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Veröffentlicht am 16. Juni 2025 von lyrikzeitung
Andreas Koziol
(* 8. Januar 1957 in Suhl; † 16. Mai 2023 in Berlin)
Feind genug
Bin schon lang im Land und laß mich leben
War mir Feind genug – rang mit mir selbst
War mal über mir und mal mir unterlegen
Dann bezwang ich mich – hab mich ergeben
Fehlte grade noch daß du mich überfällst
Du triffst mich oft und findest mich daneben
– Ich hab mich überlebt und bleib verschont
Dann steh ich wieder auf und kämpf dagegen
Mein Schatten gibt sich kühl und überlegen
Er kennt ja auch die Welt die nach mir kommt
Kennst du das Land in dem die Toten leben
Dort hab ich seinerzeit möbliert gewohnt
Sie hatten dort die besten Bibliotheken
Und alle Schatten wollten was bewegen
Sogar die Macht war dort hinter dem Mond
Vorm Fenster und seit Stunden fällt ein Regen
Ich seh es, denk: er fällt – drum kommt er an
So käme ich nie an – ich schließ die Läden
Du kommst – das ist ein Grund sich zu erheben
Wir werden eins wie einst bevor der Krieg begann
Aus: Andreas Koziol: Menschenkunde. Gedichte. Hrsg. von Lutz Seiler in Zusammenarbeit mit Henryk Gericke. Berlin: Kookbooks, 2024, S. 25
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Andreas Koziol
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