17. Villa-Massimo-Stipendien verliehen

Kulturstaatsminister Bernd Neumann vergab die renommierten Stipendien für Aufenthalte in der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo und Casa Baldi sowie für das Deutsche Studienzentrum in Venedig für das Jahr 2011.

Für einen einjährigen Aufenthalt in der Villa Massimo wählte die Villa Massimo-Jury, die sich zusammensetzt aus Fachleuten der Sparten Bildende Kunst, Architektur, Literatur und Musik (Komposition), als Stipendiaten u.a.  aus:

Lutz Seiler, Michendorf, Jan Wagner, Berlin

Für einen dreimonatigen Studienaufenthalt in der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi wurden ausgewählt:

Susanne Heinrich, Berlin, Julia Schoch, Potsdam

Weiter wählte die Villa Massimo-Jury auch die Künstlerstipendiaten des Deutschen Studienzentrums in Venedig für einen zweimonatigen Aufenthalt aus:

Thorsten Palzhoff, Berlin, Ron Winkler, Berlin

Mehr: art-in-berlin

16. „Sinusseite der Gegenwart“

Von der Kritik wurde der Berliner Autor, der in Jena Germanistik und Geschichte studiert hat, bisher wenig beachtet, dabei ist er einer der sprachlich kreativsten Jungautoren. Das Tempo, mit dem er scheinbar unvereinbare Begriffe aus Alltag, Naturwissenschaft, digitaler Technik und Naturphilosophie mit einer Vielzahl origineller Wortschöpfungen nahtlos verbindet, verschlägt manchem die Sprache. Wir sind ja so träge. Was der Leser etwa bei Inger Christensen aus Gewohnheit akzeptiert – die „Geheimnis“-Räume, die Allianz von alltäglicher Beobachtung und Sprachphilosophie, das Mit- und Ineinander gegensätzlicher Bedeutungen und Empfindungen – befremdet bei dem 1973 geborenen Ron Winkler. Dabei bewegt sich sein lyrisches Universum doch nur auf der Höhe der Zeit. Nicht minder als Inger Christensens „Alphabet“ bändelt Winkler mit der Mathematik an. Wo die Dänin aber ein ganzes System wie die Fibonacci-Folge in sprachliche Strukturen umzusetzen sucht, schleudert Winkler eine Fülle mathematischer und geometrischer Begriffe durch die Strudel seiner Verse: „Herbst minus zwei Türme“, „Sinusseite der Gegenwart“, „das Doppelte von Digital“. Scheinbar Unvereinbares setzt Winkler hart und unmittelbar nebeneinander.

/ Dorothea von Törne, Die Welt 3.7.

Frenetische Stille.
Von Ron Winkler. Berlin Verlag, Berlin. 96 S., 16,80 Euro.

15. Gar nicht kuschelig

Einen größeren Gegensatz als den zwischen Ron Winkler und den bedachtsam von Wort zu Wort tastenden Gedichten des 1961 in Karlsruhe geborenen evangelischen Theologen Thomas Weiß kann man sich kaum vorstellen. Gemeinsam ist ihnen nur die Ignoranz durch die Literaturkritik. Natürlich geraten Verse eines praktizierenden Pfarrers aus dem badischen Gaggenau in den Verdacht, reine Verkündigungsliteratur zu sein. Doch von jeglichem Pathos entschlackt und nicht im Geringsten kuschelig nimmt das fünfte Buch des Thomas Weiß Skeptikern den Wind aus den Hohnsegeln. / Dorothea von Törne, Die Welt 3.7.

von weit.
Von Thomas Weiß. Klöpfer & Meyer, Tübingen. 210 S., 18,90 Euro.

14. Der Dichter Adolf Endler

Feature von Barbara Felsmann

„Bis heute weiß keiner so richtig, dass Eddi zumindest für dieses halbe Jahrhundert einer der fünf wichtigsten deutschsprachigen Autoren ist“, sagt Katja Lange-Müller über Adolf Endler. In Düsseldorf geboren und aufgewachsen, übersiedelt er 1955 in die DDR und macht sich als Lyriker, Kritiker, Nachdichter, Essayist und Prosaist einen Namen.

