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Gertrudis Gómez de Avellaneda
(* 23. März 1814 in Camagüey [vormals Santa María del Puerto del Príncipe], Kuba; † 1. Februar 1873 in Madrid)
Die Rache Anrufung der Nachtgeister Ihr stummen Söhne der düsteren Nacht! Ihr Geister, die ihr das Entsetzen liebt, die ihr verborgenen Racheplan nährt, und frevelhafte Liebe unterstützt! Ihr Wesen, schweigend in tückischer Lauer, die ihr den Hass beschützt und den Verrat, die ihr vertreibt das bekümmerte Zögern der lauen Angst und dummen Mitgefühls; die ihr in finsteren, einsamen Wäldern, dem Räuber überreicht den flinken Dolch und rasch erstickt das vergebliche Wimmern, des Opfers, das dem Todesstoß erlag! Ihr Untertanen des Frevels, ihr Diener des Fehltritts, Herbei! Herbei! Fliegt los! Fliegt los! Ersehnten Jubels schlug endlich die Stunde, es öffnete die Ewigkeit ihr Tor. Verlasst die Höhlen des billigen Rausches wo ihr nur schäbige Gedanken weckt, und sanft lasst schlafen die unschuldge Jungfrau, verstört sie nicht mit eurem düstren Bild, bedrängt die Nachtwache nicht des Asketen, gebt finster nicht der frevelhaften Gattin den Traum ein, dass in ein brodelndes Blutmeer das eheliche Lager sich verwandelt; führt nicht vor Augen unredlichen Richtern der ungesühnten Opfer düstre Schar; noch feistem Wuch’rer das todbleiche Elend, das schrecklich fluchend ihn verdammt. Würdig’res Ziel und besondre Genüsse bereit ich euch, ihr Geister ohne Licht! Momente sind’s ganz nach eurem Verlangen, die diese Nacht in ihrem Mantel birgt. Ihr Thron erhebt sich von Ebenholz glänzend, die Winde schlafen ihr zu Füßen ein, ihr Frieden, tief wie der Frieden des Sarges, ist Abgrund: kalt und gänzlich ohne Laut. Die Sterne seht, wie ihr Reich sie verlassen, den Mond, wie er sein Himmelbett verdeckt, der blaue Schleier des höchsten Gewölbes, um treu euch Schutz zu geben, schwarz sich färbt. Das Echo schläft in den halbhohlen Heimen; im Schatten schläft der leichte Zephir sanft ... Mein Hass nur wacht und betrachtet verwundert die Friedlichkeit, ihm völlig unbekannt. Kein Murmeln wird in der grabgleichen Stille enthüllen können das Geheimnis, schwarz ... Nur euch, ihr Geister des großen Mysteriums beglückwünscht jetzt die stumme Stimme schon. Kommt her! Kommt her, denn mit Groll überladen spür’ diese Stirn ich, die ihr glühen seht, die Lorbeer sucht, der mit Tränen benetzt ist, damit ihr herbes Leiden sanfter wird! Kommt her! Kommt her, ihr unzähmbaren Geister! Erfüllt mit Grauen, Trauer diesen Ort! ... Kommt her, bewegt mit Bedacht eure Schwingen, entflammt damit noch mehr mein Herz, kommt her! Kommt her! Kommt her! Vom barbarischen Feinde erhoff ich bald zu trinken reichlich Galle ... Nie wachen mehr meine schlaflosen Lider, wenn seine ihm mein grimmes Toben zudrückt. Gebt meinen Lippen, die gierig sich regen, sein dampfend Blut ohn Unterlass – los, eilt! Mag es verschlingen, in Sturzbächen trinken mein nie gestillter, inniglicher Durst! Lasst meine Zähne mit knirschendem Knacken sein untreu Herz in tausend Stücke spalten, ich schlafe dann wie auf prächtigem Brautbett auf seiner Haut, die warm noch ist und blutig. Wenn ich so liebliche Bilder beschreibe, spür ich mein Herz vor Wonne lauter schlagen ... Geister des Grauens, nicht zaghaft erweist euch und bringt vergeblich nicht mein Blut in Wallung! Wenn aus den dürren, den einsamen Feldern ein überreiches Fest ihr wollt gewinnen, gebt mir, so gebt, seine wehrlosen Glieder, daran soll sich mein Hunger endlich stillen. Ihr Untertanen des Frevels, ihr Diener des Fehltritts, Herbei! Herbei! Fliegt los! Fliegt los! Ersehnten Jubels schlug endlich die Stunde, es öffnete die Ewigkeit ihr Tor.
