Galsan Tschinag (mongolisch Чинагийн Галсан, Tschinagijn Galßan, eigentlich Irgit Schynykbai-oglu Dshurukuwaa, tuwinisch Иргит Шыныкай оглу Чурук-Уваа; * 26. Dezember 1943 im Bajan-Ölgii-Aimag, Mongolei) ist ein aus der Mongolei stammender deutschsprachiger Schriftsteller. Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.
Er ist Angehöriger einer ethnischen Gruppe der turksprachigen Tuwiner bzw. der Cengel-Tuwiner im mongolischen Altai. Tschinag sieht sich selbst als Stammesoberhaupt, Schamane, religiöser Lehrer, Schauspieler und Ernährer der Altai-Tuwiner. Einige der in der Mongolei verstreut lebenden Mitglieder dieser Ethnie hatte er 1995 zu einer Karawane zusammen- und in seine Heimat, den mongolischen Altai, zurückgeführt. Bekannt wurde Tschinag in Deutschland als Schriftsteller und Autor zahlreicher belletristischer Texte über seine Herkunftsethnie.
https://de.wikipedia.org/wiki/Galsan_Tschinag
Also ein deutschsprachiger Schriftsteller – aber ganz so einfach ist es nicht.
Doch ist mir mittlerweile etwas Merkwürdiges an meiner eigenen Poesie aufgefallen – zwar verrät alles, von mir an poetischen Gedanken in unterschiedlichen Sprachen zum Ausdruck gebracht, unverkennbar meine besondere Sicht- und Schreibweise, aber jede Sprache hat dabei auch ihr besonderes Gepräge hinterlassen: Die Gesänge in meiner Muttersprache, in Tuwinisch, sind allem voran Gebete; die poetischen Versuche in meiner ersten Fremdsprache, in Kasachisch, klingen nach Scherz- und Festliedern; die Gedichte in Mongolisch, meiner zweiten Fremd- und meiner Schulsprache, sind in ihrem Gesamtkörper Hymnen; die weiteren poetischen Versuche in Russisch, meiner dritten Fremdsprache, muten, unverkennbar die russischen Klassiker nachahmend, recht lyrisch an; und schließlich die Gedichte in Deutsch, meiner vierten Fremd- und meiner universitären und Hauptschreibsprache, ja, wie sind sie denn?
Aus: Galsan Tschinag: Liebesgedichte. Mit einem Nachwort des Autors. Frankfurt/Main und Leipzig: Insel, 2007, S. 110f.
Du hast mir sehr gefehlt
Morgens hast du mir samt der Tür gefehlt
In der du stehst und mit der Sonne zusammen
Die Jurte bestrahlest und beleuchtest
Tags hast du mir gefehlt samt der Herdwärme
Dem Rauchgeruch und duftenden Teedampf
Abends hast du mir mit den lärmenden Tieren
Unter Hundegebell und flackerndem Kerzenlicht gefehlt
Nachts hast du mir gefehlt mit der Wolke Milchsäure
Schwelendem Wacholder und der Hitze deines Schoßes
Die Stimme, der Duft, das lebende Bild –
Alles von dir hat mir gefehlt
Am meisten aber die Nähe mit deiner quellenden Seele
Deren klarer Spiegel und samtene Grannen
Ich mit der meinigen fühlte
Wie sanften Hauch zarten Lebens
Aus der Sternstunde, in der du und ich einander
Zum Manne, zur Frau machten
Aus: Ebd. S. 37
Zum 400. Geburtstag des schlesischen Angelus ein Gelegenheitsgedicht und ein Quodlibet aus dem Cherubinischen Wandersmann.
Angelus Silesius (lateinisch für Schlesischer Bote/Engel, eigentlich Johannes Scheffler; geboren und getauft 25. Dezember 1624 in Breslau, Fürstentum Breslau; † 9. Juli 1677 ebenda)
Unter Jacob Böhme’s Bildniss
Im Wasser lebt der Fisch, die Pflanzen in der Erden,
Der Vogel in der Luft, die Sonn‘ im Firmament;
Der Salamander muss im Feu’r erhalten werden,
Und Gottes Herz ist Jacob Böhme‘s Element.
