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Veröffentlicht am 5. August 2024 von lyrikzeitung
Rudolf Hagelstange
(* 14. Januar 1912 in Nordhausen; † 5. August 1984, heute vor 40 Jahren, in Hanau)
DENN Furcht beherrscht seit langem eure Tage,
Furcht vor der Wahrheit. Eure Züge
sind fahl von Heuchelei und Lüge.
So wie das Zünglein an der Waage
den Gleichstand liebt, so sucht ihr zu verbergen,
was euch bewegt. Ihr braucht die Nächte,
um wieder ihr zu sein: Verächter, Knechte,
Liebhaber, Günstlinge, Verschwörer, Schergen.
Ihr habt die Scham verraten, um in ihrem Kleide
das Licht zu täuschen, das die Wahrheit liebt,
auf daß es gleichfalls eure Wege meide.
Ihr habt verwirkt, einander Recht zu sprechen.
Ihr ludet schreckliches Verbrechen
auf euch. Ihr habt den Quell getrübt.
Aus: Rudolf Hagelstange: Venezianisches Credo. Leipzig: Insel, 1946 (11.-20. Tsd.), S. 15
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Rudolf Hagelstange
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