Regie: Beate Rosch
Darsteller: Astrid Meyerfeldt, Robert Gallinowski
Ton: Stephen Erickson
Produktion: Deutschlandradio Kultur 2005
Länge: 53’59

13. Hans-Jürgen Heise zum 80.

Das Geschenk zu seinem 80. Geburtstag am kommenden Dienstag hat sich Hans-Jürgen Heise sicherheitshalber selbst gemacht: Ein Buch mit 80 knappen Prosa-Texten. Ergänzt durch einen schmalen Band mit neuen Gedichten unter dem viel versprechenden Titel „Brieftauben im Internet“. Er schätze dünne Bücher, sagt der Jubilar, und von wenigen Ausnahmen ab gesehen hat er sich in 60 Dichterjahren an diesen Vorsatz gehalten.

Das Ergebnis ist ein Werk von zwar überschaubarem Umfang, aber ohne eine einzige überflüssige Zeile. Von welchem Literaten lässt sich Ähnliches behaupten? /Erich Maletzke, shz.de

12. Musikalische Poetik

Uraufführung von Mathias Monrad Møller „Walkman“ nach einem Text von Bertram Reinecke am 5.07. um 19.00 Uhr an der Musikhochschule Frankfurt

Am Folgetag Vortrag: „Literaturtheorie der Musik und musikalische Poetik“ Gerade für einen Lyriker kann es verführerisch sein, nach der Nachbarkunst zu schielen. Solch ein Blick birgt aber auch Gefahren: Oft erschöpft er sich in zu kurz greifenden Analogien. Eine andere Verführung besteht darin, ein philosophisches Konzept einfach mit Beispielen aus diesem Felde auszutuschen. Im Gegensatz dazu sollen hier nicht Theorien unterbreitet, sondern Konsequenzen aus der eigenen praktischen Arbeit mit Text, Musik und Musikern gezogen werden. Was tun wir beim Verfassen von Texten und Musik wirklich? Was beim Auffassen und Verstehen eines klanglichen Gebildes?

Datum: 6.7.2010, 18h
Gastvortrag von Bertram Reinecke im Rahmen des Kompositionskolloquiums an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a. M,
Eschersheimer Landstraße 29-39 (U-Bahn Grüneburgweg),
Raum A 205

11. Gras

Die Aura des Rätselhaften, Exorbitanten und Kosmischen, die ihre berühmten Poeme „Det/Das“, „Alphabet“ und den grandiose Sonettenkranz „Das Schmetterlingstal“ umgeben sollte, begann sich hier zu entwickeln: im zweiten Gedichtband „Gras“ aus dem Jahr 1963. Die erstmalige, kongeniale Übertragung des Buchs ins Deutsche durch Hanns Grössel schließt eine empfindliche Lücke, weil „Gras“ einen Wendepunkt im Schaffen der Dichterin markiert. Die Gedichtfolge dokumentiert den Schreibprozess, der die Autorin von knappen Minimalgedichten wie „Liebe“ oder „Sommerkurzes Leben“ zu beweglichen epischen Strukturen führte, wie sie in „Begegnung“ zum ersten Mal auftauchen. Ohne diese Entwicklung wären die späteren Groß- und Systemgedichte nicht denkbar. Alles beginnt mit detailversessenen Naturbeobachtungen, die im Aufsteigen und Verschwinden der Dinge bereits universelle Bewegungen erkennen lassen. / Dorothea von Törne, Die Welt

Gras. Von Inger Christensen. A. d. Dän. v. Hanns Grössel. Kleinheinrich, Münster. 128 S., 25 Euro.

10. Horst Peisker

Ein Mann wie ein Baum. Groß, mehr noch kräftig als dick. Eine tiefe, auch laute Stimme. Das genaue Gegenbild dessen, was sich der empfindsame Zeitgenosse unter einem Dichter vorstellt. Dementsprechend hat er angefangen. „Maniac“ hieß eines seiner ersten Bücher, seinerzeit im März-Verlag von Jörg Schröder erschienen. Dieser Verleger attestierte ihm auch eine Nähe zu Bukowski, ohne jede Anleihe; und eine Härte, die R.D. Brinkmann übertreffe.