1. Buch, 5. Man weiß nicht, was man ist Ich weiß nicht, was ich bin; ich bin nicht, was ich weiß; Ein Ding und nit ein Ding, ein Stüpfchen und ein Kreis. 285. Das Erkennende muß das Erkannte werden In Gott wird nichts erkannt: er ist ein einig Ein, Was man in ihm erkennt, das muß man selber sein. 297. Nicht nackt und doch unbekleidet Nackt darf ich nicht vor Gott und muß doch unbekleidt Ins Himmelreich eingehn, weil es nichts Fremdes leidt. 2. Buch 9. Das Weib auf dem Monde Was sinnest du so tief? Das Weib im Sonnenschein, Das auf dem Monden steht, muß deine Seele sein. 32. Mit Schweigen singt man schön Die Engel singen schön; ich weiß, daß dein Gesinge, So du nur gänzlich schwiegst, dem Höchsten besser klinge. 3. Buch 14. Küssungs-Begierde Ach laß mich doch, mein Kind, mein Gott, an deinen Füßen Nur einen Augenblick das mindste Brünklein* küssen. Ich weiß, werd ich von dir nur bloß berühret sein, Daß stracks verschwinden wird mein und auch deine Pein. 5. Buch 144. Die Ichheit schadet mehr als tausend Teufel Mensch, hüte dich vor dir. Wirst du mit dir beladen, Du wirst dir selber mehr als tausend Teufel schaden. 6. Buch 263. Beschluß Freund, es ist auch genug. Im Fall du mehr willst lesen, So geh und werde selbst die Schrift und selbst das Wesen. Ende
*) Brünklein schlesisch für kleiner Brocken
Das erste aus: Sämmtliche poetische Werke, Hrsg. David August Rosenthal, Regensburg 1862, Band 1, S. 19, die übrigen hier http://www.zeno.org/Literatur/M/Angelus+Silesius/Gedichte/Cherubinischer+Wandersmann
In der verzweigten Künstlerfamilie Cornelius gibt es 2 Peter. Der Maler Peter Cornelius (1783-1867) wurde vom bayrischen König geadelt, so dass man ihn am „von“ unterscheiden kann. Der andere ist Peter Cornelius (1824-1874), Komponist und Dichter, der am Heiligabend 1824 in Mainz geboren wurde. Er schrieb zwei Opern, Der Barbier von Bagdad (1858) und Der Cid (1865), eine dritte blieb unvollendet, und zahlreiche Lieder. Darunter ist ein Zyklus Weihnachtslieder. Ich entscheide mich aber für zwei persönlichere Gedichte.
Ich habe keine Titel.
Ich habe keine Titel,
Bin nicht Commerzienrath,
Ich hab' auch keine Mittel,
Der Fall ist desperat!
Bin so ein Stückchen Dichter,
Ein Stückchen Musikant,
Solch hungriges Gelichter
Erfüllt das ganze Land.
Käm' nur die Zeit recht schnelle,
Wo man den Menschen schätzt;
Dann blieb' manch hohe Stelle
Im Land wohl unbesetzt.
Und würden alle Hunde
Und Wölfe dann verbannt,
Blieb' wohl für mich zur Stunde
Ein Platz als Mensch vacant.
Aus: Gedichte von Peter Cornelius. Eingeleitet von Adolf Stern. (Herausgegeben vom Allgemeinen Deutschen Musikverein). Leipzig: C. F. Kahnt Nachfolger, 1890, S. 214
Zum Schluß
Wenige sind's, die mich verstehen,
Die mich nehmen wie ich bin,
Die das Wort mir nicht verdrehen,
Das ich sprach mit leichtem Sinn;
Die aus einer Spreu von Scherzen
Gern erspäh'n des Ernstes Korn,
Die da schöpfen, wie vom Herzen
Reich und spärlich fließt der Born.
Drum, daß ich euch bin begegnet
Hat mir voll das Herz erlabt,
Seid gegrüßet, seid gesegnet,
Daß ihr mich verstanden habt!
Aus: Ebd. S. 279
Im Eingangsbild Peter Cornelius, wie ihn die KI nach Lektüre dieses Beitrags sah. Hier ein Porträt von Friedrich Preller dem Älteren (aus dem Band seiner Gedichte).

Bertolt Brecht
(* 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in Ost-Berlin)
Die gute Nacht
Der Tag, vor dem der große Christ
Zur Welt geboren worden ist
War hart und wüst und ohne Vernunft.
Seine Eltern hatten keine Unterkunft
Und auf den Straßen herrschte ein arger Verkehr
Und die Polizei war hinter ihnen her
Und sie fürchteten sich vor seiner Geburt
Die gegen Abend erwartet wurd.
Denn seine Geburt fiel in die kalte Zeit.
Aber sie verlief zur Zufriedenheit.
Der Stall, den sie doch noch gefunden hatten
War warm und mit Moos zwischen seinen Latten
Und mit Kreide war auf die Tür gemalt
Daß der Stall bewohnt war und bezahlt.
So wurde es doch noch eine gute Nacht
Auch das Heu war wärmer, als sie gedacht
Ochs und Esel waren dabei
Damit alles in der Ordnung sei.
Eine Krippe gab einen kleinen Tisch
Und der Hausknecht brachte ihnen heimlich einen Fisch.
(Denn es mußte bei der Geburt des großen Christ
Alles heimlich gehen und mit List.)
Doch der Fisch war ausgezeichnet und reichte durchaus
Und Maria lachte ihren Mann wegen seiner Besorgnis aus.
Denn am Abend legte sich sogar der Wind
Und war nicht mehr so kalt, wie die Winde sonst sind.
