Öffentliche Veranstaltung
Freitag, 26. Oktober 2012
20:00
jugendkunstschule ARThus, rostock
das literaturhaus rostock startet eine neue reihe für lyrikerinnen und lyriker des landes mecklenburg-vorpommern.
gäste: odile endres, peter neumann, bertram reinecke, marcus roloff
moderation: ron winkler
musik: marten pankow
freitag, 26. oktober, 20.00 uhr
theatersaal, jugendkunstschule ARThus
kuphalstr. 77, 18069 rostock
EUR 6,- / 4,-
Kurz vor seinem 85. Geburtstag am 16. Oktober hat der Literaturnobelpreisträger einen Band mit – so Grass – „Gelegenheitsgedichten“ vorgelegt: „Eintagsfliegen“. Die Lyrik des wortmächtigen Autors und Mahners bildet den Leitfaden für das Gespräch, in dem Ulrich Wickert und Günter Grass zahlreiche Themen antippen, die für heftige Debatten in Deutschland und in der Welt gesorgt haben – und womöglich auch neue Debatten auslösen werden. / NDR
(Nun ja, bei den Gedichten fällt mir nicht als erstes „wortmächtig“ ein.)
Der Kerpener Autor Gerrit Wustmann hat den Lyrik-Wettbewerb Postpoetry 2012 gewonnen.
Die Jury – Prof. Dr. Ralph Köhnen von der Ruhr-Universität Bochum, der Lyriker Dr. Jürgen Nendza und die Autorin Monika Littau – war angetan von seinem Gedicht „Zaman/Zeit“, in dem Wustmann Erfahrungen von Türkei-Aufenthalten verarbeitet. Die Juroren sahen darin einen Konflikt angedeutet, der den interkulturellen Dialog zwischen Asien und Europa durchziehe: Der Begriff Milli hain, den der Lyriker gleich zweimal verwendet, bedeutet Vaterlandsverräter. / Ulla Jürgensonn, Kölner Stadtanzeiger
Vogel braucht manchmal bloß zwei halbe Sätze zum Gedicht, einmal sogar nur fünf Wörter, freilich mehr eine witzige Sentenz denn ein ganzes Gedicht. Vogel schiebt die Sprache vorsichtig voran, liest behutsam und silbenweise, mit der zaghaften Aufmerksamkeit einer Schildkröte oder einer Morgenstern’schen Schnecke („soll i raus? oder nit raus?“). Die Verse haben eine dünne Haut, gehen zärtlich miteinander und der Sprache um – und finden dem gelegentlich unausgesprochenen Thema Liebe neue, noch nicht verbrauchte Bilder. / Siegener Zeitung
Die Konservativen waren immer große Geschichtenerzähler; es ist ihre große Schwäche. Sie lieben es, die Augen in der Vergangenheit schweifen zu lassen, um nicht sehen zu müssen, was ihnen vor der Nase liegt. Zu der Geschichte gehört immer eine Vertreibung aus Eden, sei es durch die Hippies der 1960er Jahre, die Suffragetten, den elenden Abfall der Schtetl, die Französische Revolution, die Aufklärung, Luther, Machiavelli oder die Plünderung Roms. Als nächstes kann man sicher sein, daß sie Mallarmés Urteil wiederholen, daß „alle Poesie seit der großen homerischen Abweichung verkehrt läuft“. (Er scherzte nur halb dabei).
/ Mark Lilla in einem Essay über ein konservatives Horrorszenarium von „Obama und der Krise des Liberalismus“, New York Times Book Review 30.9. (Der deutsche Professor Hegel als Anstifter der Zerstörung des amerikanischen Liberalismus durch Obama – lesenswert!)
Sie kramte in ihrer Handtasche und zeigte uns Roberts zerfleddertes Notizbuch. Die letzte Eintragung war ein Gedicht: Reglos liegt er im Gras / die Sonne spiegelt sich in seinen Augen wider / ein Geier lässt sich auf ihm nieder / und zerbeißt genüsslich das Aas.
Als ich das Gedicht gelesen hatte und an Walter weiterreichte, sagte sie noch einmal: I glaub, dea hot des so woin. / Josef Haslinger, Der Standard
„Six of my poems were recently translated into Catalan, a language that a half-century of Fascism couldn’t stamp out. Is American poetry as durable, I wonder?“ Henri Cole, New Yorker
Das ehrgeizige Projekt des ehemaligen ungarischen Staatssekretärs für Kultur Géza Szőcs, als Vorsitzender des ungarischen P.E.N.-Clubs “eine Art Nobelpreis für Lyrik” zu schaffen (mno/mti), hat jetzt mit einem Fiasko begonnen.
