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Veröffentlicht am 24. Januar 2026 von lyrikzeitung
125 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Johann Lippet
(* 12. Januar 1951 in Wels, Österreich)
Vorkommnisse (8)
Gestern, als ich vor dem Schlafengehen, kurz vor Mitternacht,
noch einmal in mein Arbeitszimmer ging, um nachzuschlagen,
ich kriegte Eichendorffs Mondnacht nicht mehr auf die Reihe,
als flöge sie nach Haus oder als fliege sie nach Haus,
war ich mir nicht mehr sicher, stieg mir jener Geruch
in die Nase, der noch tagelang zu Hause in dem Zimmer
in der Luft lag, in dem Vater aufgebahrt gewesen war,
45 Jahre ist das her.
An Geister glaubte ich nicht, feite mich aber gegen Alpträume:
sagte mir im Bett in Gedanken so oft Mondnacht auf,
bis ich hinüberdämmerte, flog nach Haus.
Aus: Aus Mangel an Beweisen. Deutsche Lyrik 2008-2018. Hgg. v. Michael Braun und Hans Thill. Heidelberg: Das Wunderhorn, 2018, S. 36
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Aus Mangel an Beweisen, Erinnerung Lyrik, Gedicht Schlaf, Gegenwartslyrik, Johann Lippet, Johann Lippet Gedicht, Mondnacht, Mondnacht Eichendorff, Trauergedicht Vater, Vorkommnisse 8, Wunderhorn Verlag
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