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Veröffentlicht am 8. April 2002 von rekalisch
Wer des Französischen mächtig ist, der darf seine Wiedergeburt auch formal erleben. Die Vorliebe des Autors für eine durchgehend gleichhebige Rhythmik, für Reime und Vokalharmonien scheint auf den ersten Blick, verglichen mit den Inhalten die durch diese Form transportiert werden, geradezu antiquiert und unpassend. Man erkennt jedoch schnell, dass diese Form die einzige mögliche für diese Gedichte ist. Denn trotz aller Predigten des Verfalls, versteht sich der Autor doch als ein Bewahrer, als ein Bewahrer des längst Vergangenen freilich. In der offen zur Schau gestellten Menschenfeindlichkeit schwingt auch immer die Sehnsucht nach dem Menschlichen mit, getreu dem Motto, dass der Mensch, so wie er ist, verworfen werden muss, um den Menschen, so wie er sein sollen, zu formen. Es sind, um ein wenig abgewandelt mit Paul Celan zu sprechen, noch Lieder zu singen jenseits der Menschlichkeit, um die Menschlichkeit erst zu provozieren. (folgt zweisprachige Textprobe) / Markus Kuhn, titel Magazin 8.4.02
Michel Houellebecq : Wiedergeburt. Gedichte Französisch-Deutsch; Übers. von Hinrich Schmidt-Henkel. DuMont 2001; Tb; 193 Seiten; € 17,40. ISBN 3770153596
Kategorie: Deutsch, Frankreich, FranzösischSchlagworte: Markus Kuhn, Michel Houellebecq
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