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Veröffentlicht am 17. Januar 2019 von lyrikzeitung
Emmy Hennings
(Emma Maria Ball-Hennings, * 17. Januar 1885 in Flensburg; † 10. August 1948 in Sorengo bei Lugano)
AUFHÄNGEN
Ein Mann hängt sich auf und beobachtet sich.
Er spielt mit seinen Beinen.
Er möcht um seine Dummheit weinen.
Obgleich das Leben von ihm wich.
Er möchte doch so gern versuchen,
Karriere machen und auch Geld.
Und Streifenhosen, Haar gewellt.
Zu spät ist alles. Er muß fluchen.
Der Strick ist auch nicht eingeseift.
Herr Wedekind verlangts ja nicht.
Im Nebenzimmer brennt noch Licht.
Er ist nicht für die Tat gereift.
Und dies bemerkt er noch mit Schrecken,
Da fliegt vorbei die Kinderzeit.
Dann wirds auf einmal süß und weit –
O Annelies! O langes Strecken!
Aus: Emmy Hennings: Frühe Texte. Hrsg. Bernhard Merkelbach. 2. erw. Aufl. Siegen 1985 (Vergessene Autoren der Moderne II), S. 11
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Emmy Ball-Hennings
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