62. Ig gibs zue

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Meinten Sie: Christian Mueller 5+++ du bist stärker als ig. ig gib s zue. ig ha kei luscht meh so z tue als öb. du behandlisch mi wie dräck, will ig di loh. wie lang no? hoffentlich no lang. ig ha di doch gärn. und du nützisch das us. will du mi au gärn hesch. abr nit würklich. entscheid di emol! abr seisch mr d antwort nit. ig bi vill schwächer als du. und du weisch es. + ig bi schtärkr als du. du gisch s zue. du hesch kei luscht meh so z tue als öb. ig behandle di wie dräck. will du mi lohsch. wie lang no? hoffentlich nümm lang. du hesch mi no gärn. und ig nütz das us. will ig di au gärn ha. abr nümm würklich. entscheid di emol! ig ha dr d antwort gseit. du bisch vill schwächer as ig. und ig weiss es. *** aus: 12092001 buch im eigenverlag 2008 auflage: 111 27 texte und illustrationen

61. Karriere

„Als Politiker braucht man ein zweites Standbein, es kann schnell zu Ende gehen“, meinte der Landtagspräsident – dann steht ihm aber sicher eine zweite Karriere als Lyriker oder Kabarettist offen … / Schwäbische Zeitung

60. Im Blatt

Wie ein Popstar der Lyrik steht er im leuchtend roten Seidenhemd auf der nackten Bühne und strahlt. / mehr

59. Im Buche

Peer Kehlenbach, ein Lyriker, wie er im Buche steht: etwas vergeistigt, vereinsamt und vor allem verkannt, dafür aber ein Kenner deutscher Lyrik und guter Rotweine… / mehr

58. Theaterkutsche

Ein etwas anderes Programm bietet die Neubulacher Theaterkutsche am Sonntag. Angesagt ist Avantgarde-Lyrik der Berliner Autorin Mara Genschel, eine Lesung an ungewöhnlichen Orten bei Neubulach.

Zum Abschluss der ersten Saison lädt die Theaterkutsche am 16. September ab 18 Uhr zu einer mehrteiligen Lesung mit der Berliner Autorin Mara Genschel ein. / Schwarzwälder Bote

57. Spätromantisch

Morgen

Eine Rosenknospe war erblüht
Und reckte sich, das Veilchen zu berühren.
Die Lilie erwachte
Und neigte den Kopf in der Brise.
Hoch in den Wolken die Lerche sang
Ein zwitschernd Loblied,
Während die frohe Nachtigall
Mit sanfter Stimme sagte:
Sei voll von Blüten, o liebliches Land.
Frohlocke, Staat der Iberier,
Und du, o Georgier, durchs Lernen
Mach deiner Heimat Freude.

Meyer: Eine Strophe aus einem frühen Gedicht von Stalin. Das ist ja ein ziemlich schlichtes Gedicht, Herr Koschorke. Kann man da irgendetwas herauslesen vom späteren Diktator Stalin?

Koschorke: Na ja, Stalin war in seiner Jugend vielerlei, er war unter anderem ein Vertreter, ein erfolgreicher Vertreter, erfolgreich publizierender Vertreter der georgischen Spätromantik, er war aber auch Bandit und Bankräuber. Und in diesem Gedicht zeigt sich seine Abhängigkeit von romantischen Vorlagen, es zeigt sich, dass er da eigentlich gar nicht originell ist, also er orientiert sich sicher am Vorbild Puschkin, aber ihm fehlt irgendwie die Finesse und auch die Ironie, also Selbstironie ist eine… oder überhaupt Ironie ist eine Eigenschaft, die Diktatoren nicht gegeben ist. Aber das ist insofern interessant, dieses Gedicht, als es zeigt die auch durchaus konservative Ästhetik dieses Mannes, und die wird dann bedeutungsvoll, weil er ja einerseits dann einem Regime vorsteht, das sich avantgardistischen Impulsen verdankt – die Sowjetunion war in ihren ersten Jahren ja eine avantgardistische Veranstaltung und hat auch sehr viele der Künstler an sich gebunden -, und andererseits war er dann derjenige, der diesen avantgardistischen Impuls in die Ästhetik des sogenannten sowjetischen Realismus umgewandelt hat, der sich sehr stark historischen Vorbildern verdankt. Man sieht hier, wie nah also ein so eigentlich revolutionäres Regime an abgedroschene Vorbilder der Romantik anschließt. Das ist natürlich eine Auskunft, es ist eine Auskunft darüber, dass wir es hier eigentlich mit einer spätromantischen Veranstaltung zu tun haben.

