Am 20. August 2011 werden erstmals zwei Veranstaltungen der poeTon-Reihe der Stadt Nordhausen in Limlingerode stattfinden. Den Vortragsreigen beginnt um 15.00 Uhr der Lyriker Thomas Spaniel, der 1963 in Nordhausen geboren wurde. …
In diesem Jahr erschien der sechste Gedichtband mit dem Aufmerksamkeit erweckenden Titel: „die irren kurse einer sterbenden fliege“. / Neue Nordhäuser Zeitung
Nach der Begabung unterscheidet Scaliger 2 Arten von Dichtern. „Daß sie sich durch ihre Begabung unterscheiden, sagen sowohl Platon als auch Aristoteles. Die einen würden nämlich als solche geboren, die anderen dagegen, von Geburt unempfindlich oder gar roh und ungeeignet, würden von Raserei erfaßt und so von der gemeinen Sinnenwelt abgezogen; dies sei Götterwerk, und die Götter bedienten sich ihrer als Diener.“ [1]
Deshalb nenne Platon sie im „Ion“ „Mittler“ und Diener der Götter. [2] Scaliger betont, daß dies Platons Aussagen im „Staat“ über die Dichter, die keinen Platz im Staat haben, weil sie lügen, relativiere. Wenn Platon einige Schriften der Dichter verdamme, brauche man deswegen nicht auf die übrigen zu verzichten, die Platon selbst häufig zitiert. [3] Die Dichter riefen also die Musen an, „damit sie von Raserei erfüllt vollbringen, was ihre Aufgabe ist.“ A.a.O. Von diesen „Gottbegeisterten“ habe er 2 Arten festgestellt. „Der ersten kommt jene göttliche Kraft vom Himmel herab von selbst und unvermutet zu Hilfe, oder einfach auf einen Anruf hin…“ [4] Er erwähnt auch, daß Hesiod sich selbst zu dieser Gruppe zähle. [5] Homer aber werde allgemein ebenfalls dazugezählt.
„Die zweite Art schärfen die Ausdünstungen des Weines, die die Werkzeuge der Seele und den Geist selbst von den stofflichen Teilen des Körpers hinwegziehen. Als solchen bezeichnet Horaz Ennius [6]; als solchen bezeichnen wir Horaz. Über Alkaios und Aristophanes ist dasselbe überliefert. Auch Alkman war von dieser üblen Nachrede nicht frei, und selbst Sophokles hat es dem Aischylos vorgeworfen.“ [7]: ‚Der Wein‘, sagte er, ’nicht er selbst sei der Verfasser seiner Tragödien“[8]. [9]
Quelle:
Zitate
Die Stadt Baltimore wird dem Edgar Allan Poe Haus auch dieses Jahr keine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Das Haus, in dem Poe mit seiner Familie lebte und in welchem er 1849 starb, gehört der Stadt und erhielt bis 2010 jährlich 85000 Dollar. Nun wird das Geld bereits zum zweiten Mal gestrichen, weswegen das Haus möglicherweise im nächsten Sommer schließen muss. / SZ 9.8.
Schlimmer ist es in Großbritannien. Hier über Bibliotheksschließungen.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Those of us who have gone back home to attend a reunion of classmates may have felt the strangeness of being a vaguely familiar person among others who, too, seem vaguely familiar. Dana Gioia, who served the country for four years as the Chair of the National Endowment for the Arts, is an accomplished poet and a noted advocate for poetry.
Reunion
This is my past where no one knows me.
These are my friends whom I can’t name—
Here in a field where no one chose me,
The faces older, the voices the same.
Why does this stranger rise to greet me?
What is the joke that makes him smile,
As he calls the children together to meet me,
Bringing them forward in single file?
I nod pretending to recognize them,
Not knowing exactly what I should say.
Why does my presence seem to surprise them?
Who is the woman who turns away?
Is this my home or an illusion?
The bread on the table smells achingly real.
Must I at last solve my confusion,
Or is confusion all I can feel?
