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Veröffentlicht am 28. Juli 2009 von lyrikzeitung
Der Band, das wird schnell deutlich, ist sorgfältig komponiert, die Gedichte bleiben miteinander im Gespräch. Bezug nehmen sie häufig auf die jüngsten und jüngeren Katastrophen der Geschichte, und als deren Zeugen lassen sie gerne historische Figuren auftreten. Die Stationen der intensiven Welterkundung führen durch Venedig, Rom und Vézelay bis nach New York. Die unmittelbare Nähe und Gleichzeitigkeit von Gegenwart und immer weiter weg dämmernder, nur mit Hilfe von Anmerkungen identifizierbarer Vergangenheit stellt natürlich beides in Frage, Gegenwärtiges und Vergangenes. Beides ist in hohem Masse kommentarbedürftig. Und in beidem wird die Kontingenz unterstrichen, die Gräf in seinen Gedichten mit kühnen Bildern vorführt. Pasolini, Malaparte, Feltrinelli, Malcolm X oder Clara Petacci, Mussolinis letzte Geliebte, sie alle kommen vor, und sie alle stehen auch immer für mehr als bloss ihre ohnehin schon aufregende Biografie. Gräfs Gedichte arbeiten mit den Rückständen einer bewegten Geschichte, und diese, das bleibt eine seltsam ironische Note, muss er in einem umfangreichen Anmerkungsteil belegen. / Martin Zingg, NZZ 28.7.
Dieter M. Gräf: Buch Vier. Gedichte. Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2008. 112 S., Fr. 28.90.
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: Dieter M. Gräf, Martin Zingg
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