50. Arbeit in Dornbirn

Monster Poems heißt der neueste Gedichtband von Nora Gomringer, jener deutsch-schweizerischen Lyrikerin, die ihre famose Spoken-Word-Performerei lieber „arbeit als rezitatorin“ nennt. Den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache erhielt Gomringer, Jahrgang 1980, “ als erste Vertreterin der Kunstform* Lyrik“ und als „seine mit Abstand jüngste Trägerin“.  (…) Monströs erschienen so manchem auch die Kunstaktionen von Wolfgang Flatz. Im Flatz Museum in Dornbirn sind Nora Gomringer und das Wortart Ensemble am 16. Mai in der Reihe „Lyrik bei Flatz“ zu Gast. / Petra Nachbaur, DER STANDARD, 15.5.

*) Für diesen Versuch, ein garstiges Fremdwort zu ersetzen, verdiente der Grimm-Preis auc den Grimm-Preis. (Schade nur, daß sie „Lyrik“ durchließen.)

49. Poesie ist in der kleinsten

schwäbischen Hütte. Hier zB:

Zum Geburtstag ein kurzes Gedicht: „Du bist 50 – ich bin’s noch nicht!“ Alles Liebe nach Zimmerbach wünscht die Weltstadt Lorch

Das unpoetisch, aber auch nett:

Hallo Schatz! Danke für 10 Jahre Ehegatten-Splitting!

48. Schweizer Literaturpreise

Unter dem Motto «Es gibt keine Schweizer Literatur. Es gibt nur Schweizer Literaturen» hat Bundesrat Alain Berset am Donnerstag in Solothurn die ersten Schweizer Literaturpreise verliehen. Sie gingen an Erica Pedretti, Fabio Pusterla, Jean-Marc Lovay und das Übersetzungs-Festival Babel.

Die 1930 in Mähren geborene, auf Deutsch schreibende Erzählerin Pedretti, der 1957 geborene Tessiner Lyriker Pusterla und der 65-jährige Walliser Romancier Lovay erhalten für ihr Gesamtwerk je 40 000 Franken. Das Festival Babel in Bellinzona erhält gleich zwei Preise, den für Übersetzung und den für Vermittlung.

Wie der Vorläufer der Auszeichnung, der Schillerpreis, hat auch der Schweizer Literaturpreis zum Ziel, sprachgrenzenüberschreitend die Vielfalt zu fördern, wie Kulturminister Berset in seiner Festansprache betonte.

«Ohne Vielfalt würde die Schweiz nicht existieren. Die Vielfalt ist nicht Einheit. Sie erweitert die Horizonte», sagte er in seiner dreisprachigen Rede. (…)

Die Preisverleihung bildete den Auftakt zu den Solothurner Literaturtagen, die am Freitag beginnen. Sie enden am Sonntag wiederum mit einem Festakt: Franz Hohler darf dann den Solothurner Literaturpreis entgegennehmen. / NZZ 9.5.

Fabio Pusterla, geboren 1957 in Mendrisio, ist einer der ganz grossen Lyriker im italienischen Sprachraum. Er lebt in Norditalien und unterrichtet in Lugano am Gymnasium. Er veröffentlichte seit 1985 mehrere Gedichtbände, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Er ist zudem Essayist und ein hervorragender Übersetzer aus dem Französischen und dem Portugiesischen und generell ein grosser Akteur in der Kulturszene. Aus dem Französischen hat er ein Grossteil des Werks von Philippe Jaccottet übersetzt. / srf.ch 4.4.