Russische Version  des (auf Georgisch geschriebenen) Gedichts:

УТРО

 

Раскрылся розовый бутон,Прильнул к фиалке голубой,И, легким ветром пробужден,

Склонился ландыш над травой.

Пел жаворонок в синеве,

Взлетая выше облаков,

И сладкозвучный соловей

Пел детям песню из кустов:

“Цвети, о Грузия моя!

Пусть мир царит в родном краю!

А вы учебою, друзья,

Прославьте Родину свою!”

56. Norbert Lange und Andre Rudolph

Beide sind in Polen geboren, schreiben auf Deutsch und veröffentlichten im selben Verlag. Da hören die Gemeinsamkeiten aber auch auf. Immerhin wird der eine eher als experimenteller Lyriker rezipiert, der andere ließ in den verklärt-rätselhaften Versen seines Debüts Schmetterlinge und andere Märchenfiguren auftreten. Allen stilistischen Unterschieden zum Trotz schält sich bei der Lektüre von Langes »Das Schiefe, das Harte und das Gemalene« und Rudolphs »confessional poetry« jedoch ein gemeinsamer Nenner heraus: Beide befassen sich mit dem Ich im Gedicht.

Rudolph widmet sich in seinem zweiten Band den Idiosynkrasien des Alltags. Bierdurchtränkter Thekentalk, ein Fußballspiel und die Parkbankkonversation mit einer heroinsüchtigen Prostituierten liefern den Stoff, aus dem sich die Gedichte speisen. Weit entfernt vom Gestus eines rauhbeinigen Underground-Poeten entwirft er absurde Bilder, die feinsinnigen Humor und unverkitschtes Pathos bis zur Unentwirrbarkeit ineinander verflechten: »liebst du mich auch deshalb so halb & halb / und kompetent, / weil uns / die doppelhelix so sanft verkettet / und gefangen hält?«. (…)

Auch in der zweiten Lyrikpublikation Norbert Langes sind dem Ich einige Momente im Spotlight vergönnt. Diese poppen nur nebenbei auf, erweisen sich aber als roter Faden in einem dichten und stilistisch höchst abwechslungsreichen Gedichtband. »Das Schiefe, das Harte und das Gemalene« soll, so schreibt Lange es in der Nachbemerkung, nur der Auftakt von »einem im Entstehen begriffenen, über mehrere Bücher verteilten Hypertext« sein. Seine sprachspielerischen Gedichte verweisen auf literarische Traditionen und blenden schon mal den aggressiven Sprachgestus eines Thomas Kling und Schillers Ode »An die Freude« ineinander. Poetische Splitter, die Lange von Brötchentüten abgelesen oder in der Literatur der Antike aufgefunden hat und in seinen Gedichten in Bewegung setzt, interagieren läßt. / Kristoffer Cornils, junge Welt

  • Andre Rudolph: confessional poetry. Luxbooks, Wiesbaden 2012, 90 Seiten, 19,80 Euro
  • Norbert Lange: Das Schiefe, das Harte und das Gemalene. Luxbooks, Wiesbaden 2012, 124 Seiten, 22 Euro

55. WortKlang

Die drei WortKlang-Künstler sind über die Grenzen des Landes bekannt. Die Sopranistin Luise Hecht hat ein Engagement am Theater Hildesheim. Gastspiele gab sie etwa am DNT Weimar und der Komischen Oper Berlin. Ihr Partner Christian Rosenau ist eine Doppelbegabung. Für seine Lyrik erhielt er im Vorjahr das Gerlach-Stipendium und zuvor den Jury-Preis beim Lyrik-Festival in Meran.

Er wird also nicht nur spielen, sondern auch eigene Texte vorstellen und damit in ein lyrisches Zwiegespräch mit Nancy Hünger treten. Nancy Hünger hat in diesem Jahr ihre dritte Veröffentlichung vorgelegt. Ihre Texte sind immer weltläufiger geworden. Sie sind in Thüringen genau so zu Hause wie in Israel, der Ukraine oder im rumänischen Siebenbürgen. / Neue Nordhäuser Zeitung

54. Preis für Lehnert

Der stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD und Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, hat den Dichterpfarrer Christian Lehnert gewürdigt, der heute Abend in Hannover mit dem Höltypreis ausgezeichnet wird. Der mit 20.000 Euro dotierte Lyrikpreis der niedersächsischen Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover ist einer der renommiertesten Lyrik-Preise im deutschsprachigen Raum.

