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Veröffentlicht am 15. März 2012 von lyrikzeitung
Thomas Böhme
Mach mir schöne Worte!
Die Arsenale sind aufgebrochen.
Nimm dir Wörter heraus, so viele du willst!
Du, der du den Mund nicht voll kriegst
vom Bauchpinseln & von Sommersprossen!
Eigentlich, weißt du, ist Zuwendung
eine Flüstertüte. Doch Schweigen
mit Wehmut gepaart führt zur Melancholie.
Zwischen beiden ist oft nur ein Haarriß.
Ach, saumseliger Tausendsassa
mit deinen paar Habseligkeiten
eingeschneit in der Doppelhaushälfte!
Du denkst eine Sternschnuppe
die einen Purzelbaum schießt
sei schon ein Klimakiller. Kindskopf!
Jeder Einfall, dem ein Nichtsdestotrotz folgt
wird vom schönen Obschon in Zeitlupe absorbiert.
(Nach einer inoffiziellen Liste schönster Wörter)
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Thomas Böhme
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Thomas Böhme ist nach meinem unmaßgeblichen Geschmack einer der wenigen, die Lyrik noch als Dichtung verstehen und die sich so vom Ton und Rhythmus introvertierter Selbsthilfegruppenauskünfte wohltuend abheben. Er empfindet offenbar, daß Gedichte mehr sind als gehäckselte Prosa von Befindlichkeiten und keiner bramarbasierenden Aufreizungen bedürfen. Insofern wundert es mich, daß man ihn unter all dem Improvisationsvolk des Paradieses Pubertät trifft und er offenbar in Verlagen veröffentlichen muß, zu denen man neben Texten noch Geld mitzubringen hat. Ich hatte mir als junger Kerl und Rettungsschwimmer an der Ostsee mal einen Band „Temperamente. Blätter für junge Literatur“ gekauft und fand Herrn Böhme dort. Und sein „&“, das heutzutage doch jeder Anfänger inflationiert. Seither spüre ich ihn, den Böhme, hier und da auf. Wie jetzt. In der Lyrikzeitung! Wo offenbar jeder mal was „veröffentlichen“ darf. Kompliment. der Mann verdiente mehr Print.
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in einem punkt möchte ich widersprechen. thomas böhmes gedicht steht nicht hier, weil hier „jeder mal was veröffentlichen darf“, sondern weil ich es wollte. soviel hausrecht muß sein! (und geld fließt hier nicht, in keine richtung, einsendungen zwecklos)
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