67. Vorsicht KNST

1985 hat er angefangen mit der Mail-Art, damals in der DDR. Fast täglich schickte Wohlrab, wie viele andere Künstler auch, Karten raus, korrespondierte damals schon mit dem Politsatiriker und Grafiker Staeck in Heidelberg oder Robert Rehfeldt in Ost-Berlin, dem Vater der Mail-Art in der DDR. Ursprünglich kommt diese direkte Kunstform, die Galerien und Museen umgeht und sich nur zwischen Sender und Empfänger abspielt, aus den USA. Der New Yorker Künstler Ray Johnson hat in den sechziger Jahren zum ersten Mal eine Art künstlerischen Kettenbrief versendet, der weitergeleitet und ergänzt werden sollte.

In der DDR war die Mail-Art vor allem politisch. Rehfeldt stempelte immer wieder den Spruch „Kunst ist, wenn sie trotzdem entsteht“ auf seine Post. Und Wohlrab schrieb „Meine Karten sind Einbahnstraßen“ oder eindeutig zweideutig: „Vorsicht KNST!“. Zwar galt Mail-Art ab der zweiten Hälfte der siebziger Jahre als ein probates Mittel der freien Meinungsäußerung – auch in diktatorisch regierten Ländern Südamerikas. Ungefährlich war sie für ihre Schöpfer jedoch nicht. KNST, das kann für Kunst und Knast stehen. / Anna Pataczek, Tagesspiegel 30.9.

66. Literaturpreis

Das Parlament der Föderation Wallonien-Brüssel vergibt seinen Literaturpreis 2013 an den Dichter Philippe Mathy für den Band „Sous la robe des saisons“. Die Jury besteht aus Mitgliedern der Königlichen Akademie der französischen Sprache und Literatur, des Verbandes belgischer Schriftsteller französischer Sprache, des internationalen PEN-Clubs sowie Vertretern des Jugendrats. Philippe Mathy (eigentlich Philippe Claus) wurde 1956 im Kongo geboren. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird seit 1975 jährlich an einen Autor vergeben, der „die Sensibilität der Föderation Wallonien-Brüssel veranschaulicht oder ihrem kulturellen Erbe verpflichtet ist“. (Belga) / Le vif

65. Neuer Leiter

Zum 1. Januar 2014 übernimmt Dr. Holger Pils die Leitung der Münchner Stiftung Lyrik Kabinett, die die europaweit zweitgrößte Lyrik-Bibliothek (mit 50.000 Medien) unterhält, regelmäßig Autorenlesungen ausrichtet und Editionen vorlegt.

Dr. Pils leitet seit April 2009 das Buddenbrookhaus in Lübeck und tritt in München die Nachfolge von Dr. Maria Gazzetti an, die seit September die Casa di Goethe in Rom verantwortet. Geboren 1976, studierte Holger Pils Germanistik und Geschichte in Heidelberg und promovierte dort über Thomas Mann. Von 2005-2007 war er Pressesprecher der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck und danach Dozent am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg.

Ursula Haeusgen, die Stifterin des Lyrik Kabinetts, freut sich sehr, so schnell einen kenntnisreichen, erfahrenen, begeisterten – kurz: einen überzeugenden – Nachfolger gefunden zu haben.

Holger Pils selbst zu seiner neuen Aufgabe: „Ich freue mich sehr darauf, in München eine Institution zu leiten, die in der deutschen Literaturlandschaft einmalig ist: gewachsen aus reiner Begeisterung und privater Initiative, ganz der Lyrik gewidmet, d.h. einer einzelnen Gattung – in ihrer unendlichen inneren Vielfalt. Ich bin gespannt auf die Programmarbeit, die internationaler und gegenwartsbezogener ist als meine bisherige Tätigkeit. Ich möchte die von Ursula Haeusgen und Maria Gazzetti gepflegten hohen Ansprüche fortsetzen. Zugleich möchte ich Wege finden, das Kabinett noch weiter zu öffnen und der Poesie eine noch stärkere Lobby zu verschaffen.“  Im Zentrum der Aufmerksamkeit soll weiterhin die Begegnung mit dem Wort des Dichters stehen: die Lesung. Mit den Planungen für das Programm hat Holger Pils bereits begonnen.

Ursula Haeusgen und Holger Pils

für die Stiftung Lyrik Kabinett

64. Schottenfreude

Neue Bildungen, der deutschen Sprache vorgeschlagen, bei der New York Times. Darunter: Herbstlaubtrittvergnügen, Schmutzwortsuche, Plauschplage.