Aber bei Nacht war er fast wie ein Föhn.
Und der Stall war warm. Und das Kind war sehr schön.
Und es fehlte schon fast gar nichts mehr –
Da kamen auch noch die Dreikönig daher!
Maria und Joseph waren zufrieden sehr.
Sie legten sich sehr zufrieden zum Ruhn.
Mehr konnte die Welt für den Christ nicht tun.
Entstanden Dezember 1926.
Aus: Bertolt Brecht: Gedichte 3. Gedichte und Gedichtfragmente 1913-1927 (Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe 13). Berlin: Aufbau; Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1993, S. 339f. Am 25. Dezember war eine erste Fassung in der Vossischen Zeitung in Berlin erschienen. Vermutlich erweiterte Brecht das Gedicht danach.
Tanja „Lulu“ Play Nerd
einkaufszettel
und dann gehe ich in den supermarkt
um mir mein abendessen zu kaufen
und dann setze ich mich vor den fernseher
um mir die nachrichten anzuschauen
und dann schlafe ich etwas früher als üblich ein
um morgens früh noch die nasskalte stille zu hören
und dann fahre ich wie gewohnt zur arbeit
um einen wundervollen tag zu verbringen
und dann denke ich an all das unerledigte
um mir einen plan zu machen
und dann schreibe ich wieder auf
was ich heute unbedingt kaufen muss
und niemand weiß dass jeder anfangsbuchstabe
insgeheim für etwas verbotenes steht
das die welt vielleicht retten könnte
und dann träume ich von den namenlosen blumen
die irgendwann dort blühen wo niemand mit rechnet
Charles Simic
( * 9. Mai 1938 in Belgrad, Königreich Jugoslawien, als Dušan Simić; † 9. Januar 2023 in Dover, New Hampshire)
21. Dezember
Diese Kriege, die nur enden,
Um neu zu beginnen,
Wie der Friseur beim Haareschneiden,
Oder wie diese Winter
Mit den trüben Tagen,
Die bis zu Kain zurückreichen.
Alles, was ich je getan habe,
War – so scheint es –, mit einem Stock
In Ruinen herumzustochern,
Bis mich Ruß
Und Asche bedeckten,
Die ich nicht abwaschen konnte,
Selbst wenn ich gewollt hätte.
Aus: Charles Simic: MEIN LAUTLOSES GEFOLGE. Gedichte. Aus dem Amerikanischen von Wiebke Meier. München: Lyrik Kabinett, 2006, S. 71
Friederike Mayröcker
(* 20. Dezember 1924, heute vor 100 Jahren, in Wien; † 4. Juni 2021 ebenda)
DIES DIES DIES DIESES ENTZÜCKEN ICH KLEBE AN DIESER ERDE an dieser hinschmelzenden Erde an diesem Baldachin eines Junihimmels dessen Bläue in Wellen gebauscht und mit tiefen Schwalben : ich meine trunken und zuweilen verborgen, scheinen sich zu verbergen in irgend Buchten und Malven Holunderbäumen : wilden Monstranzen .. die Luft ist wie damals, ja, die Luft wie damals in D., die Zirren nein Zirben die Wolfsmilchstauden VON ANBEGINN : alle Schmerzen aller Wahn schon Ewigkeiten vorher seit Ewigkeiten erlitten, die lilies Magnolienfelder, von oben von irgendwoher ich glaube aus verhülltem Gezweig diese einzelne Stimme mich durchdringt : mein unsichtbarer Liebster in dieser Baumkrone ach jubiliert! diese Lust diese Süsze ich KLEBE an dieser Flammen Erpressung an diesem Licht an diesem Himmel, sage ich, etwas Hawai oder möchte in BURGUNDISCHEN GÄRTEN über Maszliebchen Erde .. was! Flitzerei / plötzlicher Engel, habe diesmal versäumt die ersten Schwalben zu sichten in ihrer Inbrunst nicht wahr, diese Luftbeute, Wollust der Augen, ach ich KLEBE an diesem Leben an diesem LEBENDGEDICHT.
Geschrieben am 4.6.2000. Fünf Tage später starb ihr Partner Ernst Jandl.
Aus: Friederike Mayröcker, Gesammelte Gedichte 1939-2003. Hrsg. Marcel Beyer. Berlin: Suhrkamp, 2004, S. 692f
Rafael Alberti
(* 16. Dezember 1902 in El Puerto de Santa María, Provinz Cádiz; † 27. Oktober 1999 ebd.)
Am Tag seines Todes durch Waffengewalt
Sagt mir's doch rundheraus, ob das nicht alles lustig war.
5 x 5, das war damals noch nicht 25,
und die dämmernde Frühe hatte noch mit keinem Gedanken
an die Existenz der bösen Messer gedacht.