Die neuen „ausgewählten Gedichte“, viele zu Recht „Balladen“ genannt, spiegeln ein Lebenswerk, knappe fünfzig Jahre. Dazu: eine Entwicklung. Auf den hektischen Aktionismus seines Alter Ego, des jungen „Dillinger“, folgte immer deutlicher erkennbar eine geduldige, manchmal sogar beschauliche Betrachtung. / Martin Lüdke, FR 2.7.

Horst Peisker: Dillingers Blues. Die Balladen. Ausgewählte Gedichte. Verlag G. H. Hofmann, Gemünden am Main 2010, 175 Seiten, 14,80 Euro.

9. Alfred Brendel liest

Seine Pianistenkarriere hat Alfred Brendel (79) im Jahr 2008 aufgegeben, als lesender Dichter macht er weiter. Am Sonntag ist der Ausnahmekünstler im Schloss Ulrichshusen (Müritzkreis) zu erleben, wo er bei den Festspielen Mecklenburg- Vorpommern eigene Gedichte liest. / Ostsee-Zeitung

8. Lied von der Liebe und vom Tod

Man wird das Buch aber auch deswegen mit großem Gewinn lesen, weil sich ‚über das Leben dieses einfachen Liedchens‘, in dem der Ohrenzeuge John Steinbeck den einzigen Beitrag Nazi-Deutschlands zur Kultur der zivilisierten Welt erkennen wollte, eine verdammt ‚gute Geschichte‘ erzählen lässt, wie die Autorin eingangs bemerkt.

Diese Geschichte beginnt mit dem Hamburger Dichter Hans Leip, der die Zeilen dieses Liedes, in denen er, angeblich, die Sehnsuchts-Bilder zweier damaliger Freundinnen (‚Lili‘ und ‚Marleen‘) miteinander verschmolz, schon in einer Berliner Regennacht des Jahres 1915 verfasst haben will, bevor sie dann 1937 von Norbert Schultze, einem recht schmierigen Mitläufer der Nazis, vertont und von der bis dahin nicht so recht erfolgreichen Sängerin Lale Andersen in ihr Programm aufgenommen und schließlich, passenderweise, kurz vor Kriegsausbruch auf Platte aufgenommen wurden. / MANFRED SCHWARZ, SZ 24.6.

ROSA SALA ROSE: Lili Marleen. Die Geschichte eines Liedes von der Liebe und vom Tod. Aus dem Spanischen von Andreas Löhrer. Mit 21 Schwarzweiß-Abbildungen und einer Audio-CD. Dtv, München 2010. 239 S., 20,50 Euro.

7. W.S. Merwin wird 17. Poet Laureate

W.S. Merwin, einer der produktivsten und gefeiertsten Dichter des Landes, wird der 17. Poet Laureate der Vereinigten Staaten. Das Amt wurde 1985 geschaffen und wird von der Library of Congress vergeben, um dichterische Verdienste zu würdigen. Die Amtszeit beträgt üblicherweise ein bis zwei Jahre. / Philip Kennicott, Washington Post 1.7.

6. Buchstabengebirge, Lautmalereien

Texte sind visuelle und akustische Gebilde, die sich zerlegen und neu zusammenfügen lassen. Ein Meister der konkreten Poesie ist Franz Mon. Sein umfassendes Werk präsentiert das Haus Konstruktiv in Zürich.

… Bereits diese Frühwerke verweisen auf Mons später wiederkehrendes zentrales Thema: die Reduktion der Zeichen auf Ideogramme, die wie im Chinesischen für einen bestimmten Begriff stehen.

Ab 1960 entwickelt Mon Collagen, für die er Zeitungen, Illustrierte und Plakate, später auch Stoffreste, Holz und eigene Texte zerlegt, zerreisst oder in einer Wäscheschleuder zerquetscht, um sie wieder zusammenzusetzen. Auch seine neusten, mit dem Computer konzipierten Wortbilder sind in dieser sehr lohnenden Ausstellung zu sehen. Sie wird ergänzt mit zwei Hörspielen und dokumentiert so Mons kreative, grenzensprengende Radikalität, welche der sprachlich objektivierten Wirklichkeit misstraut und den Erfahrungshorizont erweitert. / Dorothee Vögeli, NZZ 1.7.

Zürich, Haus Konstruktiv, bis 1. August.

