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Veröffentlicht am 8. März 2025 von lyrikzeitung
Marie T. Martin
(* 16. April 1982 in Freiburg im Breisgau; † 2. November 2021 ebenda)
Märchen
Blut, das austritt nach einem Schnitt,
dein Mantel, wenn du König spielst
obwohl du ein Mädchen bist, lenkst
du eine Expedition über den Äquator
Läuse quetschen bis sie Farbe geben,
wie der Löwenzahn Milch gibt, die du
nicht trinken darfst. Wer aus mir trinkt
wird ein Reh, wer aus mir trinkt wird
ein See, eine alte Spule in einem Schrank.
Zack Bumm, jede Explosion frisst Familien
bis sie Asche werden, um die Ecke ist ein
Haus abgebrannt. Grundmauern sichern
kein Kind, weißt du. Aber was kannst du
machen, dass Geschwister unverletzbar sind?
Aus: Marie T. Martin: Der Winter dauerte 24 Jahre. Werke und Nachlass. Hrsg. Hanna Lemke und Andreas Heidtmann. Illustrationen: Franziska Neubert. Nachwort: Norbert Hummelt. Leipzig: Poetenladen, 2024, S. 266
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Marie T. Martin
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