlägige Titel, von denen Sie Kenntnis haben! Auch wenn Sie die Autorin oder der Autor oder Verleger sind! Ich stelle aus den Daten zusammen mit meinen eigenen Informationen eine Debütantentafel 2010 und 2011 zusammen. Bitte möglichst exakte Angaben, also wenn möglich inclusive Seitenzahl, Preis und wenn vorhanden ISBN-Nummer. Lassen Sie uns gemeinsam ein Stück Literaturbetrieb ein wenig aufklären!

64. Einsiedler-Existenzen

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Hans Arp, Richard Huelsen­beck, Marcel Janco und Tristan Tzara machte sich Ball allen Ernstes daran, mit seinen dadaistischen Aufführungen ein – wie er schrieb – „Gegenspiel zum Bolsche­wismus“ in Szene zu setzen. Alle literarischen Traditionen wurden auf den Prüfstand gestellt, die Grammatik sollte zersprengt, die Syntax aufgelöst, die poetische Ordnung auf den Kopf gestellt werden. Aber schon im Sommer 1916 distanzierte sich Ball von diesem turbulenten Treiben und erklärte den Expressionismus, den Dadaismus „und andere Mismen“ zur „schlimmsten Bourgeoisie“: „Das ›Cabaret Voltaire‹“, so polemisierte nun der Avantgardist auch gegen sich selbst, „ist nichts­nutzig, schlecht, dekadent, militaristisch, was weiss ich, was noch. Ich möchte so was nicht mehr machen.“ Bärbel Reetz zeigt in ihrem Almanach-Beitrag, dass Hugo Ball trotz seiner Abwendung vom „Cabaret Voltaire“ einigen seiner Freunde treu blieb, insbesondere Hans Arp, mit dem er später immer wieder im Tessin und in Italien zusammen traf, um mit ihm gemeinsam, wie es in einem Brief von Hans Arp heißt, „das gelobte Land des Schöpferischen zurückzugewinnen“. …

Von einigen freischwebenden Intelligenzen, die dereinst mit marxistischen Überzeugungen angetreten waren, später dann als Ketzer verfolgt wurden, berichtet auch das aktuelle März/April-Heft der Literaturzeitschrift „Sinn und Form“. Ein hier erstmals edierter Briefwechsel zwischen dem experimentellen Sprachkünstler und Grafiker Carlfriedrich Claus und dem Philosophen Ernst Bloch dokumentiert die Einsamkeit zweier undogmatischer Marxisten, die in der DDR ins Abseits gerieten, aber stets an einem Begriff der Utopie festhielten. Wie Hugo Ball führte auch Carlfriedrich Claus eine Einsiedler-Existenz, er lebte in selbstgewählter Klausur und großer Armut in Annaberg im Erzgebirge. Die Ernst Bloch-Lektüre wurde für den Mikroschriftbilder-Komponisten Claus zu einer Offenbarung, er schreibt in einem Brief von den „Stille-Punkten im Noch-Nicht-Gewordenen der Natur“, zu denen ihn die Bloch-Lektüre führte. / Michael Braun, Zeitschriftenlese im Poetenladen

Hugo Ball-Almanach. Neue Folge 2, 2011
Levelingstr. 6a, 81673 München. 216 Seiten, 16 Euro.

Sinn und Form 2/2011
Postfach 210250, 10502 Berlin. 160 Seiten, 9 Euro.

63. Gedicht

Von Thomas Kunst, Leipzig

 

ES SIND DIE LETZTEN SCHÖNEN TAGE HIER
Auf dieser Welt, ich weiß, was nötig wäre,
Mit einem Ascher, einer Gartenschere
Zertrümmer ich den Tisch mit Schalentier.

Wir hören Gieseking und warten lange,
Daß von den Ratten endlich Zeichen kommen
Und sie sich warnen, uns mal ausgenommen,
Bewegung mit Geruch in vollem Gange.

Gedächtnistraining ohne Instrument,
Die Einbeziehung des gesamten Arms,
Gaspard de la nuit in Zattere.

Das Licht, das uns von Heilgetränken trennt,
Die Fügeladern des Insektenschwarms,
Baronia brevicornis, flattere

 

(für Gaston Salvatore)

 

Neu: Thomas Kunst,  „Legende vom Abholen“, Gedichte. Edition Rugerup / Nimrod Förlag AB. ISBN: 978-3-942955-02-7. € 14.90 (tolles Buch – in die Hand nehmen! Lesen!)