Ich schwöre dir beim Mond, daß ich kein Koch bin;
du schwörst es mir beim Mond, daß du kein Koch bist;
er schwört es uns beim Mond, daß er nicht mal ein
Dampfschwaden einer solch trostlos traurigen Küche ist.
Wer ist gestorben?
Die Gans bereut es, daß sie eine Ente ist;
der Spatz, daß er Professor für chinesische
Sprache ist;
der Gockel, daß er Mensch ist;
ich, daß ich Talent habe und das Elend bestaune,
das eine Schuhsohle im Winter meistens darstellt.
Einer Königin ist die Krone verlorengegangen,
dem Präsidenten einer Republik der Hut,
und mir ...
Ich glaube, mir ist nichts verlorengegangen,
mir ist noch nie etwas verlorengegangen,
mir ...
Was soll das heißen: »Guten Tag«?
Aus dem Spanischen von Fritz Vogelgsang, aus: Rafael Alberti: Ich war ein Dummkopf, und was ich gesehen habe, hat mich zu zwei Dummköpfen gemacht. Gedichte, spanisch und deutsch. Übertragung und Nachwort von Fritz Vogelgsang. Stuttgart: Klett-Cotta, 1982, S. 23
En el día de su muerte a mano armada
Decidme de una vez si no fue alegre todo aquello.
5 x 5 entonces no eran todavía 25
ni el alba había pensado en la negra existencia de los
malos cuchillos.
Yo te juro a la luna no ser cocinero,
tú me juras a la luna no ser cocinera,
él nos jura a la luna no ser siquiera humo de tan
tristísima cocina.
¿Quién ha muerto?
La oca está arrepentida de ser pato,
el gorrión de ser profesor de lengua
china,
el gallo de ser hombre,
yo de tener talento y admirar lo desgraciada
que suele ser en el invierno la suela de un zapato.
A una reina se le ha perdido su corona,
a un presidente de república su sombrero,
a mí ...
Creo que a mí no se me ha perdido nada,
que a mí nunca se me ha perdido nada,
que a mí ...
¿Qué quiere decir buenos días?
Ebd. S. 22
Margot Scharpenberg
(* 18. Dezember 1924 in Köln; † 25. August 2020 in New York)
GRENZGANG
Schütt ich Sand aus dem Schuh, bring ich Wasser mit,
hab ich Wüste und Meer gefangen,
und der Stein, den ich aufhob, heißt Tod.
Aus Wasser und Sand hab ich Häuser gemacht,
mit dem Stein hab ich Leben zu Fall gebracht,
meine Spur in der Sonne ist rot.
Ich treib auf dem Weltkorn im Wasserland,
wenn die Welle zerbricht, find ich anderen Sand,
und ich backe aus Erde Brot.
Doch die Wegzehr reicht nicht bis zum Grenzerhaus,
vor dem Horizont pack ich das Letzte aus,
dann kein Wasser kein Sand, nur die Blutspur im Schuh.
Den ich schleppte, der Stein schlug zu.
Aus: expeditionen. deutsche lyrik seit 1945. hrsg. wolfgang weyrauch. München: List, 1959, S. 81
Jacques Roubaud
(* 5. Dezember 1932 in Caluire-et-Cuire bei Lyon; † 5. Dezember 2024 in Paris)
Die Mona Lisa
Die wahren Liebhaber gehen
um die Mona Lisa zu sehen
nicht ans Ende der Welt
nicht einmal in den Louvre
Sie gehen an die Ecke der Straße
de La Rochefoucauld und der Straße
Notre Dame
von Loretta
sie betreten das Café
da ist sie
Das Bild ist auf der Wand
beige und elfenbein
der Rahmen ist beige und elfenbein und ein wenig orange
die Leinwand ist signiert
eigenhändig vom Künstler
E.
Merou.
Das ist die Mona Lisa
die Mona Lisa von Mérou
Mérou Émile? Mérou Eugène? Mérou Ernest?
warum nicht Émilie, Eugénie, Ernestine?
wie soll man das wissen?
hinter ihrer makellosen Scheibe
sieht die Mona Lisa zufrieden aus
sie schaut mich an
sie lächelt
nicht die geringste Herablassung
nicht ein Atom voll Geheimnis
ruhige
schöne
Sanftmut
die Mona Lisa eben!
Die wahren Liebhaber gehen
nicht ans Ende der Welt
ins Sélect an der Rotonde
auf den Grund dunkler Dschungel
weder auf eine Bohrinsel
noch zapfen sie Geldquellen an
noch nach Peru
sondern zwei Schritte von Sacré Coeur
besuchen sie die Mona Lisa
die Mona Lisa die Mona Lisa
die Mona Lisa von Mérou
kurz
ein Hoch, ein Hoch
auf die Mona Lisa
diemonalisavonmérou
Deutsch von Ursula Krechel, aus: Jacques Roubaud, Stand der Orte. Gedichte. Heidelberg: Wunderhorn, 1999, S. 9f
LA JOCONDE
Les vrais amateurs
pour voir la Joconde
ne vont pas au bout du monde
ni même au Louvre
Ils vont au coin de la rue
de La Rochefoucauld et de la rue
Notre‑Dame-
de‑Lorette
ils entrent dans le café
elle est là
Le tableau est sur le mur
beige et crème
le cadre est beige et crème et un peu orange
la toile est signée
de la main même de l’artiste
E.
