Friedemann Berger (1940-2009)

Heute vor 85 Jahren wurde Friedemann Berger in der Stadt Schroda geboren, die polnisch war, preußisch wurde, dann wieder polnisch, zur Zeit seiner Geburt wieder deutsch war und 1945 wieder polnisch wurde. Der polnische Name heißt Środa, heute mit dem Zusatz Wielkopolska. Środa ist das polnische Wort für Mittwoch.

Ich habe für den Anlass ein Gedicht aus seinem ersten Lyrikband ausgesucht, der 1973 im Union Verlag erschien und den ich mir als Student gekauft habe. Berger hatte in Naumburg und Berlin Theologie und Germanistik studiert. Dem Buch ist ein Gespräch beigefügt, das Gerhard Wolf mit dem Autor führte. Es gibt darin Anstreichungen von der Hand meines damaligen Ichs. Wolf sprach mit Berger nicht über den „Stoff“ der Gedichte (auf dem der Schulunterricht und teilweise auch die Universität herumritten), sondern über die Struktur, es kamen Worte vor wie Wortreim und Wort-Refrain. Vielleicht erklärt das auch, warum ich dieses Gedicht ausgesucht habe (ich kenne auch die beiden anderen Gedichtbände Bergers von 1987 und 2000).

Friedemann Berger 

(* 13. April 1940 in Schroda; † 14. April 2009 in Leipzig)

WORT.
Wort, das
ich nicht hab.
Schotterwort.
Steinwort, mit den
Buchstaben vor A.

Ich steh.
Steh gegen den
Wind, gegen –.
Schotterwort,
Steinwort, ich
steh. Ich steh mit
den fragenden
Händen.

Nur
Geruch deines
Haars, dessen
Namen ich
suche.

Aus: Friedemann Berger, OrtsZeichen. Berlin: Union Verlag, 1973, S. 45

Ich habe ChatGPT gefragt: Kannst du das Gedicht „Wort“ von Friedemann Berger beschreiben? (Und natürlich den Text eingegeben.) Die Antwort:

Klar! Das Gedicht „WORT.“ von Friedemann Berger wirkt sehr reduziert, beinahe fragmentarisch, aber gerade dadurch intensiv und vielschichtig. Hier ein Versuch einer Beschreibung:

Form und Stil:

Das Gedicht ist sehr knapp, elliptisch, fast tastend formuliert. Es nutzt Wiederholungen („Ich steh.“) und kurze, abgehackte Sätze, was eine Art sprachliches Stocken oder Ringen mit dem Ausdruck vermittelt. Der Punkt im Titel „WORT.“ signalisiert vielleicht schon, dass es sich hier nicht nur um Sprache, sondern um ein blockiertes, schwer greifbares oder nicht vorhandenes Wort handelt.

Bildsprache und Bedeutung:

„Schotterwort“ / „Steinwort“: Diese Wortneuschöpfungen lassen Sprache schwer, brüchig, widerständig erscheinen. Ein „Schotterwort“ ist kein fließendes, weiches Wort, sondern kantig und hart – wie etwas, das nicht kommunizieren, sondern eher stören oder verletzen kann.

„mit den Buchstaben vor A“: Ein paradoxes Bild – es gibt keine Buchstaben vor A, es ist der Anfang des Alphabets. Das könnte für Sprachlosigkeit stehen, für einen Ausdruck, der noch vor der Sprache liegt – das Unaussprechliche.

„Ich steh.“ – „gegen den Wind“ – „mit den fragenden Händen“: Diese Verse erzeugen das Bild einer Person, die trotz Widerstand standhält, aber innerlich suchend ist. Das „Stehen“ wird zum Ausdruck von Starrheit oder Festhalten, aber auch von Trotz oder Verlorenheit.

„Geruch deines Haars, dessen Namen ich suche.“ – Am Ende wird das Gedicht zarter, sinnlicher: Es gibt ein Gegenüber, eine Erinnerung, vielleicht eine geliebte Person. Der Geruch ist präsent, aber der „Name“ fehlt – als würde das Ich versuchen, etwas Vergangenes oder Verlorenes in Sprache zu fassen, aber daran scheitern.

Themen:

• Sprachlosigkeit und das Ringen um Ausdruck

• Verlust, Erinnerung, Sehnsucht

• Die Materialität von Sprache (Worte als „Stein“, als „Schotter“)

• Existenz im Widerstand: stehen „gegen den Wind“, mit „fragenden Händen“

Gesamteindruck:

Ein intensives, reduziertes Gedicht, das um Sprachlosigkeit kreist – nicht als Leere, sondern als Widerstand, als etwas Schweres, das zwischen dem Ich und dem Du steht. Die Sprache wird selbst zum Thema: ihre Unzulänglichkeit, ihre Härte, ihr tastendes Suchen nach Nähe und Sinn.

Bis hierhin also KI. Gar nicht mal schlecht. Hätte ich statt „beschreiben“ nach „interpretieren“ gefragt, hätte ich vermutlich eine andere Antwort bekommen. ChatGPT bot es mir am Ende an:

Möchtest du eine poetischere Umschreibung, eine Analyse in einem bestimmten Stil oder Zusammenhang (z. B. Liebeslyrik, Sprachkritik, etc.)?

Ich verstehe, dass Lehrer damit massive Probleme haben. Aber vielleicht könnten sie diese Möglichkeiten sogar nutzen (und die Leser auch): um genauer hinsehen zu lernen? KI als Lesetrainer.

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