47. Angles of Ascent

New Anthology Celebrates ‚Ascent‘ of African-American Poets

Jeffrey Brown talks with longtime literary editor Charles Henry Rowell about his passion for promoting undiscovered and underappreciated African-American poets and artists. His latest effort is a new anthology called „Angles of Ascent.“

46. Kolossales Echo

Durs Grünbeins Bücher werden viel gelobt und viel gescholten. Rezensent Michael Opitz meint, in dem neuen Band „Koloss im Nebel“ gehe es „darum , den Blick zu schärfen und das Gehör zu schulen“. Seine Besprechung im DLF beginnt mit dem Eingangsgedicht

Interieur mit Eule I

Mond scheint ins Zimmer. Nichts ist real.
Jeder Augenblick unergründlich, die Welt
Kolossales Echo im Labyrinth der Sinne.
In der Hand eine Münze – mein Talisman.
Siebzehn Gramm Silber, reines Symbol.
Eule, erleuchte mich, öffne die Augen.
Tier auf der Tetradrachme aus Attika, hilf.

und endet:

In „Koloss im Nebel“ begegnet man einem Poeten, der, als genauer Beobachter, sehr behutsam in einem Terrain ausschreitet, das Gefahr läuft zu verschwinden. Grünbein sieht und benennt die Bedrohungen. Er tut es selten direkt, weil ihm diese Position lyrischen Sprechens nicht angemessen erscheint. Aber die großen Bögen, die er in seinen Gedichten zwischen Antike und Moderne zu spannen versteht oder seine Dinggedichte, die sich Zartestem nähern, erheben Einspruch gegen den Mahlstrom der Zeit. Inmitten einer Geräuschkulisse, die versessen darauf hört, wie der Geldstrom fließt, stören die leisen Töne, die Durs Grünbein anstimmt. Doch gerade das macht den Wert eines gelungenen Gedichts aus – und solche Gedichte gibt es in diesem Band zu entdecken, der ein großes Lesevergnügen ist.

Durs Grünbein: Koloss im Nebel. Gedichte. Suhrkamp Verlag. Berlin 2012. 225 Seiten. 25,00 Euro.

45. poesiefestival berlin

Das 14. poesiefestival berlin fragt nach den Orten der Dichtkunst, nach der „Heimat Poesie“. Vom 7.-15. Juni 2013 präsentiert die Literaturwerkstatt Berlin in der Akademie der Künste am Hanseatenweg die Bandbreite und Vielseitigkeit internationaler zeitgenössischer Dichtkunst.
Zu Gast sind u.a. Christian Bök (Kanada), Breyten Breytenbach (Südafrika), TJ Dema (Botswana), Oswald Egger (Südtirol), Kosal Khiev (USA/Kambodscha), Ursula Krechel (Deutschland), Ise Lyfe (USA), Nikola Madzirov (Mazedonien), Luis García Montero (Spanien), Don Paterson (UK), Tomaž Šalamun (Slowenien), Ana Tijoux (Chile), Natan Zach (Israel) und Adam Zagajewski (Polen).

Hier das komplette Programm.

Kartenvorverkauf
Vorverkauf in der Akademie der Künste
Tel 030. 200 57-1000/-2000
Hanseatenweg 10, 10557 Berlin-Tiergarten
Pariser Platz 4, 10117 Berlin-Mitte
Täglich 10:00–19:00
Im Internet unter: www.adk.de oder www.poesiefestival.org

Festivalpass, gültig für alle Veranstaltungen:
60 EUR/40 EUR, erhältlich in der Akademie der Künste.

Ort
(soweit nicht anders angegeben):
Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin-Tiergarten
S-Bahn Bellevue / U9 Hansaplatz/ Bus 106

Informationen
Literaturwerkstatt Berlin
Tel 030. 48 52 45 0
www.literaturwerkstatt.org

44. Dichte Gebete

Etwa 50 Tage nach Pessach wird das jüdische Erntedankfest begangen, auch Schawuot genannt. Zur Feier wird ein Gebet auf Aramäisch unter Begleitung einer besonderen Melodie gesprochen, das „Akdamut“.