Mérou.
C’est la Joconde
la Joconde de Mérou.
Mérou Émile ? Mérou Eugène ? Mérou Ernest ?
pourquoi pas Émilie, Eugénie, Ernestine ?
comment savoir ?
derrière sa vitre bien propre
La Joconde a l’air contente
elle me regarde
elle sourit
pas la moindre condescendance
pas un atome de mystère
placidité
calme
belle
La Joconde, quoi !
Les vrais amateurs
ne vont pas au bout du monde
au Sélect à la Rotonde
au fond des jongles profondes
ni aux îles de la sonde
ni au Pérou
mais à deux pas du Sacré‑Cœur
ils viennent voir la Joconde
La Joconde la Joconde
la Joconde de mérou
Bref
célé célé
brons la Joconde
lajocondedemérou !
Aus: JACQUES ROUBAUD: Je suis un crabe ponctuel. Anthologie personnelle 1967‑2014. Paris: Gallimard, 2016, S. 97-99
Ein Gedicht des alten Goethe, in einem Sammelband 1827 veröffentlicht, 5 Jahre vor seinem Tod, fällt mir manchmal ein, wenn ich bei Tag in eine Kirche gehe und das Licht der bunten Kirchenfenster sehe.


Parabolisch 1
Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein
Da ist alles dunkel und düster;
Und so sieht's auch der Herr Philister:
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.
Kommt aber nur einmal herein!
Begrüßt die heilige Kapelle;
Da ist's auf einmal farbig helle,
Geschicht' und Zierrat glänzt in Schnelle,
Bedeutend wirkt ein edler Schein;
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergetzt die Augen!
Aus: Goethe, Gedichte 1800-1832. Hrsg. Karl Eibl. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1988, S. 542
Anmerkung: „Bedeutend“ ist hier nicht einfach ein plattes Prahlwort, sondern wörtlich zu verstehen: es (das Fenster, das Gedicht) „bedeutet“ etwas (nämlich wenn man es nicht von außen betrachtet und auslegt, sondern hineingeht und schaut).
Heute aber ging ich kurz vor Mitternacht an der Greifswalder Nikolaikirche vorbei, draußen Dezembernacht, das Innere festlich beleuchtet. Da fiel mir ein, dass Goethes Gedicht auf der wörtlichen Ebene nur bei Tag stimmt. Geht man nämlich nachts in die Kirche hinein (das geht hierzulande nur bei einem Konzert oder einem nächtlichen Gottesdienst, wie er im Norden höchstens zu seltenen Feiertagen vorkommt), sind die Fenster im Inneren stumpf. Aber von draußen! Die folgenden Bilder, rechts Kirchenfenster bei Nacht von innen, links gestern Nacht von außen (links steht ein Baugerüst vor dem Nachbarhaus).


Was lernen wir daraus? Goethe war nur bei Sonnenschein in der Kirche.
Das heutige Gedicht oder die beiden heutigen bedienen vielleicht mehr sprachliches als literarisches Interesse. Aus Wikipedia auf Esperanto:
Marie HANKEL (naskiĝis la 2-an de februaro 1844 en Schwerin kiel Marie Dippe, mortis la 15-an de decembro 1929 en Dresdeno) famiĝis kiel la unua Esperanto-poetino de la mondo.
(Marie HANKEL (geboren am 2. Februar 1844 in Schwerin als Marie Dippe, gestorben am 15. Dezember 1929 in Dresden) wurde als erste Esperanto-Dichterin der Welt berühmt.)
https://eo.wikipedia.org/wiki/Marie_Hankel
Wir können die Überschrift ergänzen: … und die erste Weltbürgerin und der erste Mensch, die und der in dieser Sprache gedichtet haben.
Ihre Gedichte sind nicht so berühmt (naja, Geschmackssache), aber wie gesagt die Sprache. Ein Gedicht im Original mit zwei Übersetzungen aus dem Weltweitnetz. Esperanto ist gar nicht so schwer. Maten ist natürlich französisch matin (Morgen) und fruo das deutsche Frühe, von fru = früh. Das angehängte o macht daraus ein Substantiv – tatsächlich enden alle Substantive auf o, kein Gender nirgends. Im Gedicht also nur noch tago = Tag. (Der Morgen, in der Überschrift, wäre la mateno, in der Zusammensetzung mit Frühe kommt das o ans Ende.) Noch ein paar Wörter zum Spaß. Hauto = Haut, kafo = Kaffee, sako = Sack und poemo = Gedicht.
