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Veröffentlicht am 13. Januar 2025 von lyrikzeitung
Uwe Kolbe
(* 17. Oktober 1957 in Ost-Berlin)
Das lyrische Ich
Ein Mann, eine Frau, vor einhundert Jahren,
sie setzten das lyrische Ich in die Welt, ich gebe es
einhundert Jahre später zurück. Bewiesen ist nichts,
nur kenne ich meinen Traum, in dem einer der Gefahr
entrinnt durch den brüllenden trockenen Tunnel.
Das tosende Wasser umhüllt mich und schleudert
ins Licht meinen selbstverständlich jüngeren Körper.
Zu schwimmen ist sinnlos, ich werde emporgerissen
ins offene Licht des Himmels, das ist die Wahrheit.
So wahr mir das Wasser hilft, gelange ich in Helle,
gerettet, aber wen rettet das da, das bin doch ich?
Mein Traum ist es, immer geträumt, wenn plötzlich
Apollo wieder zur Sprachjagd aufruft, und die Musen
loslässt, Kuratorinnen-Pack über den feuchten Klee.
Im Traum bin ich erlöst, der tosende Strudel nimmt
mich auf wie der Malstrom die ganze Welt nähme,
die auf der anderen Seite auch eine andere wäre.
Aus: Park. Zeitschrift für neue Literatur. Heft 75, November 2023, S. 27
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Uwe Kolbe
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