„Vergessene Bücher“ ist der Titel einer neuen Essay-Reihe, in der das Online-KulturJournal „Glarean Magazin“ wöchentlich Werke vorstellt, die vom kulturmedialen Mainstream links liegengelassen oder überhaupt von der «offiziellen» Literaturgeschichte ignoriert werden, aber nichtsdestoweniger von literarischer Bedeutung sind über alle modische Aktualität hinaus:
http://glareanverlag.wordpress.com/category/vergessene-bucher/
Die Verfasser der Beiträge pflegen dabei einen betont subjektiven Zugang zu ihrem jeweiligen Gegenstand und wollen weniger belehren als vielmehr erinnern und interessieren. Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sind eingeladen, ihre persönliche Wahl eines zu unrecht „vergessenen Buches“ essayistisch zu begründen. Dabei kann zwar kein Geld verdient werden, aber das nichtkommerzielle Kultur-Portal „Glarean“ bietet einen hohen Verbreitungsgrad für die Texte und eine ebenso interessierte wie internationale Leserschaft.
Ein Aufsatz in der Reihe „Vergessene Bücher“ umfasst ca. 2’500 – 3’500 Wörter (unformatiert), ist in deutscher Sprache abgefasst und sollte noch unveröffentlicht sein, muss sich aber bezüglich literarisches Genre bzw. Themata an keinerlei Vorgaben halten. Der Textzusendung – bitte ausschliesslich per E-Mail – sollten einige biographische Stichworte zum Verfasser sowie dessen Portrait-Foto beigefügt werden.
Einsendungen an:
glarean.verlag@gmail.com ( c/o Redaktion: Walter Eigenmann )
Am Donnerstag dem 16. Juni findet in Leipzig eine verspätete Premierenparty zu „Der Mond unterm Arm“ von Johanna Schwedes statt. Frank Hilpert begleitet den Abend musikalisch. Eintritt frei. Beginn 21.00 Uhr in
der Lützner Straße 23, es gibt dort auch eine geöffnete Bar
*) s. Kommentar
Vergeßt MasterChef, Emilie Zoey Baker weiß was Besseres
Die Dichterin Emilie Zoey Baker sprach mit Michael Short über Lyrik und (australisches) Fernsehen:
In diesem Jahr wird weltweit der 150ste Geburtstag von einem der größten Söhne Indiens gefeiert, nämlich von Rabindranath Tagore. In Deutschland fanden bereits viele Veranstaltungen zur Erinnerung an das Leben und Wirken von Tagore statt. Es ist mir eine große Ehre dass die Veranstalter der Indien-Woche Köln mich geeignet hielten, heute über Tagore eine Festrede zu halten. Hierfür danke ich ihnen von ganzem Herzen. / Jose Punnamparambil, Neue Rheinische Zeitung
«Ich zielte nicht, noch war ich Zielscheibe. / Ich befreite-eroberte keine Städte und Dörfer. / Ich sagte keine Zaubersprüche auf, / Gab keine klugen Ratschläge, / Schrieb keine patriotischen Gedichte, / Gebar keinen Helden. / Mein Beitrag zur Geschichte – gleich null! / Zu meiner Verteidigung habe ich nichts zu sagen» («Ich bin schuld»). Dieses «Schuldbekenntnis» hat die kriegshetzerische Männerwelt im Visier, die eine ganze Gesellschaft in den Ruin trieb, nicht zuletzt die Frauen. Und Radmila Lazić gehört zu denen, die sich solches Diktat nicht gefallen lassen.
In ihren – mehrfach ausgezeichneten – Gedichtbänden demontiert Radmila Lazić balkanisches Macho-Gebaren und weibliche Unterwürfigkeit, nationale und sexuelle Tabus, und mit schonungsloser Direktheit geht sie auch mit sich selbst ins Gericht, «das Herz zwischen den Zähnen». So der Titel der Gedichtsammlung, die Mirjana und Klaus Wittmann nun souverän ins Deutsche übertragen haben, nachdem der Dichter Charles Simic sich für die Serbin erfolgreich im englischsprachigen Raum eingesetzt hat. / Ilma Rakusa, NZZ 30.4.
Radmila Lazić: Das Herz zwischen den Zähnen. Gedichte. Aus dem Serbischen ausgewählt und übertragen von Mirjana und Klaus Wittmann. Leipziger Literaturverlag, Leipzig 2011. 153 S., € 19.95.