Alle Adjektive enden auf a: pura = rein, fresa = frisch, belega = schön (wie belle, bella), suna = sonnig und ventega = (Wind) stürmisch. Noch fehlende Wörter mit Angabe der Versnummer: 1 kaj = und, 2 vi = du oder ihr, fortigas = stärkt, vivigas = belebt, erweckt zum Leben, min = mich, 3 venus = käme, würde kommen, au = oder, 4 mi = ich, kurage = mutig, nun = nun, jetzt, suferos = werde ertragen. Gin habe ich nicht verstanden, bis ich begriff, dass der Text falsch ist, es müsste ǧin heißen = ihn, oder es im Akkusativ (das Getränk Gin wäre natürlich ǧino). Wie in Gin wird der Buchstabe auch gesprochen. „Mutig werde ich es nun ertragen“.
Sollte reichen, um das Gedicht zu verstehen. Vielleicht mit ein paar Fehlerchen und Fragezeichen, als Würze. Und so ist es doch ein gutes Gedicht, oder nicht? Jedenfalls im Original. Von den Gedichten, die ich mir angesehen habe, jedenfalls das beste.
Matenfruo
Matenfruo, pura, fresa kaj belega,
Vi fortigas kaj vivigas min!
Venus tago suna au ventega –
Mi kurage nun suferos gin
Morgenfrühe
Morgenfrühe, reine, frische, wunderschöne,
Du kräftigst und belebst mich!
Kommt ein Sonnen- oder Sturmestag
Mutig werd ich ihn ertragen.
Aus: https://literaturlandschaft.eu/authors/hankel/research/memorial/403
Early morning, pure, brisk, and beautiful,
you strengthen and enliven me!
Be it a sunny or a stormy day –
Boldly shall I go about facing it.
Aus: https://www.lis-map.eu/authors/hankel/research
Folgt noch ein Lied nach einem ihrer Gedichte, es heißt „Unsere Sprache Esperanto“, Nia lingvo Esperanto.
Im übrigen empfehle ich den tollen Text von Zé do Rock, der hierunter verlinkt ist (Morgenpük und Volastern).
Vicente Aleixandre
(* 26. April 1898 in Sevilla; † 14. Dezember 1984, heute vor 40 Jahren, in Madrid)
FÜR WEN SCHREIBE ICH
I
Für wen schreibe ich? so fragte mich der Chronist, der
Journalist oder ganz schlicht der Neugierige.
Ich schreibe nicht für den Herrn im vornehmen Jackett,
nicht für seinen verärgerten Schnurrbart, nicht einmal
für seinen erhobenen tadelnden Zeigefinger in
den traurigen Wellen der Musik.
Auch nicht für die Reisekutsche noch für ihre verborgene
Dame (hinter Scheiben, wie ein eisiger Strahl der
Glanz des Lorgnons).
Ich schreibe für die vielleicht, die mich nicht lesen. Für jene
Frau, die durch die Straße läuft, als wollte sie die
Tore dem Frührot aufschlagen.
Oder jenen Alten, der auf der Bank des winzigen Platzes
einnickt, während ihn die Abendsonne liebevoll berührt,
ihn umfängt und sanft in ihrem Licht auflöst.
Für alle, die mich nicht lesen, die sich nicht um mich
kümmern, sich aber vor mir in acht nehmen (obwohl
sie mich nicht kennen).
Dieses Mädchen, das im Vorübereilen mich anschaut.
Gefährtin meines Wagnisses, in dieser Welt zu leben.
Und diese Alte, die, vor ihrer Tür sitzend, Leben
erfahren hat, fruchtbar von vieler Leben, von
müden Händen.
Ich schreibe für den zärtlich Verliebten; für ihn, der
mit seiner Qual in den Augen vorüberging; für den,
der ihn nicht anhörte; für den, der im Vorüber, nicht
hinsah; für ihn, der schließlich umfiel, da er fragte
und den man nicht hörte.
Für alle schreibe ich. Für die vor allem, die mich nicht lesen.
Einen um den andern und die Menge. Und für die
Brüste und für die Münder und für die Ohren, wo,
ohne mich zu hören,
mein Wort ist.
Deutsch von Erich Arendt und Katja Hayek-Arendt, aus: Poesiealbum 131. Vicente Aleixandre. Auswahl Richard Pietraß. Berlin: Neues Leben, 1978, S. 30f
PARA QUIÉN ESCRIBO
I
¿Para quién escribo?, me preguntaba el cronista, el periodista
o simplemente el curioso.
No escribo para el señor de la estirada chaqueta, ni para su
bigote enfadado, ni siquiera para su alzado índice admonitorio
entre las tristes ondas de música.
Tampoco para el carruaje, ni para su ocultada señora (entre
vidrios, como un rayo frío, el brillo de los impertinentes).
