Das Archiv der Lyriknachrichten | Seit 2001 | News that stays news
Veröffentlicht am 13. Juli 2009 von lyrikzeitung
Auf der Busfahrt, vorbei an Hutongs und qualmenden Garküchen, Hochstraßen und vielen Hochhäusern, blättert ein Kollege in den Gedichten des großen Lyrikers Bei Dao:
„Das neue Jahrhundert / Ruhmsüchtig verdunkelt sich die Erde/ Wir lesen vom Licht in einem Buch / aus Beton, wir lesen die Wahrheit . . .“
Immerhin, denkt man, der kann das alles hier veröffentlichen. Oder machen sich die Behörden bei einer so apokryphen Kunstform wie der Lyrik nicht mal mehr die Mühe, sie zu „harmonisieren“, weil das ohnehin keiner liest?
Chen Danqing lacht am nächsten Morgen in den hohen Raum seines Ateliers. Genau, sagt er, wen interessiert noch Lyrik? Chen hat sich selbst harmonisiert: Der Maler und Essayist hat vor einigen Jahren seinen Job an der Universität hingeschmissen, er fühlte sich zu sehr gegängelt und überwacht. So etwas tut man nicht in China, seither ist er berühmt. / ALEX RÜHLE, SZ 11.7.
Kategorie: ChinaSchlagworte: Alex Rühle, Bei Dao, Chen Danqing
Kann zu diesem Blog derzeit keine Informationen laden.
Neueste Kommentare