Géza Szőcs, Schriftsteller und Mai 2010-Juni 2012 Staatssekretär für “Kultur und nationales Kulturerbe” der Orbán-Regierung, wurde im Dezember 2011 zum Vorsitzenden des ungarischen P.E.N.-Clubs gewählt; der von diesem im Februar 2012 auf Szőcs’ Initiative ausgeschriebene und mit ca. 50 000 EUR dotierte Internationale Janus Pannonius-Preis für Lyrik (Janus Pannonius International Poetry Prize) wurde nun zum ersten Mal verliehen. Die Wahl der Jury fiel auf den amerikanischen Schriftsteller und Dichter der Beat-Generation Lawrence Ferlinghetti (*1919).
Doch Ferlinghetti hat den Preis jetzt zurückgewiesen. Dies begründete er in einem Schreiben an Szőcs mit der Beschneidung der freien Meinungsäußerung und bürgerlicher Freiheitsrechte durch die Orbán-Regierung (…)
Mit deutschen und englischen Passagen aus dem Brief Ferlinghettis und einem Kommentar von György Dalos bei Pusztaranger
Um mich + meine kunstform
vor der vernichtung
durch richter dr. Peter Wimmer des gerichts wien-innere stadt
doch noch zu retten:
Man will mich 6 wochen einsperren.
Weil die wiener linien meine kunstaktionen nicht wollen+pausenlos zerstoern.
(Bereits 1 MILLION ! meiner zettelgedichte wurden amtlich vernichtet ! )
Die zeit im gefaengnis kann ich und werd ich nicht ueberleben.
Ich hab mich in gewaltfreier, mildester form zum 1x gewehrt!
Und den zusammengeknaeulten papier-+klebeband-haufen, den stationswarte+betriebs-kontrollore aus meinen gedichten machten, durch die offene sprechluke der station schwedenplatz durchgeschoben.
Dabei soll angeblich eine kleine schraube verbogen worden sein.
Dafuer wurdi wegen vorsaetzlicher sachbeschaedigung zu 6 wochen unbedingt verurteilt.
Demnaechst berufungsverhandlung.
www.facebook.com/wiener-zetteldichter
Foerderung weiterer aktionen:
BIC: OPSKATWW
IBAN: AT246000000007975059
In meinem Reader gibts eine Liste spezieller Lyrikbuchhandlungen in New York. Aber die Zeit in der Stadt war zu knapp, um sie mit Einkauf zu verbringen. Am dritten Tag fuhren wir weiter durch den ländlichen Staat New York und durch Pennsylvania. Indian Summer in den Appalachen! An einer Raststätte im Waldland gabs „buffet“, dicke und dünne Amerikaner und wir Touristen aßen da nach Leibeslust zum Festpreis. Während die Raucher draußen rauchten, entdeckte ich eine Filiale von Barnes & Nobles. Nur für die Dauer einer halben Zigarette hatte ich Zeit, die Wege sind weit. Hier in der Provinz, im Waldland, gabs ein breites hohes Lyrikregal, wie man es heute in deutschen Großstädten mit der Lupe suchen muß. Ich griff mir auf die Schnelle: Jerome Rothenberg / Pierre Joris: Poems for the Millennium. Vol. 2: From Postwar to Millennium. Ein 900-Seiten-Klopper mit moderner Weltlyrik, aus dem Deutschen dabei auch Mayröcker, Rühm, Bayer, Erb.
Später kamen wir nach Washington und Philadelphia. In Washingtons National Gallery besichtigten wir die französische und amerikanische Malerei, herrliche Stücke von Monet, Degas, Cézanne, Gauguin, Rousseau, Picasso… und Entdeckungen bei den Amerikanern. Unter den Neuentdeckungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert auch John Marin (The written sea). Im Museumsshop fand ich Francis Picabia: I am a beautiful monster. Poetry, prose, and provocation. 1921 antwortete er auf die Frage einer Zeitung, ob es eine Krise der französischen Malerei gebe, mit einem Satz: „Ich weiß nichts und ich verstehe nichts.“
In Philadelphia, das einmal die erste Hauptstadt der Vereinigten Staaten war, besichtigten wir pflichtschuldig die historischen Gedenkstätten und suchten dann die größte Orgel der Welt auf. Gegen abend, pflastermüde, wollten wir in der Hafengegend essen, aber da gabs nur Highway und Gewerbe. Also bogen wir stadtzu ein und kamen in ein studentisches Viertel mit etlichen kleinen Galerien, die im Unterschied zu allen Läden geöffnet waren. Es gibt kein Ladenschlußgesetz, aber abgesehen von Supermärkten waren die meisten Läden nach 18 Uhr zu. Plötzlich ein hellerleuchtetes Schaufenster – ein Antiquariat, Öffnungszeit: Täglich von 10 bis 10! Ich fragte nach einer Lyrikabteilung, es gab sie im ersten Stock. Viele viele Meter Lyrikbände. In Rekordzeit von 10 Minuten zog ich dies raus zum Durchschnittspreis von 5 Dollar:
Damit kann ich arbeiten.
