4 Beine, 2 Worte, viele Rätsel

Rätsel, Geheimnis, wohl auch Unverständliches bis hin zum Unsinn gehören zum Gedicht. Umso mehr, je weiter wir uns in Zeit oder/und Raum entfernen. Hier ein koreanisches Gedicht aus dem Jahr 879. Ob Ch’õyong ein Autor ist, eine dichterische Erfindung oder eine mythische oder historische Figur? Aus den spärlichen Quellen, die mir zur Verfügung stehen, kann ich es nicht herausfinden. Wikipedia und Google helfen auch nicht. Die deutsche Quelle scheint ihn als Autor aufzufassen und enthält bei den ältesten Texten offenbar zeitgenössische oder historische Prosaeinleitungen. Vergleich der deutschen mit der englischen Fassung offenbart besonders am Schluss beträchtliche Unterschiede. Auch Googles Übersetzungswerkzeug hilft da nicht weiter (das kuriose Ergebnis ganz unten).

CH’ÕYONG

LIED

Ch’õyong, der Sohn des Drachenkönigs, heiratete eine schöne Frau. Ein böser Geist sah, wie außergewöhnlich schön sie war, verwandelte sich in einen Mann und fiel sie in ihrem Zimmer an, als Ch’õyong nicht da war. Doch als er zurückkehrte und sah, was geschehen war, sang er tanzend dieses Lied, das den bösen Geist verscheuchte


In der mondbeglänzten Stadt
saß ich nachts beim Weine,
komme heim und finde glatt
hier im Bett vier Beine.

Zwei sind mein, die andern zwei
– wem gehören die?
Zwei sind mein? Die andern zwei
haben sie geraubt!

Aus: Kranich am Meer. Koreanische Gedichte. Hrsg. von Peter H. Lee. München: Heyne, 1987 (zuvor Hanser 1959), S. 17. „Die Gedichte dieses Bandes wurden auf Grund der Übertragungen des Herausgebers und in Zusammenarbeit mit ihm von FRANZ WILHELM HUBER und ALBERT VON SCHIRNDING in die vorliegende Form gebracht.“

Interpretation of these short poems is not an easy task. Mysteries abound, and much remains undeciphered. As a representative hyangga, let us look at the “Song of Ch’õyong” (訽虉竜), which is reproduced below.

The Song of Ch’õyong

In the bright moon of the capital
I enjoyed the night until late
When I came back and looked in my bed
There were four legs in it.
Two are mine,
But the other two—Whose are they?
Once upon a time what was mine;
What shall be done, now these are taken?

Die englische Fassung ist von David McCann 1997. Aus: The Korean Language. Iksop Lee and S. Robert Ramsey. State University of New York Press, 2000, S. 49

Google-„Übersetzung“:

One Comment on “4 Beine, 2 Worte, viele Rätsel

  1. “Song of Ch’õyong” (証虈竛) in der englischen Quelle, das sind ganz andere Schriftzeichen. „As a representative hyangga, let us look at the “Song of Ch’õyong” (証虈竛), which is reproduced below.“ Jedenfalls sehr interessant, wie Koreanisch damals geschrieben wurde.

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