Escribo acaso para los que no me leen. Esa mujer que corre
por la calle como si fuera a abrir las puertas a la aurora.
O ese viejo que se aduerme en el banco de esa plaza chiquita,
mientras el sol poniente con amor le toma, le rodea y le
deslíe suavemente en sus luces.
Para todos los que no me leen, los que no se cuidan de mí,
pero de mí se cuidan (aunque me ignoren).
Esa niña que al pasar me mira, compañera de mi aventura,
viviendo en el mundo.
Y esa vieja que sentada a su puerta ha visto vida, paridora
de muchas vidas, y manos cansadas.
Escribo para el enamorado; para el que pasó con su angustia
en los ojos; para el que le oyó; para el que al pasar no miró;
para el que finalmente cayó cuando preguntó y no le oyeron.
Para todos escribo. Para los que no me leen sobre todo escribo.
Uno a uno, y la muchedumbre. Y para los pechos y para las
bocas y para los oídos donde, sin oírme,
está mi palabra.
Vicente Aleixandre gehörte zur Generation von 1927. 1977 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.
Neben dem großen runden 200. gab es gestern noch einen kleinen 30. Jahrestag. Tom de Toys schreibt dazu:
Echte Liebeslyrik als „Erweiterte Sachlichkeit“
Zum 30. Jubiläum der E.S.-Forschung („Erweiterte Sachlichkeit“) erschien jüngst die aktualisierte Neuauflage der Sammlung aller 116 Beispiele für „echte, erfüllte“ Liebeslyrik von Tom de Toys aus den Jahren 1994 bis 2024. Den germanistischen Etikettenschwindel bemerkte De Toys quasi zufällig: zwei Wochen nachdem er das 1.E.S. „WIEDERGEBORENE“ für seine damalige Muse schrieb, fiel ihm auf, dass sogenannte Liebeslyrik meist eigentlich nur Sehnsuchtslyrik ist, auch in seinem eigenen Werk, das damals mit dem kurz zuvor vollendeten 101-teiligen „Ute Uferlos“-Zyklus einen Wendepunkt erreicht hatte. Nach umfangreichen Recherchen stellte sich für ihn heraus: Nur 5% aller sogenannten Liebesgedichte in der deutschsprachigen Literatur seit den Minnegesängen handeln (bis heute!) von der erfüllten Liebe, während der große Rest nur die Sehnsucht nach Liebe oder ihren Verlust und die Vergänglichkeit thematisiert. Sowohl Standardanthologien als auch Einzelgedichtbände werden aber trotzdem mit dem Gütesiegel „Liebeslyrik“ versehen. Nur sehr selten erwähnen Herausgeber im Nachwort eher beiläufig, dass die Liebe zumeist literarisch unerfüllt bleibt. De Toys achtet daher in seinem mittlerweile knapp 3000 Texte umfassenden Werk darauf, ob ein neu entstandenes Gedicht das „direktpoetische“ Dokument einer erfüllten Liebesbegegnung ist oder doch nur über Liebe als ein abwesendes Gedankenobjekt anstatt realer Erfahrung spricht.
Tom de Toys,12.12.1994, 1.E.S.
WIEDERGEBORENE
wir nahmen
uns
in uns
und schauten
in den augen
in den mündern
das beseelte
mich mit dir und
dich mit mir und
hatten hunger
aus winternächten
da wir zwischen
häuser rannten
die den krieg
erinnern wohnen
überall in uns
verblieben
verblieben
Entnommen aus: „ZIELE DER ZÄRTLICHKEIT“ (116 E.S.-Beispiele 1994-2024)
2004 schrieb eine Greifswalder Studentin, Franziska Krüger, eine Hausarbeit „Der richtige Umgang mit Sprache oder: wie geht Sprache mit Liebenden um“ in meinem Seminar „Lyrikgeschichte V: Von Brecht bis zur Gegenwart“. Ein Auszug daraus:
Die Liebeslyriktheorie „Erweiterte Sachlichkeit“ steht für das Entwerfen einer Poesie, die das Erleben, die Wirklichkeit des Menschen, pur wiedergibt. (…) Da Liebe geschieht, sollte auch im Geschehen über sie geschrieben werden, um eine intensive und echte Liebesbegegnung sprachlich so authentisch wie möglich nachzuzeichnen. Die Motivation zum Schreiben ist folglich das Leben selbst, denn ohne jenes gäbe es keine beschreibbare Grundlage. (…) Das Leben selbst steht im Mittelpunkt und es bildet die Grundlage für De Toys‘ Dichtung, sodass er zu dem Schluss kommt, „Direkte Dichtung“ sei immer mit dem direkten, dem eigentlichen Leben in seiner Präsenz verbunden, da der Mensch als Teil der Wirklichkeit sich dieser nicht entziehen kann. (…) Wenn die echte erfüllte Liebeslyrik die Aufdeckung und die Benennung der wahren Gefühle ist, dessen, was in diesem Moment, in der „Gegenwart“, in der „Existenz“, ganz authentisch geschieht, kann der „Kontakt“ wie die „Kommunikation“ mit anderen nur im „Bewusstsein“ all dessen vollzogen werden. (…) Die in manchen Überschriften vorhandenen Klammern ermöglichen viele Lesarten. Außerdem deuten die fehlende Interpunktion sowie die besondere Vortragsweise des Autors darauf hin, daß von den LeserInnen selbst Akzente gesetzt werden sollen, um den potenziellen Bedeutungen des Titels nahezukommen, was durchaus dazu auffordert, weiterzudenken, nachzulesen, eigene Verbindungen herzustellen. Hinzu kommt, dass was im Rausch der Gefühle geschrieben wurde, auch in diesem gelesen werden soll, ohne einengende Regelungen.