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2010 by Dana Gioia, whose most recent book of poetry is Interrogations at Noon, Graywolf Press, 2001. Poem reprinted from Poetry, September, 2010, by permission of Dana Gioia and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Und ich bin froh, dass ich mich so wunderbar geirrt habe. Ich glaubte nämlich immer, dass die Mauer länger hält als Wolf Biermann, und wusste ganz genau, dass ich es nicht mehr erleben werde. Aber ich bin froh darüber, dass ich doch einiges dazu beigetragen habe mit meinen Liedern und Gedichten in der DDR, dass ich so schön unrecht behielt, dass also die Mauer doch noch kaputtging, bevor ich sterbe. Das ist doch wunderbar! Mehr kann man nicht verlangen von der Weltgeschichte.
Heinemann: Das Gespräch mit Wolf Biermann haben wir vor dieser Sendung aufgezeichnet, Sie können dieses Interview abermals hören oder nachlesen unter dradio.de.
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
Jürgen Völkert-Marten
Vogelflug
Hunderter Flügel ruhiger Schlag,
stetig, ohne Zaudern, einer Richtung folgend
und einer dieser Vögel ist mein Leben.
Eine Umkehr? Erst im nächsten.
Jäger, Strom und Fallensteller auf der langen Reise,
Gefährten, Lieben, Glück und Kämpfe ebenso.
Die Träume werden kleiner im Verlauf des Fluges
und ankommen heißt immer: Tod.
Warum dieses Gedicht? Was soll daran faszinieren? Es hat keine einheitliche Struktur, keinen Rhythmus, keine schönen Metaphern, keine modernen Verschlüsselungen.
Allein die Schlichtheit der Aussage überzeugt. Die schiere Beschreibung einer Beobachtung am Himmel. Die nüchterne Schlussfolgerung. Die geradezu beamtenhafte Niederschreibung einer Szene mit knappster emotionaler Wertung. Fast kein Gedicht, eher die Anmutung eines Aufsatzes. Fast.
Dabei beginnt der Text eher traditionell, ja überkommen:
„Hunderter Flügel ruhiger Schlag“.
wird sprachlich fast neutral: „stetig, ohne Zaudern, einer Richtung folgend“
bleibt dabei mit konkrekter Behauptung: „und einer dieser Vögel ist mein Leben.
Und hier beginnt die Story.
Der Autor bleibt kühl, gelassen, Beobachter. Keine Sentimentalitäten.
Ein Leben bildmäßig an einem Vogelzug angelehnt. Der Anfang ruhig und gelassen. Das Ende ruhig und gelassen. Dazwischen mehrere Ereignisse. Eigentlich nicht der Rede wert.
Und dann das ebenso schlichte Fazit : „und ankommen heißt immer: Tod.“
An diesem Text, flüchtig gelesen, wäre nichts bemerkenswert.
Bliebe da nicht der Effekt, ständig an diesen Vogelflug denken zu müssen. Warum?
Diese so einfache Metapher des Lebens, gespiegelt im Flug der Vögel, diese so schlichte, emotionslose Beschreibung. Diese so nüchterne, nackte Tatsache. So einfach auf den Punkt gebracht. Jürgen Völkert-Marten ist seit Jahrzehnten bekannt für seine treffenden, knappen Texte. „Vogelflug“ ist ein typisches Beispiel davon, wie Gedichte ohne Pomp, Verfremdung, Verbilderung ein großes Geschehen auf kleinstem Raum darstellen können und nachhaltig wirken.
Peter Ettl
So überschreibt die FAZ von gestern die Kurzmeldung über den Kranichsteiner Literaturpreis für Jan Wagner.
Uns bleibt nachzutragen: Marion Poschmann erhält ein zehnwöchiges Stipendium im Deutschen Haus der New York University und Sudabeh Mohafez eins an der Queen Mary University of London.
Die Preise werden am 25.11. in Darmstadt überreicht. Am gleichen Tag bewerben sich Nino Haratischwili, Judith Zander und Max Scharnigg bei einer öffentlichen Lesung um den Kranichsteiner Literaturförderpreis in Höhe von 5.000 €.
Der Dichter Mohamed Ajedad erhält den ersten Preis des regionalen Wettbewerbs der Amazigh-Poesie in Ifrane (Marokko). Der zweite Preis geht an El Houssine Aferiou und der dritte zu gleichen Teilen an Ali Abbouchi und Said Makaoui.
