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Veröffentlicht am 18. Januar 2018 von lyrikzeitung
Heute ein Gedicht ohne Anlaß. Oder drei Spruchweisheiten unter einer Überschrift. Paul Heyse war der erste Deutsche, der den Literaturnobelpreis erhielt. Trotzdem oder deshalb liest ihn keiner mehr.
Philosophie
Wenn sich die Sprüche widersprechen,
Ist’s eine Tugend und kein Verbrechen.
Du lernst nur wieder von Blatt zu Blat
Daß jedes Ding zwei Seiten hat.
Nachdenken doch immer Mühe macht,
Wie gut man euch auch vorgedacht.
Vor deine Dialektik stellt
Sich wie im Stereoskop die Welt
Zwiefach geteilten Scheines.
Doch hast du wahren Tiefsinns Kraft,
So schaue, was auseinanderklafft,
Lebendig wieder in eines.
Okay, noch ein Spruch unter der Überschrift Senilia:
Altwerden ist keine leichte Kunst.
Frauen und Dichter müssen sie lernen,
Wenn kühl die Jungen sich entfernen,
Die einst gebuhlt um ihre Gunst.
Dann gilt’s erst, liebenswert zu bleiben,
Auch wenn du selbst nicht mehr beliebt
Und keiner sich mehr die Mühe gibt,
Dir einen Liebesbrief zu schreiben.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: L&Poe-Anthologie, Paul Heyse
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