Der Aufstand gegen Muammar Ghadafi ließ nicht nur die Waffen sprechen, sondern befreite auch das Wort in einem Land, das seit 42 Jahren von der Diktatur erstickt wird.
Dutzende junge Libyer wie Abdallah, Jungen und Mädchen, Studenten, aber auch Arbeitslose entdecken als angehende Journalisten oder Poeten seit dem ersten idealistischen Aufschwung der Rebellion Mitte Februar ihre Berufung.
Der Aufstand rief auch in Benghasi, der Hauptstadt der Rebellion im alten Cyrenaika, ein Aufblühen neuer Zeitschriften und öffentlicher Wortnahmen hervor, oft in Form von Gedichten, die auf dem Platz der Revolution vorgetragen werden. …
Abdallahs Zeitschrift heißt „Tamort“, das heißt in der Berbersprache Amazigh „Heimatland“. Jede Woche gibt er 6 Seiten auf Arabisch und 2 auf Englisch heraus. Die letzte Nummer ehrt das Andenken des letzten Königs Idris Almadhe Al Sonose, der 1969 von Oberst Ghadafi gestürzt wurde, und enthält auch ein Interview mit dem neuen italienischen Konsul, den Rom nach dem Aufstand entsandt hat. / La Depeche 11.6.
Das Politische senkt Gospodinov in die Wendungen seiner Verse ein. So ist es für den Leser stets spürbar, nicht als platte Botschaft, vielmehr als Fluchtpunkt oder als innere Spannung der Gedichte.
Aber was wären Gospodinovs Verse ohne die Liebe? „Ich beginne mit den blonden Frauen / in ihnen ist Leichtigkeit / in ihnen ist Feierlichkeit / als hätten sie Pasternak gelesen / oder auch Burns“. …
Immer tiefer hinab, immer weiter hinein in die Bedeutungsschichten der Sprache führen diese wunderlichen Gedichte. Leider ist die Ausgabe einsprachig gehalten, sodass man als Leser nicht einmal eine Klangspur des Originals erhaschen kann. Doch die Übersetzer, gleich drei an der Zahl, haben Gospodinovs Sprache in ein geschmeidiges Deutsch verwandelt. Seine wunderbaren „Elf Definitionen“ etwa, die jenes kleine „es“ umkreisen, das für manche die Kraft ist, mit der das Blatt vom Baum fällt, für andere etwas schlichtweg Göttliches: „es / ist schwindend und brüchig / benennst du es stirbt es / fängst du es geht es fort / und zerschmilzt in Leer-/ es“. / Nico Bleutge, Tagesspiegel
Georgi Gospodinov: Kleines morgendliches Verbrechen. A. d. Bulgarischen von Valeria Jäger, Uwe Kolbe und Alexander Sitzmann. Droschl, Graz 2010. 120 S., 18 €.
Die Sendung Kultur heute im DLF 11.06.2011 17:30 Uhr
u.a. mit
„Lyrik, wo bist Du?“ – Ein geplantes Symposium der Evangelische Akademie Loccum
Brigitte Kronauer: Es gab für mich ein Buch, das mir die Lichter aufgehen ließ, und das war das Lyrikbuch – ich selbst bin keine Gedichtschreiberin gewesen – Museum der modernen Poesie, herausgegeben 1960 von Hans Magnus Enzensberger: internationale Poesie, zweisprachig abgedruckt. Das war für mich eine ziemliche Offenbarung, dass man so Literatur schreiben konnte. Das Buch wurde eine Art Bibel für mich. Da aber klar wurde, dass ich eher zur Prosa neige, war es der „nouveau roman“. Bei beiden Abteilungen der Literatur ist es die große Einfachheit gewesen, die mich bestach.
Standard: Inwiefern ist der „nouveau roman“ eines Claude Simon, eines Alain Robbe-Grillet einfach?
Kronauer: In dem Sinne, dass auf die alten Metaphern verzichtet wurde, auf die alten Betroffenheiten. Man wird natürlich auch im Gymnasium durch die Lektüre geprägt: Die deutsche Nachkriegsliteratur bemühte sich vor allem um die jüngere Vergangenheit, und ich sah kein Durchkommen, das spannend auf mich zu beziehen.
Standard: Ihnen war diese Literatur zu betulich?