An dem Wettbewerb nahmen etwa 20 Amazigh-(Berber-)Dichter teil. / biladi.ma
Wenn Sindiwe Magona eines ihrer Gedichte rezitiert, leuchten ihre Augen. Die schmächtige, 1,60 Meter große Frau füllt jeden Raum mit ihrer Persönlichkeit. Sindiwe Magona ist eine der wichtigsten Schriftstellerinnen Südafrikas. Sie hat Gedichte, Kurzgeschichten und Romane veröffentlicht und hat sich damit auch international einen Namen gemacht. Ihre Muttersprache ist Xhosa, die Sprache mit den vielen verschiedenen Klicklauten. Aber obwohl mehr als jeder fünfte Südafrikaner Xhosa als Muttersprache spricht, findet es in der Literatur kaum statt.
„Außer in der Schule wird Xhosa-Literatur nicht gelesen. Und das ist erschreckend. Die Menschen, die in unserem Bildungssystem Entscheidungen treffen, wissen entweder nicht viel über Literatur, mögen keine Literatur und interessieren sich nicht dafür. Mit dem Schreiben von Xhosa-Büchern lässt sich definitiv keine Karriere machen. Man schreibt Bücher ausschließlich für den Schulmarkt, denn dort werden Schüler gezwungen, zu lesen. Außerhalb der Schule liest niemand.“ …
Dabei gab es auch gute und produktive Zeiten für Xhosa-Literatur, während der Apartheid-Zeit zum Beispiel. Schriftsteller konnten damals Texte auf Xhosa veröffentlichen, die auf Englisch niemals von der Regierung gebilligt worden wären. Aber kaum ein Weißer hat Xhosa gesprochen. Und so war es Schriftstellern möglich, regierungsfeindliche Botschaften in ihren Geschichten zu verstecken. Heute allerdings kann kein Schriftsteller, der in afrikanischen Sprachen schreibt, davon leben. Einzig Bücher in Afrikaans, die Sprache, die fast 60 Prozent der weißen Südafrikaner sprechen, verkaufen sich gut.
„Afrikaans-Sprechende Menschen sagen nicht einfach nur, sie sind stolz auf ihre Kultur. Sie unterstützen ihre Künstler tatsächlich. Schriftsteller, Tänzer, Musiker – ganz egal. Sie geben wirklich Geld für Kunst und Kultur aus. Das sind stolze Afrikaner, die ihre Kultur bewahren wollen und deshalb sie ihre Künstler unterstützen. In unsere Kultur passiert das nicht. Wir Xhosa-Menschen sagen zwar, dass unsere Kultur nicht aussterben darf, aber wir kaufen trotzdem keine Xhosa-Bücher.“
Wenn sie Ministerin für Kunst und Kultur wäre, sagt Sindiwe Magona würde sie jede Mutter mit einem Stapel Bücher ausstatten. Und Eltern würden von ihr keine finanzielle staatliche Unterstützung bekommen, wenn sie nicht nachweisen, dass sie ihren Kindern vorlesen. / Kerstin Poppendieck, DLF
Ein halbes Jahrhundert danach hat nun das „Schreibheft“, die nach wie vor lehrreichste Zeitschrift zur Wiedererweckung der literarischen Moderne, in der aktuellen Nummer 77 ein umfangreiches Dossier zu dem eigensinnigen Weltpoeten Charles Olson zusammengestellt. Unter der Federführung von Norbert Lange und Gerd Schäfer sind hier instruktive Essays und Kommentare zu Olsons Werk versammelt und erstmals auch zentrale Teile von Olsons opus magnum „Maximus“ in deutscher Übersetzung zu lesen. Im Focus des Interesses steht hier die Zeit nach dem Ende der Dichterschule des „Black Mountain College“, als Olson 1957 von North Carolina nach Massachusetts umgezogen war und sich dort nach Gloucester zurückgezogen hatte, ein kleines Fischerstädtchen am nordöstlichen Rand der Vereinigten Staaten. Der Ort Gloucester wird im Großgedicht „Maximus“ zum dichterischen Kosmos und zum Kraftzentrum alles Lebendigen. Als Übersetzer ausgewählter Teile von „Maximus“ agieren mit Norbert Lange, Konstantin Ames, Ron Winkler und Uljana Wolf die experimentierfreudigsten Köpfe der jungen Dichtergeneration. Dazu treten mit Jürgen Brôcan, Rainer G. Schmidt, Ulf Stolterfoht und Gerhard Falkner sehr inspirierte Dichter und Übersetzer, die dafür gesorgt haben, dass diese Wiedererweckung Charles Olsons zu einem aufregenden literarischen Ereignis geworden ist.