„Mit Christian Lehnert wurde ein Hölty-Preisträger erkoren, der in seinem Leben Pfarramt und Dichtkunst in faszinierender Weise verbindet. Er ist ein Meister der poetischen Präzision“, schreibt Bohl in dem gemeinsamen Glückwunsch des Stellvertretenden Ratsvorsitzenden der EKD und der Kulturbeauftragten des Rates der EKD, Petra Bahr, an den 43-jährigen Theologen und Literaten. Die Kulturbeauftragte hebt darin die „über die Zeit gerettete Rhythmisierung“ der Sprache Lehnerts hervor, die keine „Kunsträume“ benötige, sondern ihre Inhalte und Inspiration aus der „Anschauung scheinbar abseitiger Alltäglichkeit und biblischer Figuren und Geschichte“ schöpfe. Als eindringliches Beispiel dieser Kunst nennt Bahr die Choralbearbeitungen aus dem Band „Ich werde sehen, schweigen und hören“ aus dem Jahre 2004, in denen Christian Lehnert den vertrauten sprachlichen Duktus der Werke Paul Gerhardts und Martin Luthers mit der „Sprachwirklichkeit unserer Zeit“ erfülle. / Wolfenbüttel heute

53. Gegenstrophe 4

Braun, Michael / Dittmer, Kathrin / Rector, Martin (Hg.)
Gegenstrophe 4
Blätter zur Lyrik 4
2012, 100 Seiten, Broschur
ISBN 978–3–86525–286–9
Preis: 12,00 €

»Gegenstrophe. Blätter zur Lyrik« erscheint jährlich im Herbst als Forum für Lyrik und Lyrikrezeption. Unter der Rubrik »Premiere« bietet es Raum für den Erstdruck von Gedichten, im »Porträt« stellt es Lyriker und Lyrikerinnen vor, die auf dem jährlich stattfindenden Lyrikfest des Literaturhauses Hannover gelesen haben und enthält in der Rubrik »Essay« Analysen und Interpretationen von Kritikern und Wissenschaftlern zu übergreifenden Themen. Die Rubrik »Recherche« dient der bibliographischen Erschließung aktuell erschienener Gedichtbände.

Mit Texten und Gedichten von Nora Bossong, Michael Braun, Kurt Drawert, Michael Fiedler, Christophe Fricker, Mara Genschel, Cornelia Jentzsch, Christian Lehnert, Martin Rector, Marcus Roloff, Ulf Stolterfoht, Sandra Trojan und Henning Ziebritzki

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52. Originalität

Der am wenigstens originelle Gedanke ist dieses Abstreiten von Originalität. Die Kritik stellt sich oft selbst ein Bein, wenn sie davon besessen ist, daß alles nur geborgt sei. Nach dieser Theorie gab es nie einen originellen Ton. Dichter, sagt man uns, werden geboren, nicht gemacht; aber die Poesie wird offensichtlich nie geboren sondern stets gemacht. / Israel Abrahams: The Book of Delight and Other Papers. Hebrew Love Songs (bei der Frage, ob Theokrit das Hohelied der Bibel gekannt haben muß)

51. Nikolaus Dominik und Arnold Leifert gestorben

Mit Nikolaus Dominik und Arnold Leifert sind in den vergangenen Tagen zwei Lyriker gestorben, deren Gedichte seit vielen Jahren in Anthologien, Zeitschriften und Einzeltiteln veröffentlicht wurden.

Für den 1951 in Amberg geborenen Nikolaus Dominik waren nach eigenen Bekundungen die Lust am Sprachexperiment und der spielerische Umgang mit dem Wort Ausgangspunkte seines literarischen Schaffens. In stilistisch an August Stramm erinnernden Gedichten tauchen immer wieder erotische und religiöse Motive auf, die durch Dominiks eigenwillige kraftvolle Diktion eine besondere Note erhalten („ein Unterleiben flammt/ins Hirn“ aus „Kuss“; „ein Pfarrer kelcht/engelt ein wenig“ aus „Orgie“). Eine Auswahl der Gedichte Nikolaus Dominiks, der zuletzt in München lebte, erschien 2009 unter dem Titel „DNA vom Papst“.

Arnold Leifert wurde 1940 in Soest geboren. Neben Prosa- und Hörspielarbeiten hat er vor allem Lyrik geschrieben. Leifert begann in den siebziger Jahren mit oftmals politisch orientierten Gedichten („Signale im Verteidigungsfall“, 1974) und verfaßte später Naturlyrik (u. a. „Damit der Stein wächst“, 1994) – subtile poetische Meditationen, in denen neben präzisen Beobachtungen des Werdens und Vergehens in der Natur auch deren Gefährdung durch den Menschen nicht ausgespart wird („Kraftfahrzeuge behaupten/ihr Recht auf Schneisen/in unserm Wald“ aus „Präparation“). In seinem letzten Wohnort Much (bei Köln) gibt es seit einigen Jahren einen Wanderweg mit Gedichttafeln Arnold Leiferts. / AK