Von Jean Paul und Richard Wagner sind Zitate überliefert*, die sich besonders für den hautnahen Gebrauch eignen: “Die Tat ist die Zunge des Herzens” (Jean Paul) oder auch “Es gibt ein Glück, das ohne Reu!” (Richard Wagner). / Der neue Wiesentbote
*) Naja, es sind auch Bücher überliefert, aber wer kann schon ein ganzes Buch als Tattoo bezahlen? Wär aber ne neuartige Leseerfahrung. „Ich bin grad im 27. Kapitel, nicht bewegen“.
Eine fast schicksalhafte Dramaturgie will es, dass zeitgleich ein zweiter chinesischer Autor in unser Blickfeld gerückt ist: Liao Yiwu wird am Sonntag in der Paulskirche mit dem hohen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt und ist so ziemlich das genaue Gegenteil vom diesjährigen Nobelpreisträger. Berühmt wurde er mit seinem Langgedicht „Massaker“, das er wenige Stunden nach der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Tiananmen-Platz 1989 schrieb.
Verse mit katastrophalen Folgen für den Dichter: Er wird wegen „konterrevolutionärer Propaganda und Aufwiegelung“ zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren verurteilt; er wird gefoltert und misshandelt. Zwei Selbstmordversuche unternimmt er. Später wird er sagen, dass man nicht als Mensch überleben konnte, allenfalls als Schwein oder als Hund. Und dann habe man sich eben dazu entschlossen, „kein Mensch mehr zu sein“. In diesen Tagen erscheint von Yiwu – er lebt inzwischen in Deutschland – das Buch „Die Kugel und das Opium“, Interviews mit Augenzeugen des Massakers von damals.
Und dagegen nun sein Landsmann Mo Yan, den die augurenhaften britischen Buchmacher immerhin auf Platz zwei aller Kandidaten handelten, der aber in Deutschland mit bisher kleinen Auflagen keine breite Leserschaft finden konnte. Das wird sich bald ändern, wie sein Verleger Lucien Leistess vom Züricher Unionsverlag aus eigener Erfahrung mit dem ägyptischen Nobelpreisträger Nagib Mahfuz weiß: „In drei Jahren habe ich von ihm 300 Exemplare verkauft. Und nach dem Nobelpreis 30 000 in drei Minuten.“ / Lothar Schröder, Rheinische Post
Sam Hunt (66) ist Dichter. Er ist sogar so etwas wie Neuseelands inoffizieller Nationaldichter. Kein anderer Poet erreicht mit seinen Gedichten eine derartige Popularität in dem südpazifischen Inselstaat. Das liegt vor allem an diesen Dingen: In Hunts Zeilen schwingt immer die Sehnsucht mit, die ein Neuseeländer im ständigen Angesicht der Natur verspürt. Es ist die Poesie des vagabundierenden Provinzneuseeländers, der ständig „on the road“ ist. Auf der Suche nach dem Meer, nach der Einsamkeit, nach der Liebe oder nach sich selbst. Hunts Gedichte, die eher Songs gleichen als üblichen Gedichten, sind eng verwoben mit der neuseeländischen Landschaft und Seele. „A man can only find himself when lost. Such country, this, where all men are lonely: plateau, hawk and rivermist.“
Dass manche Kritiker sein Dichtwerk als „zu pathetisch“ oder „kitschig“ beschreiben, passt ins Hunt’sche Gefühlsprogramm. Zudem: Hunts schweißtreibende Auftritte sind legendär. Er zelebriert seine Gedichte, vor allem in den kleinen Pubs, die sich überall im Land finden. Wie ein schamanenhafter Bluessänger, der die Seele der Poesie mit seiner whiskyrauen Stimme gekonnt hervorkitzelt. „Tell the story, tell it true – charm it crazy“, ist sein Motto. (…)
Hunt ist ein Troubadour, ein Hippie, und vor allem ein Anarchist, der heute anerkannt ist, der sich aber in den puritanisch-konservativen Zeiten der neuseeländischen 1960er- und Siebzigerjahre an der Gesellschaft und an der akademischen Poesie abrieb, die ihn erst in den vergangenen Jahren in ihren Kanon aufgenommen hat. / Ingo Petz, Der Standard
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