„Akdamut“ heißt auf Deutsch eigentlich nur „Vorwort“, mit dem man begründet, warum man etwas vortragen möchte. Und die Tradition berichtet gleich von mehreren Gründen, warum der Mainzer Vorbeter Rabbi Meir Ben Jitzhak Nehorai sein Lied verfasst hat. Nach der Legende hatte einst ein Mönch die jüdischen Gemeinden des Rheinlandes mit einem tödlichen Fluch belegt, dem Tausende Menschen in Pogromen zum Opfer fielen und den er nur zurücknehmen wollte, wenn die Juden einen noch mächtigeren Zauberer aufbieten könnten. Rabbi Meir fand diesen Meister im Schattenreich bei den zehn verlorenen Stämmen, und so konnte der teuflische Herausforderer in die Knie gezwungen werden. (…)

Das in Aramäisch verfasste Gedicht besteht aus 90 Versen, die in besonderer Weise gebaut sind und auch dadurch bereits die unbedingte Treue des Autors zu seinem Judentum ausdrücken. Die ersten 44 Verszeilen beginnen je paarweise mit den 22 Buchstaben in der Reihenfolge des hebräischen Alphabetes, also die ersten beiden Verse mit „A“, Verse drei und vier dann mit „B“ und so weiter. Die Anfangsbuchstaben der weiteren 46 Verse bilden dann ein sogenanntes Akrostichon – das ist eine nicht nur in der jüdischen Literatur sehr beliebte Versform, bei der die von oben nach unten gelesenen Anfangsbuchstaben der einzelnen Verse einen weiteren Sinn ergeben. Bei der „Akdamut“ ist es ein Gebet, mit dem Rabbi Meir die Gewissheit ausdrückt, dass Gott ihm die Kraft und die Fähigkeit geben werde, trotz des feindlichen Umfeldes in Treue zum Studium der Torah zu stehen und gute Werke zu tun.

Eine dritte Besonderheit der „Akdamut“ ist schließlich, dass alle 90 Verse gleichermaßen auf „t-a“ enden, „tav-aleph“ auf Hebräisch – den letzten und den ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets. Damit wird angedeutet, dass das Torahstudium kein Ende hat, sondern stets wieder aufs Neue beginnt. / Evelyn Bartolmai, DLR

 

43. Hitomaros letzte Liebe

„Hitomaros letzte Liebe“ ist kein Roman, sondern ein empfehlenswerter Aufsatz des Japanologen André Wedemeyer (1875-1958) über den Dichter Kakinomoto-no Hitomaro, der im 7. und 8. Jahrhundert lebte und als einer der „6 berühmten Dichtergenien“ verehrt wird.

Damals schrieb man in einer der kompliziertesten Schreibsprachen der Welt, die viele verschachtelte Sprachspiele erlaubte. Was für Dichter und Leser damals ein reizendes Spiel bedeutete, wäre für uns heute völlig unverständlich wenn es nicht Generationen von Erklärern gegeben hätte.

Auch deutsche Gelehrte haben sich dem Verständnis altjapanischer Dichtkunst gewidmet und Großes auf diesem Gebiet geleistet. André Wedemeyer ist einer von diesen. Völlig zuhause in den Schatzkammern zweier Kulturen, der deutschen und japanischen, sah er mehr als viele andere und konnte es auch schöner herüberbringen. / Jan Kellendonk, Lokalkompaß

(Der Aufsatz mit den Übersetzungen hier zum Download)

Auszug

Dem Langgedicht hat Hitomaro zwei Kurzgedichte beigegeben, von denen das erste in der Textüberlieferung in zwei Fassungen erscheint, so daß hier drei Gedichte vorliegen.

lhami no ya
ko-no-ma YOl’i
Takatsunu yama no
aga furu sode wo
imo mitsuramu ka?

In Iwami noch
aus der Waldlichtung
vom Berg Takatsuno
den ich geschwenkt, den Ärmel,
ob die Liebste ihn wohl sah?

Ihami naru
ko-no-ma yo mo
Takatsunu yama no
aga sode furu wo
imo mikemu kamo!

In Iwami, hier,
aus der Lichtung selbst
vom Berge Takatsuno
das Schwenken meines Ärmels,
sie hat’s gewiß gesehn, ach!

Sasa ga ha ha
midaredomo,
mi-yama mo saya ni
are ha imo omofu,
wakare kinureba.

Bambusgrasblätter
flimmern zwar, aber
auf dem Berg auch hellschimmernd
ich gedachte der Liebsten,
weil ich ja vom Abschied kam.