Aus dem Spanischen von Àxel Sanjosé
La venganza Invocación a los espíritus de la noche ¡Callados hijos de la noche lóbrega! ¡Espíritus amantes del pavor, que la venganza alimentáis recóndita, y esfuerzo dais al criminal amor! ¡Númenes mudos de asechanzas pérfidas, protectores del odio y la traición, que disipáis vacilaciones tétricas de flojo miedo y necia compasión; los que en las selvas solitarias, lúgubres, dais al bandido el rápido puñal y los gemidos sofocáis inútiles del que a su golpe sucumbió mortal! ¡Ministros del error, del crimen súbditos! ¡Atender! ¡Atender! ¡Volad! ¡Volad! Que ya la hora sonó de ansiado júbilo, y sus puertas abrió la eternidad. Dejad los antros de la inmunda crápula, do prodigáis mezquina inspiración; y el blando sueño de la virgen cándida no perturbéis con lóbrega visión, ni atormentéis vigilias del ascético; ni adustos con la esposa criminal, la hagáis soñar que se convierte en piélago de hirviente sangre el tálamo nupcial; ni a inicuos jueces la inultas víctimas reproduzcáis en lúgubre escuadrón; ni al vil logrero la indigencia lívida, lanzando en él terrible maldición. ¡Más digno fin, placeres más insólitos hoy os preparo, espíritus sin luz! Momentos son a vuestras ansias prósperos los que esta noche envuelve en su capuz. Su torno se alza esplendoroso de ébano y los vientos se duermen a sus pies y su honda paz, como la paz del féretro, profunda, fría y sin sonido es. Ved las estrellas de su imperio prófugas; ved cual cubre la luna su dosel, y el manto azul de la celeste bóveda negro se vuelve, en protegeros fiel. El eco duerme en sus asilos cóncavos; duerme en la sombra el céfiro fugaz... Mi odio tan solo vela, y mira atónito la para él desconocida paz. Ningún rumor en el silencio fúnebre el negro arcano revelar podrá... ¡Solo a vosotros, del misterio númenes, la muda voz os felicita ya! ¡Venid! ¡Venid, que de rencores grávida siento esta frente que miráis arder, y un lauro pide que refresquen lágrimas para templar su acerbo padecer! ¡Venid! ¡Venid, espíritus indómitos! ¡De horror y duelo este recinto henchid!... Venid, las alas sacudiendo próvidos, a enardecer mi corazón, ¡venid! ¡Venid! ¡Venid! Del enemigo bárbaro beber anhelo la abundante hiel... ¡No más insomnes velarán mis párpados si a él se los cierra mi furor cruel! ¡Dadle a mis labios, que se agitan ávidos, sangre humeante sin cesar, corred! ¡Trague, devore sus raudales rápidos, jamás saciada mi ferviente sed! ¡Hagan mis dientes con crujidos ásperos pedazos mil su corazón infiel, y dormiré, cual en suntuoso tálamo, en su caliente, ensangrentada piel! Al retratar tan plácidas imágenes, siento de gozo el corazón latir... ¡Espíritus de horror, no pusilánimes dejéis mi sangre inútilmente hervir! Si de estos campos solitarios, áridos, queréis tener magnífico festín, dadme sus miembros, dádmelos escuálidos, y en ellos mi hambre se apaciente al fin. ¡Ministros del error, del crimen súbditos! ¡Atended! ¡Atended! ¡Volad! ¡Volad! ¡Que ya la hora sonó de ansiado júbilo, y sus puertas abrió la eternidad!
Aus: Spanische und hispanoamerikanische Lyrik. Bd. 2: Von Luis de Góngora bis Rosalía de Castro. Hrsg. v. Martin von Koppenfels und Johanna Schumm. München: C.H. Beck, 2022, S. 420ff.
gertrudis gómez de avellaneda war eine große dichterin, zu lebzeiten durchaus auch von männlichen kollegen anerkannt, später von der patriarchalen literaturgeschichtsschreibung in die vergessenheit geschoben (was besonders krass ist, wenn man sie mit den vielen blassen, konventionellen romantischen lyrikern ihrer zeit vergleicht, wobei ich espronceda und bécquer ausdrücklich ausnehme). nicht nur dieses gedicht, das formal kühn alle ungeraden zeilen mit »esdrújulas« (auf der vorvorletztensilbe betonten Wörter, die im sp. viel seltener sind) enden lässt (ich konnte es in der übersetzung nur durch daktylenhäufung anklingen lassen) und unerhörte gewaltphantasien mitten im verklemmten 19. jahrhundert ungehemmt zum ausdruck bringt, zeugt von ihrer poetischen innovationskraft und können.
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Was für eine poetische Kraft… im vergangenen Cuba entdeckt ….
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