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Das Buch ist etwas älter, die Rezension von Carola Gruber aber frisch. Hier einige Ausschnitte:
Ein Dokument dieser anhaltenden Expansionsbewegung der Narratologie ist der von Jörg Schönert, Peter Hühn und Malte Stein vorgelegte Band Lyrik und Narratologie (2007).
Eine Grundannahme der Autoren ist, dass lyrische Texte – ähnlich wie dramatische Texte – Reduktionsformen des Erzählens sind, deren »Reduktionsgrade im Anlegen möglicher Vermittlungsebenen« variabel sind.
Die Herausgeber verzichten bei der Textauswahl auf »offensichtlich narrative Gedichte wie Balladen und Romanzen oder wie Verserzählungen« (S. 2). Ihre These lautet: Auch nicht offenkundig erzählende Gedichte, also »lyrische Texte im engeren Sinne« (S. 2), weisen strukturelle Analogien zu Prosaerzählungen auf (S. 2). Auch wenn die Strukturanalogie »zwischen Lyrik und Erzählliteratur […] als potentiell zu verstehen« sei, treffe sie doch für »eine erstaunlich große Zahl von Gedichten« zu (vgl. S. 2 f.). Und zwar für »Vertreter des Kanons deutschsprachiger Lyrik« (S. 13) – so lautet der Anspruch der Textauswahl.
Anders, als es der Untertitel des Bandes verspricht, reicht diese Auswahl nicht nur vom 16. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert, sondern mit der Analyse von Ilma Rakusas »Limbo« sogar bis ins 21. Jahrhundert.
… Ein Gewinn für die Lyrikanalyse ergibt sich aus dieser Differenzierung insofern, als dass »Widersprüche zwischen der Äußerung des Sprechers und der Komposition des Textes (die dem abstrakten Autor zuzuordnen ist)« als »unzuverlässiges Erzählen« beschrieben werden können – wo doch die Lyrikanalyse aus Sicht der Autoren des Bandes die Unzuverlässigkeit des Sprechers »noch nicht programmatisch untersucht« hat.
An mehreren Stellen ist dem Band der Prozess einer Begriffsfindung und ‑klärung noch abzulesen. So werden die eingangs vorgestellten Kriterien in den einzelnen Gedichtanalysen nicht streng nach einem einheitlichen Schema abgearbeitet. Und es kommt vor, dass Begriffe in ihrer Problematik erst in einzelnen Beiträgen zu bestimmten Gedichten aufgearbeitet werden wie zum Beispiel der des »lyrischen Ichs« in Malte Steins Analyse von Ingeborg Bachmanns Gedicht »Im Zwielicht«.
Wie es mit dem zweiten Anliegen ist, die besonderen narrativer Strukturen von Lyrik herauszuarbeiten, sei angesichts des schmalen Corpus von lediglich 20 Gedichten dahingestellt. Diese Ergebnisse sind ebenso wie die komparatistischen Überlegungen zum Vergleich englischsprachiger und deutschsprachiger Lyrik sicher mit Vorsicht zu genießen.
Der ganze Text hier
Ein ziemlich spannender Blog, den Sie hier haben. Vielleicht haben Sie ja mal Lust sich mein Projekt anzuschauen. Andersrum, vermutlich bekommen Sie täglich Millionen solcher Anfragen?! Leider habe ich kein Kontaktformular gefunden, sonst hätte ich mich auf anderem Wege gemeldet.
Schönen Gruß
Flo
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