63. Keine Angst

„Also, liebe Blogger, habt keine Angst vor dem Zitieren. Schreibt weiter eure Kritiken und bekräftigt sie mit den richtigen Beleg-Stellen!“, ruft Wolfgang Michal in Carta und antwortet damit auf einen Artikel Gregor Dotzauers im Tagesspiegel, der berichtet, dass die FAZ neuerdings von den Buchverlagen Lizenzgebühren für Kritikerzitate auf dem Klappentext will. Dotzauer bezieht sich auf einen Prozess zwischen FAZ und buch.de vor dem Münchner Landgericht, dessen Urteil am 8. November gefällt wird. „Ob Buchverlage Kritiker künftig nur noch gegen Rechnung beliefern? Ob sie schlampige, nur den Waschzettel abschreibende Rezensenten ihrerseits verklagen? Die konkrete Gefahr ist weniger, dass jetzt alle Maß und Verstand verlieren, sondern dass juristische Trittbrettfahrer aus dem bevorstehenden Münchner Urteil, dessen Ausgang festzustehen scheint, Kapital schlagen. Die entsprechenden Abmahnkanzleien stehen schon bereit.“ / Perlentaucher

62. Schmuggelware

Die Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs „Kassiber. Verbotenes Schreiben“ hat Liao Yiwus handschriftliche Geheimbotschaften aus chinesischen Gefängnissen als die zentralen heutigen Zeugnisse der literarischen Gattung Kassiber präsentiert. Als brisante Schmuggelware muss man auch die jetzt erschienenen 30 „Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit“ ansehen. (…)

Gerade Sinologen, die sich dem Regime gegenüber verpflichtet fühlen und glauben, am Wahrheitsgehalt von Liao Yiwus eigenen Gefängniserfahrungen zweifeln zu sollen, möchte man dieses neue Buch mit Nachdruck empfehlen. Den unbefangenen Leser erwartet neben dem düsteren Schauder auch das helle Lachen lauterer Erkenntnislust. / Herbert Wiesner, Die Welt 12.10.

Liao Yiwu: Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch. A. d. Chin. v. Hans Peter Hoffmann. S. Fischer, Frankfurt/M. 490 S., 24,99 €.

61. USA: poetry on stage

Die Black Box der Opera stabile öffnet sich auch in der Spielzeit 2013/14 zwei Mal für spannende Begegnungen von Musik und Literatur aus dem 20. und 21. Jahrhundert, die neue Musiktheatererlebnisse schaffen. Die Produktion „USA: poetry on stage“ verbindet Texte von Allen Ginsberg und Jack Kerouac mit musikalischen Werken der amerikanischen Moderne von Charles Ives, John Cage und George Crumb. Neben „Howl“ wird der Briefwechsel zwischen Allen Ginsberg und Jack Kerouac szenisch umgesetzt: Er spiegelt den rebellischen Geist der Beatniks, ihre Liebessehnsucht und kompromisslose Sexualität, ihre Verachtung der gängigen Lebensnormen, aber auch ihre zynische Rivalität. Das Textszenario entwarf Operndirektor Francis Hüsers: „‚Poetry on stage‘ haben wir den Abend genannt, weil alle diese Werke – ob Musikstück, Gedicht, Lied, Song, Roman oder Brief – immer ihre formalen Bedingungen und Traditionen mitreflektieren: das Sich-Darbieten des Künstlers und das Experimentieren damit. Die Inhalte der einzelnen Stücke können schockieren, trösten oder auch nur banal wirken, das künstlerische Ich spiegelt sich immer auch in der Form.“ / hamburg-magazin

60. Orhan Veli

Orhan Veli
13. April 1914, Istanbul – 14. November 1950, ebenda

3 Gedichte übersetzt von Safiye Can (hier mehr)

Fürs Vaterland

Was wir nicht alles für dieses Land taten!
Einige starben,
Andere hielten Reden.

(hier das Original und eine andere Version)

Auf der Straße

Wenn ich auf der Straße gehe
Und bemerke, dass ich vor mich hin lächle
Muss ich daran denken
Dass sie mich für verrückt halten
Und muss lächeln.

Umsonst

Umsonst leben wir, umsonst,
Die Luft ist umsonst, die Wolken umsonst,
Berge und Bäche sind umsonst,
Regen und Matsch umsonst,
Die Außenfassade der Kraftfahrzeuge,
Die Türen der Filmtheater,
Die Schaufenster sind umsonst,
Brot und Käse nicht, jedoch
Schales Wasser ist umsonst,
Die Freiheit für den Preis eines Kopfes,
Das Sklavendasein umsonst,
Umsonst leben wir, umsonst.