In L&Poe

  • 2001     Nov     #     Lebenswerk eines Revolutionärs der Poesie ausgezeichnet
  • 2002     Mai     #     Letztes Colloquium
  • 2003     Okt     #     Gerhard Wolf 75
  • 2004     Nov     #22.     Museum der experimentellen Poesie
  • 2005     Aug     #83.     Wolfgang Bauer gestorben
  • 2005     Sep     #48.     Schrift. Zeichen. Geste.
  • 2005     Okt     #2.     Atemlos staunend
  • 2006     Feb     #68.     Aus gegebenem Anlaß
  • 2006     Mai     #17.     Franz Mon wird 80
  • 2008     Mrz     #98.     Erst lesen. Dann schreiben
  • 2008     Mai     #17.     Punk, Politik & Poesie
  • 2008     Aug     #45.     Hundertdrucke
  • 2008     Aug     #106.     28. Erlanger Poetenfest – 28. bis 31. August 2008
  • 2008     Sep     #49.     Erlanger Resumé
  • 2008     Sep     #59.     Schräge Intention
  • 2008     Nov     #48.     Noch ein Vergessener
  • 2009     Mrz     #29.     Jörg Drews gestorben
  • 2009            Jun            #36.            Telefon-Hotline – Bei Anruf Literatur

neu

5. „Kollateralschäden der Befriedigung“

Es entsteht der Eindruck eines Zugleich und Nicht, von Simultanität und Leere, „Frenetischer Stille“. Da ist viel lyrische Diffusion (vielleicht ja und vielleicht nein und wahrscheinlich beides), aber in einer Machart, dass die ausbleibende Befriedigung nach den Kosten (Kollateralschäden) der Befriedigung fragt. Das heißt: keine unmittelbar angenehme, aber gute Lektüre.  / Tobias Roth, Die Berliner Literaturkritik, 21.06.10

WINKLER; RON: Frenetische Stille. Gedichte. Berlin Verlag, Berlin 2010. 92 Seiten, 18 €.

4. When You’re Strange

Jim Morrison ist, wieder mal, der wilde Schamane des Rock ’n’ Roll, und „you can’t burn out if you’re not on fire” (man kann nicht ausbrennen, wenn man nicht entflammt ist). Das sind so einige der Weisheiten, mit denen die Erzählstimme von Johnny Depp durch den Film führt. Vom Vorleseskript und den mitgelieferten deutschen Untertiteln zu Tom DeCillos „The Doors – When You’re Strange“ sollte man also besser keine großartigen neuen Erkenntnisse erwarten. Wenn es hier Erleuchtungen gibt, dann stecken sie anderswo: im zeitgenössischen, bisher weitgehend unbekannten Originalmaterial, aus dem diese Rock-Doku montiert ist, in den Konzertmitschnitten, in den nach wie vor gewaltigen Songs von Morrison und jener Band, die ihren Namen einem Gedicht von William Blake (und dessen Popularisierung durch Aldous Huxley) verdankte. „Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene den Menschen alles, wie es ist: unendlich“. Ladies and Gentlemen – The Doors! / Badische Zeitung

„The Doors – When You’re Strange“ (Regie: Tom DeCillo)

Jim Morrison in L&Poe

  • 2001     Mrz     #     Literarische Sterbehilfe oder:
  • 2001     Apr     #     Hannibal Lecter mailed him,
  • 2002     Aug     #     Beat Rules
  • 2007     Mai     #53.     Jim Morrisons Wunsch
  • 2009 Sep 130. Jim Morrison als Dichter

(die älteren Artikel im Archiv)

3. The Poetry of Bees

LONDON EC1: The Poetry of Bees

7pm, Thursday 1st July, 2010
Venue: Gresham College, Barnard’s Inn Hall, Holborn, London EC1
Tickets: Free

Bees have long been recognised as some of the most remarkable creatures on the planet, whose flight, navigation, communication and social organisation provide us with challenges to our anthropocentric views. Especially for this year’s City of Lond Festival, Poet in the City has commissioned five of the UK’s leading poets to write original poems about bees. At this amazing event the poets will be reading their work in public for the first time. With David HarsentJo ShapcottFiona SampsonMatthew WeltonLuke Heeley.

/ poetrylibrary.org