Kronauer: Die damalige Avantgarde betrieb einen Gestaltauf- und Abbau mit ganz einfachen Bausteinen. Man konnte jeden ihrer Schritte nachvollziehen. Das verstehe ich unter Einfachheit, die auf alle Arabesken verzichtet, die später durchaus für mich wichtig wurden. Damals hatte ich das Gefühl: Ich stehe nicht auf Sumpf, sondern auf festem Boden! Später, bei Autoren wie Gomringer oder Heißenbüttel, geriet ich doch auch in Gefahr, abzuschalten. Wenn eine Seite zur Gänze mit immer demselben Wort vollgeschrieben ist, und irgendwo ist dann ein einziges abweichendes Wort, dann nimmt man das zwar wahr, aber …
/ Ronald Pohl, Der Standard 11.5.
Marco Beckendorf hat dankenswerterweise für unsere Untersuchung zur Zahl der Lyrikdebüts folgende Titel seines hochroth Verlages seit Gründung zusammengestellt:
1) Von den Sümpfen, Konstantin Hanack – Gedichte. hochroth Verlag 2009, 42 Seiten, Broschur ISBN: 978-3-9812619-1-2
2) Gedichte in zwei Sprachen, G. H. H. – Gedichte. hochroth Verlag 2010, 46 Seiten, Broschur ISBN: 978-3-942161-01-5
3) Einen Zungenschlag richtig, Tini Anlauff – Gedichte. hochroth Verlag 2010, 26 Seiten, Broschur ISBN: 978-3-942161-05-3 (ist bereits auf der Seite vermerkt)
4) Am Rande von Irgendetwas, Gerhard Ortinau – Frühe Gedichte & Texte 1970-1978. hochroth Verlag 2010, 34 Seiten, Broschur ISBN: 978-3-942161-07-7
5) der Schall danach, Ivo Sachs – Gedichte. hochroth Verlag 2011, 28 Seiten, Broschur ISBN : 978-3-942161-12-1
Marco Beckendorf
www.hochroth.de
Auf dem Papier ist es eine Kombination, die auf keinen Fall funktionieren kann. Hier Ernst-Ludwig Petrowsky aus Güstrow, einer der Urväter des Jazz in der DDR. Daneben Uschi Brüning aus Leipzig, die dem legendären Günther-Fischer-Quintett an der Seite von Manfred Krug ihren Stempel aufdrückte. Und dann noch Wiglaf Droste aus Westfalen, vielleicht der scharfzüngigste Satiriker Deutschlands, nebenher aber auch ein Mann, der etwa mit seinem Spardosen-Terzett Peter Hacks-Gedichte vertonte.
„Meine ostdeutschen Adoptiveltern und ihr missratener Sohn aus dem Westen“, hat das Trio ein gemeinsames Album genannt, das im „Theater am Rand“ in Zollbrücke live aufgenommen wurde. / Mitteldeutsche Zeitung
Bei der Lesung in der Alten Schmiede in Wien, im März 2011, liest sie sehr zum Vergnügen des Publikums auch das Gedicht „Schienenersatzverkehr“ aus dem Band „Abenteuer der deutschen Grammatik“: „Werden die Schienen ersetzt oder ist es ein er, der im Verkehr ausgesetzt wird? Ein Satz macht einen großen Satz über fremde Schatten und verkehrt mit dem Sinn des Sagbaren in der umgekehrten Reihenfolge.“
Beim Interview danach sagt sie: „Alle lachen, weil ,Schienenersatzverkehr‘ doch so etwas Normales ist. Aber es ist nicht normal.“ Mit scharfem Blick analysiert und seziert Yoko Tawada deutsche Wortungetüme, spürt Auffälligem und nur scheinbar Logischem in der deutschen Grammatik nach und klopft Wörter auf ihre Doppelbedeutungen und versteckten politischen Botschaften ab. / Judith Brandner, Die Presse 11.6.
Der Kölner Schriftsteller Jürgen Becker erhält den Thüringer Literaturpreis 2011. Der Lyrik-, Prosa- und Hörbuchautor wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) würdigte Becker, 78, der einige Jahre seiner Kindheit und Jugend in Erfurt lebte, als einen der bedeutendsten Autoren der Gegenwart. / SZ
Als Sohn eines entwurzelten Bauern und als Weltkind versteht sich Richard Pietraß. Der Dichter feiert am 11. Juni seinen 65. Geburtstag. Bei FIGARO spricht er über seine Kindheit, Heimat und Fernweh, seine Weltsicht …
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