165. Eigensinn und Betrieb

ÜBER DEN WIDERSTAND

Der Schriftsteller He-hei (Eckardt Henscheid) hielt es für verwerflich, Literaturpreise anzunehmen, während sein Kollege Ge-ga (Robert Gernhardt) nichts dabei fand. „Indem du dich mit dem Literaturbetrieb gemein machst, stärkst du ihn“, sagte He-hei. „Indem ich ihm Geld entziehe, schwäche ich ihn“, hielt Ge-ga entgegen. „Indem du einen Preis annimmst, gibst du zu verstehen, welches dein Preis ist“, fügte He-hei hinzu. „Indem ich jedweden Preis annehme, ganz gleich, wie hoch er dotiert ist, signalisiere ich, wie gleichgültig mir der jeweilige Preis und das mit ihm verbundene Geld sind“, erwiderte Ge-ga. „Indem du es zuläßt, daß dein guter Name mit so etwas Fragwürdigem in Verbindung gebracht werden darf, wie es ein Preis ist, schwächst du bei jenen Jüngeren, die zu dir aufblicken, den Sinn für Richtig und Falsch und damit ihren Widerstand gegen den Literaturbetrieb“, mahnte He-hei. „Indem ich ein schlechtes Beispiel gebe, schwäche ich lediglich ihre Bereitschaft, zu jemandem aufzublicken“, versetzte Ge-ga. „Damit aber stärke ich ihren Eigensinn, die wichtigste Voraussetzung dafür, jedwedem Betrieb Widerstand entgegenzusetzen“.

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