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Veröffentlicht am 10. Juni 2015 von lyrikzeitung
… sollte man Rezensenten, die einen Text zu einer für einige unverständlichen Lektüre erklären, keinen Glauben schenken, denn sie machen mit dieser Erklärung ihr (vermeintliches) Wissen zu einem Geheimwissen und sich selbst erklären sie damit zu Gurus. / Jan Kuhlbrodt
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Jan Kuhlbrodt
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Es kann gar kein ›Wissen‹ über Texte geben: nur Wissen um die Texte herum. Sonst müsste man an die Existenz eines hermeneutischen Generalschlüssels glauben. Wer daran glaubt, hat vielleicht Wissen – aber keins über Texte. Darum sind auch die ›schwierigen‹ Texte häufig die fruchtbarsten und lohnenswertesten; weil sie unmittelbar zu verstehen geben, wie wenig man weiß …
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und vor allem ist es ein glückserfahrung, wenn angesichts eines schwierigen textes plötzlich ein groschen fällt, oder wenn es gelingt, eine bewegung nachzuvollziehen. wenn sich ein wie auch immer geartetes vertändnis einstellt. warum sollte man das jemanden vorenthalten? zuweilen stellt sich auch abscheu oder politischer ekel ein. auch dem kann man sich aussetzen. (man muss nicht, aber kann, und die entscheidung darüber sollte kein rezensent treffen, kein ministerium und keine kammer.)
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Eine tatsächlich häufig teilbare Erfahrung.
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kommentare bei facebook:
– Sehr richtig. Und es braucht diese Erklärung für den, der selber bereit ist wirklich zu lesen auch nicht. Zudem ist ein – manchmal nur zeitweiliges Nichtverstehen, das dann dazu führt, dass man einen Text weiter in Gedanken bewegt – die mögliche Eintrittskarte für ein irgendwann aufkeimendes „Aha“
– seh ich genau so. nicht daß nicht jeder froh sein kann, wenn er lehrer und freunde findet, die ihm anregungen geben. diese sind nicht gurus sondern vermittler. der guru sagt, ich, der das versteht, erkläre es euch. (oder erkläre es eben für unverständlich). wir entnehmen nur, daß wirs eben nie verstehn. der mittler ermutigt zum selberlesen.
– Genau, das Ganze ist dann kein Ego-Spiel, sondern es geht um die Sache bzw. den anderen Menschen.
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Das bedeutet in seiner Konsequenz, dass Meinungen unterschiedlich zu gewichten sind? Und der Meinung eines Rezensenten, der Unverständnis bzw. Unverständlichkeit / Nichtdurchdringbarkeit äußert, grundsätzlich zu misstrauen ist? Die mit dem Geheimwissen, die Gurus also, sind also nicht die Rezensenten, sondern die Autoren und Autorinnen?
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