Auch schön: Aloysius Bertrand: Gaspard de la Nuit – Phantasien in der Manier Callots und Rembrandts. Aus dem Französischen übertragen von Jürgen Buchmann mit einem Nachwort des Übersetzers. 150 Seiten. ISBN: 978-3-9813470-9-8. 11,90 Euro


62. Deutschland brauchte den Mythos Luise Rinser

Was Sie über Luise Rinsers Rolle während der NS-Herrschaft herausgefunden haben, ist nicht schön…

Sánchez de Murillo: «Nein! Es gibt unbestreitbare Tatsachen, über die man sich empören muss. Ihre Hitler verehrenden Gedichte sind ja schon früher bekanntgeworden. Aber das ist nur ein Bruchteil. Die Biografie deckt darüber hinaus Unbekanntes oder kaum Beachtetes auf. Als Junglehrerin hat sie ihren eigenen Schuldirektor, einen Juden, denunziert. Dadurch konnte sie sich profilieren und machte Karriere im Nazi-Staat. Sie wurde Ausbilderin beim Bund Deutscher Mädel, sie hat also Hitler-Jugend-Gruppenführerinnen ausgebildet. In der Biografie wird sie darum schweren Herzens, aber wahrheitsgemäß Nazi-Pädagogin genannt. Sie hat für die UFA gearbeitet, ein Drehbuch geschrieben. Das alles ist natürlich nicht schön. Und ich denke an die vielen Menschen, die sie verehrt haben und nun enttäuscht werden.»

Luise Rinser hat ja an ihrem eigenen Mythos auch stark mitgearbeitet…

Sánchez de Murillo: «Und da muss man sich fragen: Warum? Der Grund ist, dass sie in die Rolle der Nationalheldin hineingezwungen wurde – gleich nach dem Krieg. Die Deutschen und wir alle haben sie gezwungen, das Vorbild, das sie nicht war, zu spielen. Und dann schlugen die Grünen sie auch noch als Bundespräsidentin vor – wie sollte sie da zugeben, dass sie nicht diejenige war, für die alle sie gehalten haben? Deutschland brauchte den Mythos Luise Rinser, um nach der schlimmen Zeit vor sich selbst bestehen zu können. (…)» / news.de

 

61. Gyrðir Elíasson erhält Nordischen Literaturpreis

Der isländische Autor Gyrðir Elíasson wird mit dem Nordischen Literaturpreis geehrt. Der Preis gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung Nordeuropas und ist mit 47.000 Euro dotiert. Elíasson hat zahlreiche Romane, Kurzgeschichten und Gedichte veröffentlicht. / news.de

 

60. Achmatowa-Oper

Dichteropern sind bei Komponisten beliebt. Erfunden wurde diese Gattung vermutlich von Umberto Giordano (‚Andrea Chenier‘), aufgeblüht aber ist sie erst in den letzten Jahren. So hat sich Matthias Pintscher Rimbaud vorgenommen, Peter Ruzicka Celan und Hölderlin, und jetzt ist an der Pariser Opéra mit Anna Achmatowa die berühmteste Dichterin Russlands dran, vertont von dem 1974 geborenen Bruno Mantovani. / REINHARD BREMBECK, Süddeutsche Zeitung 5.4.

 

59. Meine Anthologie: Wispeliaden (Güldne Ärse)

Mörike ist auch nicht ohne. Nicht nur im lyrischen Fach.

Avertissement

 

Von dem Anteil, welchen die vorgerückten Geschöpfe meiner Muse bei dem Publikum finden, wird es abhängen, ob eine Nachgeburt folgen soll oder nicht. Dieselbe würde u. A. nachstehende Stücke enthalten:

 

1. An den Krammets-Vogel. (Würde, in flakkischer Weise, etwa anfangen: »Du, Philomelens glücklichster Sang-Rival«. &c.)

2. An die katholische Religion (Petrinism) Im von Hardenberg’schen Styl.

3. Bei Confirmation meines Neveus (unehelichen Zwitters meines Bruders) mel: Die Kröte, die &c.

4. Meine Ähnlichkeit mit v. Matthisson. Kritisches Poëm.

5. Umarbeitung des v. Schillerschen: »Laurette am Flügel«. (Ich beginne: »Wenn dein Finger durch den Stahl-Darm geistert«)

6. An Nane Z. Als sie einen angeschriebenen Gänserich von mir wünschte. (»Die Feder, die den Sträfling schrieb«)

7. Bei Betrachtung des Glanz-Gaifers der Gartenschnecke (cochl. hort. Lin.) Didaktisches Gedicht.

8. Sonett. Unter heftigen Schmerzen, als ich in einem Gehölze bei Zwerenberg lag und zu sterben meinte. (Der Verf. ist mit einem – medicinisch übrigens vielleicht interessanten – Nabelbruch behaftet.)

