BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Here’s a poem for this season by Tim Nolan, of Minnesota. Once we begin to be thankful for things, there are more and more things to be thankful for.
Thanksgiving
Thanks for the Italian chestnuts—with their
tough shells—the smooth chocolaty
skin of them—thanks for the boiling water—
itself a miracle and a mystery—
thanks for the seasoned sauce pan
and the old wooden spoon—and all
the neglected instruments in the drawer—
the garlic crusher—the bent paring knife—
the apple slicer that creates six
perfect wedges out of the crisp Haralson—
thanks for the humming radio—thanks
for the program on the radio
about the guy who was a cross-dresser—
but his wife forgave him—and he
ended up almost dying from leukemia—
(and you could tell his wife loved him
entirely—it was in her deliberate voice)—
thanks for the brined turkey—
the size of a big baby—thanks—
for the departed head of the turkey—
the present neck—the giblets
(whatever they are)—wrapped up as
small gifts inside the cavern of the ribs—
thanks—thanks—thanks—for the candles
lit on the table—the dried twigs—
the autumn leaves in the blue Chinese vase—
thanks—for the faces—our faces—in this low light.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2012 by Tim Nolan, from his most recent book of poems, And Then, New Rivers Press, 2012. Poem reprinted by permission of Tim Nolan and the publisher. Introduction copyright © 2013 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Vielleicht liegt es an seinem theologischen und altphilologischen Hintergrund, dass seine Lyrik modern und zugleich sehr traditionell wirkt.
„Meine Gedichte folgen nicht der postmodernen Dauerschleife der Infragestellung des Autors oder einer fundamentalen Sprachkritik. Ich habe mich immer mehr reingeschrieben in ein ganz naives Vertrauen in die Sprache, die etwas zu tun hat mit: Im Anfang war das Wort.“
Der Pfarrerdichter betont, er wolle nicht einem Kulturpessimismus das Wort rede, aber er mache sich schon Sorgen um die Zukunft der Lyrik. Einerseits seien Lesungen sehr gut besucht. Das hänge vielleicht auch mit dem Boom des poetry slam zusammen. Doch zugleich würden die Verkaufszahlen von Gedichtbänden weiter sinken.
„Und das Andere ist, dass generell die Lyrik eine Gattung ist, die eine Nähe zur Philosophie und zur Theologie hat, und dass sie damit in einem Dreiklang steht, der es in unseren Tagen ohnehin schwer hat. In Lebensvollzügen, die immer funktionaler werden, (..) sind die Fragen nach den Grunddingen immer mehr an den Rand gedrängt und das betrifft absolut die Lyrik.“ / Michael Hollenbach, DLR
Ja, Brasch war »der poetische Sprecher (seiner Generation)«, das stand auch so in der FAZ; der Kleist seiner Zeit – oder, um es wieder mit Heiner Müller zu sagen, einer, »den man ziehen lassen sollte«. Esther Dischereit las: »Auf einem alten Foto ist (meine Großmutter) eine schöne Frau / … Ihr erster Mann erschoß sich mit 29«. Für den dritten wurde sie katholisch: »Als die Nazis sie holten, rief sie: Was wollt ihr von mir: Ich bin keine Jüdin mehr«. / Jamal Tuschik, junge Welt
Im biblischen Alter von 101 Jahren ist die japanische Dichterin Toyo Shibata gestorben. Sie sei am Sonntag „friedlich und ohne Schmerzen“ in einem Altenheim nördlich von Tokioverschieden, sagte ihr ältester Sohn Kenichi Shibata der Nachrichtenagentur AFP. Seine Mutter, die erst mit 92 Jahren mit dem Schreiben begonnen hatte, habe noch Gedichte verfasst, als sie über hundert gewesen sei. (…)
Shibatas erste Anthologie* „Kujikenaide“ (übersetzt „Lass Dich nicht entmutigen“) wurde fast 1,6 Millionen Mal verkauft. Das 2009 zunächst im Eigenverlag veröffentlichte Werk wurde 2010 von einem renommierten Verlag neu aufgelegt und zum Kassenschlager. In Japan zählt eine Gedichtsammlung schon als Erfolg, wenn sie sich mehr als 10.000 Mal verkauft.** / Ostthüringer Zeitung
*) Im Deutschen nennt man eine Gedichtsammlung eines Autors im allgemeinen nicht Anthologie.
