Fühllos auf Fühllosem

Klavki

(geboren als Oliver Eufinger am 4. Oktober 1972, gestorben ebenda am 4. April 2009)

„Kunst ist ein Irrtum!“
Heiner Müller


Scherben

Herzstück. Glücksgott. Froschkönig ...
JEDER STEIN hat Atem zu schreien.
Also grab deinen Speichel zurück in deine faulenden Zähne.
Eiter dringt schon aus deiner Wunde, deinem Maul, stinkend,
gesalbt mit Galle, kotmäulig.
Schluck deinen Hass, kaue ihn lange in den Winkeln deines Körpers.
Spuck aus dein Mitgefühl.
Mäste dich mit deinem Grab Auflehnung.
Reiß die Brüste von deiner Mutter – Klumpen, mit schwarzem
Blut, das du einst gierig gesoffen hast.
Oder willst du geduldig warten auf unser vergehendes Fleisch,
auf unseren vieljährigen Tod? Unser Vorsprung in den Staub ist
nur knapp.
Nur drei Wörter länger ist dein Leben.
Setz deinen Fuß auf unseren Nacken.
Wonne des zu Recht Getretenen.
Noch ein Fußtritt – und jeder Faustschlag ist Berührung.
Fühllos auf Fühllosem.
Lass sie wachsen: deine Gleichgültigkeit – gegen uns.
Gegen Das da.
Fühllos ...

Aus: Klavki, Delirium. Lyrik. 2. Auflage, 2012

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