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Veröffentlicht am 17. Dezember 2025 von lyrikzeitung
109 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Christoph Meckel
(* 12. Juni 1935 in Berlin; † 29. Januar 2020 in Freiburg im Breisgau)
Ballade
Ich rufe eine schwarze Sonne, schrie
der Hahn im weißen Dampf auf schwarzem Mist.
Geschrei verscheuchte Schlummer aller Höfe.
Die Schwalben stoben in den kalten Regen
der Maulwurf tappte blind durch nasse Blumen
und Ochsen stampften brummend aus den Ställen.
Und Mägde rannten barfuß in die Wälder
und Knechte ritten fort auf alten Gäulen –
der Bauer weinte wild: ach Hahn, mein Hähnchen!
Da hinter siebenfachem Regen stieg
die Sonne schwarz und schnell, stand ohne Laut,
und krachte finster auf die Ebenen nieder.
Aus: Neue deutsche Erzählgedichte. Gesammelt von Heinz Piontek. Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1964. – Neuausgabe München: Schneekluth, 1980, S. 325
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: apokalyptische Lyrik, Ballade Christoph Meckel, Ballade Gedicht, Christoph Meckel, dörfliche Apokalypse, deutsche Nachkriegslyrik, Deutsche Verlags-Anstalt, Erzählgedicht, Gedicht des Tages, Heinz Piontek, Lyrik der 1960er Jahre, Lyrikzeitung, Neue deutsche Erzählgedichte, Schneekluth, schwarze Sonne
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