Komplett hier: https://poemie.jimdofree.com/liebeslyrik/gastbeitrag-franziska-kr%C3%BCger/
Ein Freund schrieb neulich, die Anthologie der Lyrikzeitung sei eigentlich (m)ein Pantheon. Das Wort trifft vielleicht etwas, aber insgesamt finde ich es nicht glücklich. Das sind doch nicht meine Götter. Ich poste manchmal Gedichte, weil ich sie schon lange mag oder eben entdeckt habe, manchmal zufällig oder weil ich etwas zu einem Anlass suche*) – viel öfter aber aus einer Art Sammelwut. In meiner Bibliothek finden sich tausende Dichter in Einzelbänden oder Anthologien, die Weltbibliothek im Internet hat abertausend weitere. Warum nicht von (fast) jedem wenigstens einmal ein Gedicht auswählen? Es müssen nicht immer Götterwesen sein. Unsterbliche? Höchstens in dem Sinn, dass fast alles auffindbar ist, solange die Welt(bibliothek) existiert. Angeblich haben über 2000 Leute die Lyrikzeitung abonniert. Ein paar hundert klicken zufällig auf der Suche nach irgendwas vorbei, ein paar Dutzend gezielt, eine Handvoll reagiert fast jeden Tag auf meine wachsende Anthologie. (Ihnen danke ich sehr!) Es ist nicht möglich, mit 365 Gedichten im Jahr von allen Seiten Beifall zu bekommen. „Auch mir selbst gefällt es“ manchmal „nicht“, sage ich mit Ernst Jandl. Ob das „gute“ oder „schöne“ Gedichte sind, was juckt es mich?
Eine Anthologie, der tausend Leute jeden Tag begeistert zustimmen, wenn sie denn möglich wäre, wär sie bestimmt langweilig. Warum soll man denn das und nur das bringen, was sowieso schon alle lieben? Als Thomas Kling seine Anthologie „Sprachspeicher“ veröffentlichte, monierte ein Kritiker, dass vieles fehle, was dahingehörte. Warum will er denn immer wieder das bekommen, was er schon hat? Warum freut er sich nicht einfach über das eine oder andere, was bei Klings Auswahl überraschte? Ich bin für absolute Neugier, Neu-Gier, Diversität. An einem schönen Tage läßt sich ja fast jede Sangart hören, und die Natur Kultur, wovon es her ist, nimmts auch wieder.
Der heutige Dichter gehört nicht zu meinen Göttern (Hölderlin und Jandl schon). Ich habe ihn mir angesehn, weil er just vor 200 Jahren geboren wurde. Hier ist ein Gedicht von Rudolph Genée (1824-1914). Lest es mit Vergnügen oder mit Stirnrunzeln, freut oder ärgert euch, merkt ihn euch oder vergesst ihn – hier ist meine Auswahl für die nächste Minute Lektüre.
*) Manchmal verrate ich den Anlass und öfter nicht.
Rudolph Heinrich Genée (er selbst nannte sich Rudolph Genée, ab ca. 1910 fast ausschließlich öffentlich als Rudolf Genée bezeichnet, Pseudonym: P.P. Hamlet, * 12. Dezember 1824 in Berlin; † 19. Januar 1914 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Theaterhistoriker und Rezitator. Mehr davon hier.
Oh Zeus!
Oh Zeus! ich wollte, ich wäre dein Blitz!
Du solltest nicht lange mich halten!
Ich wollte vertreiben der Dummheit Nacht
Mit meinen Flammengestalten.
Oh Zeus! ich wollte, ich wäre dein Blitz!
Trotz alten und neuen Göttern, –
Wie wollt' ich die ganze Lügnerbrut
Mit einem Schlag zerschmettern!
Oh Zeus! ich wollte, ich wäre dein Blitz!
Ich würde den Weg schon finden,
Zu heller, lodernder Liebesglut
Ein kaltes Herz zu entzünden!
Aus: Große und kleine Welt. Gedichte von Rudolph Genée. Leipzig: Heinrich Hübner, 1861, unpaginiert (S. 21)
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