**) Gibts im Deutschen eigentlich auch Erfolge?
auf der Google-Suche nach einem verlorenen Zitat:
hinter dir Fußspuren im Schnee, unberührt weiß vor dir der zugefrorene See – unter den Schuhsohlen knackt das Eis
Hansjürgen Bulkowski
Joachim John: »Die heutige Gesellschaft ist kein taugliches Modell. Wir benehmen uns wie eine Selbstmordsekte gegenüber der Natur. Globaler Kannibalismus. Ich zitiere einen deutschen Dichter meiner Generation, Karl Mickel:
›Die Welt ein Schiff
Voraus ein Meer des Lichts
Uns hebt der Bug
So blicken wir ins Nichts.‹
Wir sollten den folgenden Generationen, die das Nichts, diesen unermeßlichen Raum, betreten werden, das Vorzimmer, in dem wir leben, nicht vollgeschissen hinterlassen.«
/ aus einem Artikel der Zeitung junge Welt zum 80. Geburtstag des Grafikers Joachim John
Die Lyrikerin Monika Rinck erhält in diesem Jahr den Peter-Huchel-Preis. Sie wird für ihren Gedichtband „Honigprotokolle“ ausgezeichnet. Der SWR und das Land Baden-Württemberg vergeben den Preis seit 1983 für ein herausragendes lyrisches Werk des Vorjahres.
Die „Honigprotokolle“ setzten einen „poetischen Resonanzkörper“ in Gang, der musikalische Funken schlage, heißt es in der Begründung der Jury. Sie lobt Rincks leidenschaftliche sprachliche Virtuosität im Zusammenspiel von „sinnlicher Weltbetrachtung, rhythmischer Rede und Gegenrede.“ Monika Rinck wurde 1969 im pfälzischen Zweibrücken geboren. Sie studierte Religionswissenschaften und vergleichende Literaturwissenschaften. Heute lebt und arbeitet sie unter anderem als Übersetzerin in Berlin. Sie wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ernst-Meister-Preis für Lyrik und dem Georg-Glaser-Preis.
Rinck wird den Peter-Huchel-Preis an Huchels Gebeurtstag, dem 3. April, in seinem letzten Wohnort Staufen im Breisgau entgegennehmen. Die Preissumme beträgt 10.000 Euro. Peter Huchel war ein bedeutender Lyriker und bis zu seiner Absetzung durch die DDR-Führung 1962 Chefredakteur der Kulturzeitschrift „Sinn und Form“. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten unter anderem Ernst Jandl, Thomas Kling, Oskar Pastior und Friederike Mayröcker.
Quelle: SWR.de – Nachrichten
Die Jury besteht aus sieben Mitgliedern, die für zwei, maximal vier Jahre benannt werden. Hinzu kommen nicht stimmberechtigte Vertreter des Landes und des SWR. Zur Zeit:
Sibylle Cramer, Norbert Wehr, Gunhild Kübler, Bettina Schulte, Tobias Lehmkuhl, Insa Wilke und Theresia Prammer.
Die letzten Preisträger:
| 2012 | Nora Bossong | Sommer vor den Mauern |
| 2011 | Marion Poschmann | Geistersehen |
| 2010 | Friederike Mayröcker | „dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif“ |
| 2009 | Gerhard Falkner | Hölderlin Reparatur |
| 2008 | Ulf Stolterfoht | holzrauch über heslach |
| 2007 | Oswald Egger | Tag und Nacht sind zwei Jahre. Kalendergedichte |
| 2006 | Uljana Wolf | kochanie ich habe brot gekauft |
A.J. Weigoni veranstaltet in diesen Prægnarien ein furioses Stimmenkonzert aus Reimen und Kalauern, den Tücken der deutschen Grammatik und ihren Wortzusammensetzungen. Es gibt in diesen Gedichten Buchstaben als etwas Hörbares und Buchstaben als etwas Sichtbares.
In der künstlerischen Auseinandersetzung treffen sich Bracht, Weigoni und Hieronymus regelmäßig an der Grenzlinie, dort, wo Schrift in Zeichnung und auch in Klang übergeht. Es geht bei dieser Performance um die Sehnsucht nach Körperlichkeit, sinnlicher Unmittelbarkeit. Keine anderer Klang lebt so sehr vom Atem. Keine andere Musik verlangt ähnlichen körperlichen Einsatz. Bläser und Angeblasene verschmelzen zu einer Einheit, werden Teil eines großen atmenden Klangkörpers. Keine Maschinen, sondern allein die Lungenzüge geben den Rhythmus vor.
Praegnarien, Performance von Philipp Bracht und A.J. Weigoni in der Werkstattgalerie Der Bogen, Möhnestraße 59 | 59755 Arnsberg-Neheim, heute ab 20.00 Uhr
In der ersten Medien-Erregung wird Pep Guardiola, von Mitte des Jahres an neuer Trainer des FC Bayern München, bereits als Heilsbringer des Fußballs gefeiert. Dabei liebt er vor allem die Poesie. (…)
Denn gerade ist in der Edition Delta in der Übersetzung von Juana und Tobias Burghardt ein Buch erschienen, das Guardiola und seiner Frau Cristina gewidmet ist. Es heißt „Buch der Einsamkeiten“ und besteht aus 49 Gedichten des beliebten katalanischen Lyrikers Miquel Martí i Pol (1929 bis 2003).