9. Das Beuteltier. (Dem HE. Grafen v. Skrzynecki zugebaichnet.)

 

Hier aber keins der avisierten, sondern ein 10tes:

Sarkasme

An v. Göthe

Du hast mich keiner AntiWort gewürdigt,
Wohl weil mein Geist sich kühn dir ebenbürtigt?
Deßwegen, Sprödling! willt du mir mißgönnen
ooDich Freund zu nennen?

Ha! Eitler Stolz! Man sah dich von der scharfen
Kritik Bustkuchens schon vorlängst entlarven;
Da zeigte sichs, daß alle deine Verse
00Nur güldne Ärse!

Aus: Wispel. Eduard Mörikes Wispeliaden. Zusammengestellt und mit enem Nachwort versehen von Friederike Roth. Bei der Friedenauer Presse Berlin 1994, S. 32 (Avertissement) und 26 (Sarkasme)

58. David Ferry Awarded 2011 Ruth Lilly Poetry Prize

Award recognizes lifetime accomplishment with $100,000 prize

CHICAGO — The Poetry Foundation is pleased to announce that poet David Ferry has won the 2011 Ruth Lilly Poetry Prize.

Presented annually to a living US poet whose lifetime accomplishments warrant extraordinary recognition, the Ruth Lilly Poetry Prize is one of the most prestigious awards given to American poets. At $100,000, it is also one of the nation’s largest literary prizes. Established in 1986, the prize is sponsored and administered by the Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine. The prize will be presented at the Pegasus Awards ceremony at the Arts Club of Chicago on Wednesday, May 11; the next Children’s Poet Laureate will also be announced at the ceremony.

In making the announcement, Christian Wiman, editor of Poetrymagazine, noted the quiet power in Ferry’s verse.

“David Ferry is probably best known as a translator—and his achievements in that regard are extraordinary—but I think in the end it will be his poems that last,” said Wiman. “In a time when most poetry relies on intense surface energy, Ferry’s effects are muted and subterranean—but then, in their cumulative effect, seismic. For 50 years he has practiced poetry as if it truly matters to our lives and to our souls—and now his poems have that rare power to wake us up to both.”

Ferry has authored, edited, or translated more than a dozen books. His collections of poetry and translations include On the Way to the Island (1960); A Letter, and Some Photographs (1981);Strangers: A Book of Poems (1984); Gilgamesh: A New Rendering in English Verse (1992), a finalist for the National Book Critics’ Circle Award; Dwelling Places: Poems and Translations (1993); and Of No Country I Know: New and Selected Poems and Translations (1999). Bewilderment: New Poems and Translationswill be published in fall 2012.

The emeritus Sophie Chantal Hart Professor of English at Wellesley College, Ferry is currently serving as a visiting lecturer in the Graduate Creative Writing Program at Boston University and is a distinguished visiting scholar at Suffolk University. Over the course of his long career Ferry has received many awards and fellowships, including a John Simon Guggenheim Fellowship, the Lenore Marshall Poetry Prize from the Academy of American Poets, the Rebekah Johnson Bobbitt National Prize for Poetry from the Library of Congress, and an Academy Award for Literature from the American Academy of Arts and Letters. He lives in Brookline, Massachusetts.

“Now in its 26th year, the Lilly Prize celebrates at once our finest living poets and Ruth Lilly, poetry’s greatest benefactor,” said Poetry Foundation president John Barr. “This year’s winner, David Ferry, continues that grand tradition.”

Previous recipients of the Ruth Lilly Poetry Prize are Adrienne Rich, Philip Levine, Anthony Hecht, Mona Van Duyn, Hayden Carruth, David Wagoner, John Ashbery, Charles Wright, Donald Hall, A.R. Ammons, Gerald Stern, William Matthews, W.S. Merwin, Maxine Kumin, Carl Dennis, Yusef Komunyakaa, Lisel Mueller, Linda Pastan, Kay Ryan, C.K. Williams, Richard Wilbur, Lucille Clifton, Gary Snyder, Fanny Howe, and Eleanor Ross Taylor.