Zu „Hammer und Bolzen des Versbaus“ hat Olson die Silbe erklärt – und es ist ein lehrreiches Vergnügen, die kongenialen Nachdichtungen der Übersetzer zu studieren, die den „offenen Vers“ Olsons, der typographisch den ganzen Raum der Seite in weit ausschwingenden Langzeilen ausnutzt, in ganz unterschiedliche Tonarten transferieren. Mal liest sich Olsons „Maximus“ wie eine hymnische Schöpfungsgeschichte, in der der „tiefwirbelnde Okeanos“ alle Dinge „durch alles“ steuert, dann wieder wie eine Rhapsodie auf „Dogtown“, einen Weltenwinkel in Massachusetts. Grundiert werden diese Rhapsodien durch eine Lobpreisung eines neuen Gesellschaftsideals, einer Apologie auf die neue „polis“. Olson selbst verstand sich eigentlich nicht als Dichter oder Schriftsteller, sondern als „Archäologe des Morgens“, zudem als Sänger der erdgeschichtlichen Fakten und der Freisetzung aller menschlichen Möglichkeiten. / Michael Braun, Poetenladen
Schreibheft 77
Nieberdingstr. 18, 45147 Essen. 160 Seiten, 13 Euro.
Ken Graydon verdiente seinen Lebensunterhalt durch Autoreparaturen. Aber seine Leidenschaft war das Schreiben von Gedichten und Liedtexten und Erzählen von Geschichten.
Für jemanden, der sich unter Dichtern kleine, schüchterne intellektuelle Typen vorstellt, war Graydon ein Schocker.
Er war 1,95 groß und wog in seinen besten Zeiten 100 Kilo. Seine Stimme war ein kräftiger Bariton, und er geizte nicht mit Lob für andere Versschmiede.
Graydon, der mit Reimen Geschichten von Männern erzählte, die im Freien mit ihren Händen arbeiten, die in seinen Augen das Rückgrat Amerikas waren, starb am 30.7. in seinem Haus in Fallbrook, Kalifornien, nach monatelangem Kampf gegen Krebs mit 77 Jahren.
Die Figuren in seinen Gedichten sind oft eine Mischung von Heiliger und Sünder, wie wirkliche Menschen. / Tony Perry, Los Angeles Times 10.8.
Bedarf Dorianne Laux’ Antiklage wirklich einer Auslegung oder gehört es einfach zu jenen glücklichen Gedichten, die nichts anderes sein und sagen wollen als sie eben sind und sagen? Eher denn zu einem Kommentar ermuntert mich dieses Gedicht zu einer persönlichen Antwort, etwa als säße ich der Autorin bei einer Tasse Kaffee gegenüber und erzählte ihr nun meinerseits von all den Peinlichkeiten und Missgeschicken, die man gemeinhin schamhaft vor sich selbst und seiner Umwelt verbirgt, und die dennoch das Unterfutter eines jeden Lebens ausmachen. / Stefanie Golisch übersetzt und kommentiert das Gedicht Antilamentation von Dorianne Laux, fixative
Er ist einer der großen deutschen politischen Gegenwartsschriftsteller: In einem Gedicht thematisiert Rolf Hochhuth den Mauerbau. ZEIT ONLINE veröffentlicht es exklusiv.
Schreibt ZEIT ONLINE. Das Gedicht reimt Berlin auf Dauerruin / Bulganin, Hitlersoldaten auf Siegerparaden und Adenauer auf Mauer und ist auch sonst apart.
Hier (junge Welt) ein Gedicht von Gerd Adloff
Neueste Kommentare