(…)
Er hat die Gedichte Martí i Pols sogar mehrmals öffentlich vorgetragen, begleitet von dem Liedermacher Lluis Llach, letzten Sommer noch, vor mehreren tausend Zuschauern in Barcelona. Was immer sie sich in der Vorstandsetage von Bayern München also von ihm erwarten, sie sollten wissen, dass nicht nur ein Trainer nach München kommt, sondern auch ein Denker. / Paul Ingendaay, FAZ
Von historischen Umständen und politischer Verfolgung ist in diesem Kindheitsgedicht jedoch nicht die Rede. Die extreme Reduktion, die spröde Kargheit dieser Verse schafft trotzdem eine undefinierte Atmosphäre der Bedrückung.
Der Gipfel der Ernüchterung ist in der siebten Zeile erreicht: „vermutlich von einer Rechnung“. Es könnte ein Hinweis auf ärmliche Lebensverhältnisse sein. „Rechnung“ gehört jedenfalls nicht ins Wörterbuch der Poesie, und Dichter vermeiden in der Regel auch Aussagerelativierungen wie „vermutlich“. „Über allen Gipfeln ist eventuell Ruh“ – das wäre ein Bruch der Stimmung. Deutlich wird, dass die Perspektive bei aller lyrischen Gegenwärtigkeit nicht vom Kinderblick bestimmt ist, sondern von der Erinnerung, die sich einen Reim auf das Stückchen Papier zu machen sucht.
/ Caroline Peters über das Gedicht „Am Styx“, FAZ 19.1., aus:
Günter Kunert: „Mein Golem“. Gedichte. Hanser Verlag, München 1996, 96 S., kart., 13,90 €.
Ich denke oft, daß man als älterer Autor unter Umständen wieder in Kneipen jobben muß, wenn man sich nicht irgendwie anders im Betrieb etabliert hat und die Förderung abnimmt. (…)
Schriftsteller, die Lyrik schreiben oder eher avantgardistische Prosa, leben oft hauptsächlich von Förderungen. Aber wie es der Vertreter der BKS-Bank bei der Übergabe des Publikumspreises der Klagenfurter Literaturtage an Cornelia Travnicek so schön ausgedrückt hat: Als Schriftsteller kann man langfristig nur vom Publikum leben. / Matthias Nawrat, junge Welt
Der Hörbuchpionier A.J. Weigoni hat die Literatur nach 400 jähriger babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit, schreibt Matthias Hagedorn:
Als Sprechsteller bricht er die Sprache auf, dehnt sie ins Geräuschhafte und treibt sie durch seine assoziative Fantasie ins Expressive. Weigoni nutzt die Sprache als akustisches Präzisionsinstrument. Bei ihm lösen sich die Wörter ein Stückweit von ihrer mimetisch–realistischen Abbildfunktion und tragen auf unterschiedliche Weise dazu bei, das Vertraute fremd zu machen. Zu seinen Reizmitteln gehören zwischen Schrift und Rede wechselnde Tonspuren, eine intensiv atmende Syntax und Metrik, Klangbrüche und kunstvolle Enjambements, die der Akzentuierung eines einzelnen Worts, einer Silbe oder eines Buchstabens dienen. Dann entwickeln die Verse eine Spannkraft und eine vertikale Drift, die Zeilen treten hinter der Wirkung des Gedichtganzen zurück, und mit Zeilenbrüchen wird der Gedichtkörper kunstvoll gestaut. Seine Stimme kann das Fließen und die Beweglichkeit des Körpers wiedergeben. Sie kann Energien beschwören, für die es keine Worte gibt, emotionale Schattenreiche. / Kulturnotizen
… und man muß auch bereit sein, sich an den Pranger zu stellen. Überhaupt, jeder, der heute etwas an Poesie oder etwas an Kunst macht, muß wieder bereit sein, sich anprangern und anspucken zu lassen. Ich meine das ganz im Ernst und ohne jede Scheu, auch wenn die Preise erst jüngst auf mich nur so heruntergeschauert sind, ja gerade deswegen. Das lorbeergekrönte Haupt wird auf Dauer keinen entzücken.
Ernst Jandl: Das Öffnen und Schließen des Mundes. Frankfurter Poetik-Vorlesung. Berlin: Volk und Welt 1987 (Spektrum-Reihe), S. 41.
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