Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 29. Juni 2018 von lyrikzeitung
Niki Chalkiadaki
Familienuntergang
Verben sind verloren gegangen in diesem Haus, seltene Verben,
die küssten uns einst auf die Stirn, und brachten uns ins Bett.
Sie sind nicht mehr hinter dem Sofa, in den Schubladen, im Kleiderschrank;
sieh, wenn Mama sie findet beim Auflesen der Tränen,
faltet sie sie, setzt sie in kurzgefasste Tempora.
Wir umarmen einander als gehörten wir unserer Vergangenheit.
Der Vater ist allein im schwarzen Wasser geschwommen
und gelangte ans andere Ufer; er wartet auf uns,
die wir unseren Trauerflor am Arm trugen wie Männer,
die wir auf unseren Schultern das Mahagoni getragen haben und das Kirschholz.
Du musst nicht weinen, Mama. Für dich lasse ich mein Haar lang wachsen.
Aus: Wo man spazieren gehen kann und es Orangenbäume gibt. Neue Lyrik aus Griechenland ausgewählt und übersetzt von Jorgos Kartakis und Dirk Uwe Hansen. Leipzig: Reinecke & Voss, 2018, S. 23
Kategorie: Griechenland, GriechischSchlagworte: Dirk Uwe Hansen, Jorgos Kartakis, Niki Chalkiadaki
Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Ja, von dieser Niki Chalkiadaki möchte man noch mehr lesen. Die Originalität dieser Dichterin scheint durch die Übersetzung hindurch.
LikeLike
in dem Buch sind sieben Gedichte von ihr enthalten. eins davon auch im griechischen Original
LikeLike
wow. starkes gedicht! danke fürs posten. ein gutes wochenende dir.
LikeLike