Hannah Arendt’s Gedichte

Unter diesem etwas irreführenden Titel samt Apostroph erschien etwa 2015 ein schmaler Band mit der Verlagsangabe roughradio.com (also einem der Engeler-Verlage). Der Band der Herausgeberinnen Barbara Hahn und Marie Luise Knott hieß im Untertitel „Eine Auswahl“, aber er ist keine Auswahl aus dem 71 Gedichte umfassenden lyrischen Werk der großen Philosophin, das ebenfalls 2015 bei Piper erschien. Vielmehr ist es eine Auswahl der Gedichte, mit denen sie im Leben und Werk nahen Umgang hatte. Ohne diesen Umstand näher zu erklären, haben die Herausgeberinnen zwei kurze Gedichte, insgesamt 22 Zeilen, von der Philosophin selbst eingeschmuggelt, der Rest sind ihre (Lieblings-)Gedichte in deutscher und englischer Sprache, von Heine, Goethe, Rilke, Morgenstern, Brecht, Brecht, Blake, Dickinson etc. Das Nachwort endet mit diesen Sätzen:

In einem ihrer frühesten Texte, den sie zusammen mit Günther Stern verfaßte, reflektierte sie 1929 mit Rainer Maria Rilkes Duineser Elegien über die „Echolosigkeit des modernen Menschen“. Mit Versen von Sophokles beschließt sie ihren Essay Über die Revolution; mit Shakespeare und Auden endet der erste Band Vom Leben des Geistes. Die vorliegende kleine Sammlung bietet einen Ausschnitt aus dieser „gemeinsamen Gegenwart“ (Char), die mit jedem Hören und Lesen eines Gedichtes neu beginnt.

Hier das Gedicht des Tages.

Hannah Arendt 

(geboren am 14. Oktober 1906 in Linden, heute Hannover; gestorben am 4. Dezember 1975 in New York City)

Bin nur Eines 
Von den Dingen,
Den geringen,
Das gelang
Aus Überschwang.

Schliesse mich in Deine Hände,
Daß sie schwingend
Überschwingen
Ins Gelingen,
Wenn Dir bang ist.

Hannah Arendt’s Gedichte. Eine Auswahl, hrsg. v. Barbara Hahn u. Marie Luise Knott. O.O., o.J. (2015): roughradio.com, S. 41

Hannah Arendt: »Ich selbst, auch ich tanze«. Piper, München 2015

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