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Veröffentlicht am 3. Dezember 2015 von lyrikzeitung
da kommt Robert Gernhardt und bespricht die Anthologie „Lyrik von jetzt drei“:
Es dominieren die freien Rhythmen, teilweise im freien Fall. Auch auf semantischer Ebene erinnert mancher Metaphernsalat weniger an Gedichte als an poetisches Packpapier, frei nach dem schönen Satz von mir: Morgens um zehn habe ich schon drei Celans geschrieben, aber noch keinen einzigen Brecht.
Auch sonst nur Gutes:
Die Überraschung von „Lyrik von Jetzt 3“ ist, dass ausgerechnet aus den Reihen der Novizen ohne lange Publikationsliste die interessantesten Beiträge kommen. Frieda Paris‘ kleine Serie über die Klosterschule Wald beispielsweise gehört zu den gelungensten Versen des Buches:
fünf Jahre verbracht in einem Schutz-
Gebiet dem alles Wilde ausgetrieben
bis auf ein paar jungen Rehen das Ora et Labora
eingebläut der Traum: diesen Hort verlassen
bleibt unausgepackt im Koffer
A wie Ausbildung und Abitur
vom Ortsabgang an kannten die Mädchen
nichts als Falten:
Rock-, Stirn-, Tischdecken-, Hände-
Max Czollek, Michael Fehr, Robert Prosser (Hg.): Lyrik von Jetzt 3 / Babelsprech,
Wallstein Verlag, Göttingen 2015, 360 Seiten, 19,90 Euro
Weitere Stimmen:
„Lyrik von Jetzt“, die dritte Staffel: Eine Anthologie überwindet die letzten Grenzen des Gedichts. Tom Schulz in Die Welt
Kategorie: DeutschSchlagworte: Anthologien, Frieda Paris, Lyrik von Jetzt, Robert Gernhardt
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Ich denke auch nicht, dass man morgens drei Celans schreiben kann. Drei Pseudo-Celans vielleicht. So ein Pauschal-Urteil disqualifiziert einen Rezensenten für mich erstmal bzw. ist tatsächlich ein Indiz für oberflächliche Lektüre.
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Wie in anderen Gedicht-Anthologien gibt es auch in „Lyrik von jetzt 3 – Babelsprech“ ein Gefälle. Nicht jeder Beitrag verleitet dazu, seinen Verfasser als eine wichtigste Stimme der jungen deutschsprachigen Lyrik wahrzunehmen. Da gibt es wichtigere Stimmen jenseits von Babelsprech. Aber Rezensent Hatting huscht doch etwas zu oberflächlich an diesem Schaufenster der jungen Generation vorüber. Wenn man sich in die Lektüre vertieft, wird man feststellen, dass die interessantesten Beiträge nicht nur von Novizen stammen. Offenbar war der Blick von Herrn Hatting hier arg getrübt. Und überhaupt: Bei intensiver Beschäftigung mit den Gedichten hätte ihm eigentlich auffallen müssen, dass die vielstimmige Anthologie neben ein wenig „Packpapier“ zahlreiche gelungene, sprachlich innovative und auch aufregende Texte enthält. Das weniger Geglückte in den Vordergrund zu rücken, ist eine billige Methode.
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