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Veröffentlicht am 28. Dezember 2024 von lyrikzeitung
2024 erschien das 145. Heft der Zeitschrift „Literaturbote“. Es ist dicker als sonst, stolze 160 Seiten Lyrik und Prosa, zusammengestellt von „Gastherausgeberin“ Beate Tröger. Eine schöne Anthologie – und leider auch der Schwanengesang der Zeitschrift, die damit ihr Erscheinen einstellt. Viele starke, spannende Texte darin, es fällt mir schwer, einen einzigen als repräsentativ auszuwählen. Vielleicht werde ich mehrere auswählen? Heute als Leseprobe (sichern Sie sich ihr Exemplar bei einer guten Buchhandlung oder beim Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V.) ein Gedicht von Irina Bondas, die ich bisher nur als Übersetzerin kannte.
Irina Bondas
(geboren 1985 in Kyjiw, lebt in Berlin)
Aus AHNEN
[in Arbeit]
Wenn die Seele in die namenlose Stadt kommt, da ruht sie aus.
Meister Eckhart
diese Anhäufung Erde
aufgebrochen aus seltener Unscheinbarkeit
könnte alles Mögliche sein
wenn Du so willst
geöffneter Feldrücken
Schädel, Knochen, Kadaver
wesende Wurzeln, taubes Gestein
und es bleibt mir, Dir zu vergeben
Dein irrlichterndes Fehlen
Deinen anmaßenden Appetit
die sture Beschwörung
Dein Allein, zeitlos
das Woanders Gewalt
Dein Recht ohne Recht
Deinen anhaltenden Tod
diese schlampige Liebe für nahezu Menschliches
wer, wenn nicht ich
Aus: Literaturbote 145, September 2024. Gastherausgeberin Beate Tröger. Frankfurt/Main: Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V., S. 106
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Beate Tröger, Irina Bondas, Literaturbote
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