 

 

 

About the Ruth Lilly Poetry Prize
American poetry has no greater friend than Ruth Lilly. Over many years and in many ways, it has been blessed by her personal generosity. In 1985 she endowed the Ruth Lilly Professorship in Poetry at Indiana University. In 1989 she created Ruth Lilly Poetry Fellowships, for $15,000 each, given annually by the Poetry Foundation to undergraduate or graduate students selected through a national competition. In 2002 her lifetime engagement with poetry culminated in a magnificent bequest that will enable the Poetry Foundation to promote, in perpetuity, a vigorous presence for poetry in our culture.

About the Poetry Foundation
The Poetry Foundation, publisher of Poetry magazine, is an independent literary organization committed to a vigorous presence for poetry in our culture. It exists to discover and celebrate the best poetry and to place it before the largest possible audience. The Poetry Foundation seeks to be a leader in shaping a receptive climate for poetry by developing new audiences, creating new avenues for delivery, and encouraging new kinds of poetry through innovative literary prizes and programs. For more information, please visit www.poetryfoundation.org.

57. Zeit lyrikt

munter weiter:

Frühlingsgedichtequiz!

(Und nicht vergessen: DONNERSTAG ist LYRIKTAG)!

56. American Life in Poetry: Column 316

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I’ve mentioned before how much I like poems that take the time to carefully observe people at work. Here David St. John, who lives in California, gives us a snapshot of workers protecting an orchard.

Peach Fires

Out in the orchards the dogs stood

Almost frozen in the bleak spring night
& Mister dragged out into the rows
Between his peach trees the old dry limbs

Building at regular intervals careful pyres
While the teeth of the dogs chattered & snapped
& the ice began to hang long as whiskers

From the globes along the branches
& at his signal we set the piles of branches ablaze
Tending each carefully so as not to scorch

The trees as we steadily fed those flames
Just enough to send a rippling glow along
Those acres of orchard where that body—

Sister Winter—had been held so wisely to the fire

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2002 by David St. John, whose most recent book of poetry is The Face: A Novella in Verse, Harper Collins, 2004. Poem reprinted from The Place That Inhabits Us, Sixteen Rivers Press, 2010, by permission of David St. John and the publishers. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

55. Giersch-Welt, Katzen-Welt

Auf ihrer Lesetour zum Preis der Literaturhäuser war sie gerade in Leipzig, Salzburg, Graz und Hamburg. Am Freitag liest sie in Berlin. Für jede der elf Städte hat sie ein anderes Konzept. In Rostock will sie mit politischen Gedichten beginnen und betont, dass sie viel „Außenwelt“ beim Schreiben brauche. „Es ist sogar besser, wenn ich nicht im Zimmer bin. Dann habe ich Unterstützung vom Licht, von den Bäumen, von der Rasenkante. Wenn ich im Zimmer bin, denke ich ständig an die Außenwelt. Das ist aber die soziale Außenwelt. Die bleibt doch im Ich, weil ich es geschrieben habe. Deshalb sage ich auch: Das Lyrik-Ich ist ein politisches Ich.“ …

Temperamentvoll funkeln ihre Augen: Sie will nicht gelten lassen, dass die Schriftsteller vom Prenzlauer Berg im Elfenbeinturm geschrieben hätten – weder sie noch Adolf Endler, mit dem sie von 1968 bis 1978 verheiratet war, noch sonst einer. „Wo waren denn die, die aus den Stalinschen Prozessen zurückkamen? Waren die etwa in Sturm und Wetter? Die waren doch selber borniert und verknöchert und immer verrannt in ihre idiotischen Konkurrenzkämpfe!“

Sie selbst hat in der Konfrontation mit den Dogmatikern bittere Erfahrungen gesammelt – bis hin zu Hermann Kants Versuch, sie aus dem Schriftstellerverband der DDR auszuschließen. Ihr Sommerhaus im sorbischen Wuischke war für sie immer eine Gegenwelt: „Pappelschwärmer-Welt, Giersch-Welt, Katzen-Welt“. Aber auch die auf den Feldern schuftenden Opas gehen ihr nicht aus dem Sinn: „Ackerrackerer“. /  Dorothea von Törne, Tagesspiegel

Elke Erb liest am 15. April um 20 Uhr im Berliner Literaturhaus, anlässlich der Verleihung des Preises der Literaturhäuser 2011. Die Laudatio hält Uwe Kolbe. Erbs Buch „Meins“ und die Hommage „Deins“ sind zu beziehen über www.roughbooks.de