Nachruf: Extra-Blatt

50. Lektüre Dantes

Lektüre Dantes (Mandelstam) 

Die Lektüre Dantes ist vor allem eine uns nach Maßgabe unserer Erfolge vom Ziel entfernende Arbeit ohne Ende. Wenn die erste Lektüre nur ein Jappen und eine gesunde Müdigkeit hervorruft, so versehe man sich für die folgenden mit einem Paar haltbarer Schweizer Nagelschuhe. Nicht zum Spaß kommt mir die Frage in den Kopf, wie viele Absätze, wie viele rindslederne Sohlen, wie viele Sandalen Alighieri während seiner dichterischen Arbeit abgetragen hat, unterwegs auf den Ziegenpfaden Italiens.

Ossip Mandelstam, aus: Gespräch über Dante. Russisch und Deutsch. Übersetzt von Norbert Randow. Leipzig und Weimar: Gustav Kiepenheuer 1984, S. 15.

Чтение Данта есть прежде всего бесконечный труд, по мере успехов отдаляющий нас от цели. Если первое чтение вызывает лишь одышку и здоровую усталость, то запасайся для последующих парой неизносимых швейцарских башмаков с гвоздями. Мне не на шутку приходит в голову вопрос, сколько подметок, сколько воловьих подошв, сколько сандалий износил Алигьери за время своей поэтической работы, путешествуя по козьим тропам Италии.

Aus: Lyrikwiki

49. „Leicht hat es die Lyrik nicht,“

und fast versteht man warum, wenn man weiterliest:

… sich Gehör zu verschaffen auf dem belebten Platz zwischen Theater und Tinguely-Brunnen. Das Plätschern des Wassers, die Tram, die in kurzen Abständen vorbeifährt, das Klingeln eines Handys, das Stimmengewirr der Leute. Immer wieder dringen Alltagsgeräusche ans Ohr, während die Dichter unter einem weißen Zeltdach ihre feinsinnigen Texte vortragen. „Auf die leisen Töne achten…“ heißt es so sinnig in einem Gedicht von Anton Schmid, der zur Mittagszeit an der Lese-Reihe ist. / Badische Zeitung

feinsinnig, leise, sinnig: na eben drum doch, liebe Leute! Weil ihr denkt, Lyrik sei feinsinnig, leise sinnig. Nein, bei Lyrik sollt ihr zusammenzucken: FRISS ANANAS, BÜRGER, UND HASELHUHN / WIRST BALD DEINEN LETZTEN SEUFZER TUN. (Majakowski). Oder so: ÜBERS NIEDERTRÄCHTIGE / NIEMAND SICH BEKLAGE / DENN ES IST DAS MÄCHTIGE / WAS MAN DIR AUCH SAGE. (Goethe). Oder: DES CORDUANERS / ZEILE LÖST DIR DIE HERZHAUT AB (Bobrowski: Góngora). Oder: AM BESTEN VÖGELT DOCH / EIN HINKEBEIN (Mimnermos)

48. Google

Leute, die sich teure Anwälte leisten können, wie Bettina Wulff und Sascha Lobo*, versuchen uns einzureden, daß Google die Wurzel des Bösen ist. (Im Fall Wulff: bis vorgestern wußte ich nichts von irgendwelchen Gerüchten um diese Dame, sie selber hat es mir serviert und ich muß nun bis zum Erbrechen schlucken. Bin aber immer noch nicht interessiert, und Ihr Buch kaufe ich garantiert auch nicht!). Wies aussieht, handelt es sich um schäbigste Parteiintrigen; aber deutsche Politiker und Leitmedien haben sich auf das böse Internet eingeschossen. Wenn sie Erfolg haben, habe ich den Schaden (obwohl ich mich auch dann nicht für Frau W.s Vorleben interessieren werde).

Einen kleinen Erfolg indes kann ich melden. Sucht man jetzt bei Google nach „Dürener Förderstipendium„, findet man auch die Lyrik.**

*) Wer sich interessiert: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-das-internet-ist-nicht-schuld-a-853752.html / http://www.cicero.de/berliner-republik/sascha-lobo-angst-vorm-netz-ist-nicht-voellig-unberechtigt/48173?seite=2***

**) Daß man Interessengruppen und Großkonzernen auf die Finger schauen muß, also auch Google, steht auf einem andern Blatt. Ich bezweifle nur, daß Wulff und Spiegel meinen Interessen dienen.

***) Ob sich auch der Herr teure Anwälte leisten kann, weiß ich nicht. Jedenfalls steht es jetzt bei Google. Aber da steht vieles. Glaube nicht alles, was du auf Papier oder virtuell lesen kannst, ist doch klar.