8. Der weite Weg

Am meisten an diesem Buch traut man den Bildern.

[So beginnt eine Rezension zu Raoul Schrotts Übersetzung altägyptischer Gedichte; eigentlich nichts Gutes über die Texte verheißend, denkt man. Und irrt!]

Das ist ganz wunderbar. Der goldrote Fisch macht kein Hehl daraus, dass er ein phallisches Symbol ist; ebenso aber bedeutet er den Geliebten überhaupt und dazu das eigene klopfende Herz der Sprecherin. Denn hier kommt, was in der europäischen Liebesdichtung der nächsten Jahrtausende nur selten geschieht, die Frau zu Wort. Der Rhythmus ist frei, ohne je ins Haltlose zu verfallen, die Sprache schlicht und lebendig, trotz des hohen Alters des Originals einem Heutigen mühelos verständlich. Raoul Schrott, der viel Übung in diesen Dingen besitzt, hat ein Kunstwerk der Vergegenwärtigung geschaffen. …

Es mag ungewöhnlich sein, eine Rezension mit einer Bitte zu schließen. Hier sei es trotzdem getan: Herr Schrott, wenn dieses Buch, was ihm sehr zu wünschen wäre, weitere Auflagen erlebt, dann fügen Sie doch noch drei, vier Seiten hinzu, die den weiten Weg ausleuchten, der von einer Hieroglyphenkette zu spätneuhochdeutschen Versen wie diesen führt: ‚willst du jetzt etwa aufstehen und bier trinken gehen/wo ich dir meine brüste darbiete?/Sie geben dir was du brauchst: ein tag in meinem bett/macht reicher als zehntausend felder!‘ / BURKHARD MÜLLER, SZ 1.6.

DIE BLÜTE DES NACKTEN KÖRPERS. Liebesgedichte aus dem Alten Ägypten. Übertragen, kommentiert und mit einem Nachwort versehen von Raoul Schrott. Carl Hanser Verlag, München 2010. 96 Seiten, 16,90 Euro.

4 Comments on “8. Der weite Weg

  1. (solche kürzel enthalten die möglichkeit falscher identifizierung; ich darf kurz anmerken, dass meine person hier nicht in erscheinung trat.)

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  2. faszinierend, àxel, anscheinend wollte mir LIEBE nicht über die lippen.
    und, LENTZ schreibt nun wirklich keine Lyrikgedichte.

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