42. Arbeitsstipendien 2013

Arbeitsstipendien 2013 an Schriftstellerinnen und Schriftsteller vergeben

Berlin, den 22.04.2013

Auch in diesem Jahr wird die Kulturverwaltung des Berliner Senats an 13 in Berlin lebende Autorinnen und Autoren Arbeitsstipendien in Höhe von insgesamt 156.000 € vergeben. Die Stipendiaten erhalten ein sechsmonatiges Stipendium in Höhe von 12.000 € (Monatssatz 2.000 €).

Die diesjährigen Stipendiatinnen und Stipendiaten sind:

Konstantin Ames, Maxim Biller, Rabea Edel, Gerhard Falkner, Patrick Jon Findeis, Günter Herburger, Lioba Happel, Dr. Thomas Hettche, Dr. Gabriela Hift, Georg Leß, Thorsten Palzhoff, Tom Schulz und Ellen Wesemüller.

Der Jury zur Vergabe der Arbeitsstipendien gehörten dieses Jahr an: Verena Auffermann, Ulrike Baureithel, Tom Bresemann, Gregor Dotzauer, Christian Hippe und Dr. Dieter Stolz.

Die Jury hatte über 343 Bewerbungen zu entscheiden.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden sich und ihre Arbeiten im Rahmen einer vom Literaturforum im Brecht-Haus organisierten Veranstaltung Ende Oktober oder Anfang November 2013 im Berliner Ensemble präsentieren. Der Termin wird der Öffentlichkeit vorher bekannt gegeben.

41. Konkrete Poesie

Diktionär: Konkrete Poesie

Unterm Anfang
überspielt die Schrift
Wolken aus trautem Anfang.
Anfangsbilder sind Schäfchen
aus glaswolligem
Sprechen.
Zählen, erzählen,
Buchstabenbuchstützen.
Ich war zugegen,
als unter Sprechern und Schreibern
der Stoff geteilt wurde.
Stoff, niemandes Zuständigkeit,
ihm ward Licht zu-
teil, das sich
morgens mittags abends nachts
gegen Ziffern wirft.
Dabei kam zutage:
die Nacht.
Nah der Nebelgrenze
unterkühlt das Wort
alle Wasser.

Zweifel, nicht Scheitern.
Die Inwendigkeit
unter Verzicht genommen.
Das Wildern.
das nichts weiß
von der Wildnis.

Angelika Janz (1993)

Zuletzt:

  • Angelika Janz (Hrsg. Franzobel). Schräge Intention. Wien: edition ch, 1995.
  • Angelika Janz. orten vernähte alphabetien. Greifswald: Verlag Wiecker Bote, 2002.
  • Angelika Janz. tEXt bILd. Ausgewählte Werke 1: Visuelle Arbeiten und Essays. Greifswald: freiraum-verlag, 2012.
  • Angelika Janz: Vorwärts mit Rückspiegel. Friedland: Edition lesezeichen, 2013

40. Ändern

Wie repräsentativ ist das und wessen Sicht  wird da repräsentiert? Abschnitt aus dem Wikipedia-Artikel „Deutsche Literatur“

Rumäniendeutsche Literatur [Bearbeiten]

Der meistgelesene zeitgenössische rumäniendeutsche Autor, der in Rumänien wirkt, ist Eginald Schlattner. Mittlerweile in Deutschland schreibt die Banater Autorin Herta Müller.

Vorher wirkte Adolf Meschendörfer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Kronstadt.

Obwohl die meisten deutschsprachigen Menschen aus Rumänien ausgewandert sind, hat sich im Banat eine neue Literaturgruppe Die Stafette zusammengefunden, aus der neue deutschsprachige Autoren, die die Rumäniendeutsche Literatur weiterführen, hervorgehen könnten.

39. Poetopie

urossalideh – Wort einer zukünftigen Sprache: was bildet es ab? wohin führt es?

Hansjürgen Bulkowski

38. Dichter & Zeitung

Zum freundlich kredenzten Leitungswasser, teilt Marco Tschirpke ungefragt Schmeicheleien aus. „Ziemliches Käseblatt, Ihre Zeitung.“ Na, schönen Dank auch, Herr Dichter.

Der Dichter Marco Tschirpke ist auch Musiker, die Zeitung heißt Tagesspiegel und schreibt über ihn:

Wenn er irgendwo hingeht, möchte er etwas Neues erfahren, nie nur unterhalten werden. Getreu seinem Credo: „Du sollst das Publikum nicht unterfordern, das ist ein Verbrechen.“ Das ist sicher der Grund dafür, warum er die musikalische Form Lapsuslieder erfunden hat. Wer sich da nicht wie verrückt auf den Punkt konzentriert, ist draußen. So wie in der Ballade „Das Kleid“. Der eine halbe Minute kurze Song geht so: „Ich hatte dir ein Kleid gekauft. Sagte, wenn du’s trägst, mich freut’s. Du trugst es noch am selben Tag – zum Roten Kreuz.“ Ein tolles Lied. Gerade wegen der für schlichtere Gemüter vom Dichter gnädig angefügten Pointe.

37. Warten auf die Barbaren

Es ist eines der berühmtesten Gedichte des 20. Jahrhunderts, unzählige Male in zahllose Sprachen übersetzt, immer wieder analysiert und in literarischen Titeln aufgegriffen. Konstantinos Kavafis’ „Warten auf die Barbaren“ suggeriert indes nicht, dass die Schreckgestalten seines Titels nur eine erfundene Gefahr seien, wie oft irrtümlich angenommen. Was soll das Gedränge am Forum? / Die Barbaren werden heute erwartet, beginnt es in der deutschen Übersetzung von Olga Martynova. Warum beschließen die Senatoren keine Gesetze? / Wozu denn? Die Barbaren werden ihre Gesetze erlassen. // Was hat der Kaiser so feierlich in der Frühe auf seinem Thron zu suchen? / Oh, er erwartet den Führer der Barbaren, um ihn mit Titeln zu ehren.

Warum eilt das Volk verwirrt und erschrocken nach Hause? / Späher sind von den Grenzen zurückgekommen und sagten: / Es gibt weit und breit keine Barbaren. // Wie werden wir nun leben ohne die Barbaren? / In der Tat. Sie waren uns Erklärung, Hoffnung und Rechtfertigung / Oleg Jurjew, Tagesspiegel

36. Fix Zone

Seit März bietet Frank Milautzckis Kolumne Fix Zone auf Fixpoetry eine herausragende Quelle für Kulturnachrichten. Aktuell u.a.:

Celan und Trakl – Texte als Konzept   Recht neu auf Youtube sind durch den Komponisten Johannes Kreidler nach verschiedenen Vorschriften „vertonte Gedichte“ (er bedient sich dabei ausschließlich materieller textualer Aspekte = Struktur pur).

Zeitgehöft“ – 697 Gedichte von Paul Celan werden durch einen Sonifizierungsalgorithmus vertont. Jedem Buchstaben ist eine per Zufall bestimmte Tonhöhe zugeordnet. Zwischen jedem Gedicht ist eine halbsekündige Pause. Am Steinspiel: Ada Lovelace.

Der Herbst des Einsamen“ – 180 Gedichte von Georg Trakl als Binärcode, auf der Geige gespielt. Die Gedichte liegen als Binärcode vor. Auf der Geige wird der Ton „d“ entweder auf der leeren Seite (0) oder mit dem 1. Finger gegriffen (1) gespielt. Claude Shannon spielt die Violine.

Johannes Kreidler über das geflügelte Wort „Anything goes“:  „Weil die Digitalisierung ein Massenphänomen ist, heißt für mich mit dieser Technologie zu komponieren, gesellschaftlich aufgeweckt und thematisch bezogen zu komponieren. Das „Anything“ ist kein Selbstzweck, sondern ein riesiges Repertoire, aus dem ich aus inhaltlichen Gründen wähle, ob die Klarinette in pianopianissimo-Septolen oder einen Drumloop – jedenfalls kann beides Neue Musik sein. Der Kunstcharakter liegt für mich nicht mehr definitorisch an der klanglichen Oberfläche und in der strukturellen Tiefe, sondern wesentlich in Konzepten und Semantiken.“