59. Bücherdämmung

Hunderte Tonnen alter Bücher verarbeiten Ellen Vegelahn und ihr Mann jedes Jahr: Aus den Seiten der Bücher stellen sie Ökowolle her, die Hauswände dämmt. Das tut manchmal ein bisschen weh, ist aber ökologisch – und muss unter strengster Geheimhaltung geschehen. (…) Rund 300 Tonnen überzählige Exemplare aus den Buchverlagen landen hier pro Jahr. (…) „Rechte Literatur haben wir grundsätzlich abgelehnt zu vernichten, ganz ehrlich, das würde ich auch keinem Kunden zumuten: Dämmung aus rechter Literatur, das war für uns immer ein Tabuthema. Was wir auch mal abgelehnt hatten, waren Koranvernichtungen.“ / Maicke Mackerodt, DLR

 

58. Lyrikklau

Rätselhafter Diebstahl in beachtlichem Umfang auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

in der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober wurden am Messestand der Edition Korrespondenzen (Halle 4.1 E 47) insgesamt 22 und damit knapp ein Drittel der auf der Frankfurter Buchmesse ausgestellten Bücher des Verlages entwendet.

Neben 10 Bänden der Schriftstellerin Zsuzsanna Gahse fehlten am Freitagmorgen sämtliche Ausstellungsstücke der Lyrikreihe tradukita poezio.

Mit Lidija Dimkovska (Makedonien), Stanka Hrastelj (Slownien), Claudiu Komartin (Rumänien), Luljeta Lleshanaku (Albanien), Dragana Mladenović (Serbien), Marko Pogačar (Kroatien) und Faruk Šehić (Bosnien) werden in der gemeinsam mit dem literarischen Netzwerk TRADUKI herausgegeben Reihe bedeutende, erstmals ins Deutsche übersetzte junge Dichter aus Südosteuropa vorgestellt.

Die Messepolizei bestätigte gegenüber dem Verlag, dass es sich um einen Einzelfall handle und für diese Nacht keine weiteren Diebstähle in der Halle
4.1 gemeldet wurden.

Der Verleger Reto Ziegler meinte nach seiner Rückkehr aus Frankfurt:

„Ein solch umfangreicher gezielter Diebstahl auf einer Messe sucht seinesgleichen. Zsuzsanna Gahse ist eine der faszinierendsten AutorInnen und die Reihe tradukita poezio eine einmalig Sammlung der wichtigsten jungen lyrischen Stimmen aus der reichen Literaturlandschaft Südosteuropas. Mir ist verständlich, dass man diese Bücher unbedingt haben will, aber das rechtfertigt natürlich nicht, dass man die Bücher einfach klaut. Eine solche Ehrlosigkeit mag ich meinen KollegInnen aus den Verlagen – die zu dieser Zeit als einzige Zugang zu den Hallen hatten – genauso wenig unterstellen wie einen bösartigen Diebstahl aus Neid oder Hass oder gar als Attacke gegen die junge Lyrik aus Südosteuropa. Zum Glück ist dies ein bisher einmaliger Vorfall und wir hoffen natürlich, dass es dabei bleibt.“

(Pressemitteilung des Verlages)

Edition Korrespondenzen
Edition Korrespondenzen

57. An der Lyrik liegts nicht

Deutschlandfunk Büchermarkt. 11.10.2013. 16:10 Uhr
Denis Scheck sprach mit Georg M. Oswald und Jo Lendle über den Tod des Midlist-Buches und Wege zur Rentabilität

[…]
Oswald:
Im Großen und Ganzen ist es natürlich schon so, dass man sich bei jedem Titel die Frage stellen muss, […] traut man dem Buch den Verkauf zu? Und wenn man das Titel pro Titel rechnet, dann kommt man oft an Stellen, wo man sich sagt, irgendwie schwierig.
Gleichwohl ist es so einfach nicht, dass man dann sagen kann: Naja die, bei denen es sich nicht rechnet, die macht man nicht, weil dann bleibt zu wenig übrig.

Scheck: Jo Lendle, wenn ich mir vorstelle, wie sie die aktuelle Hanser-Vorschau durchblättern — mit diesen Überlegungen im Kopf, was bleibt da von der Edition Akzente übrig, beispielsweise, oder der Edition Lyrik Kabinett? Das sind doch alles Bücher, von denen man bei Erscheinen weiß, dass sie nichts zum ökonomischen Erhalt des Verlages beitragen, sondern wahrscheinlich Verlust machen.

Lendle: Ja, ich würde deswegen dieses Verlagskonzept gar nicht so unterschreiben. Aus zwei Gründen. Zum einen gehört zum Gesamtversprechen, das ein Verlag gibt ja auch, dass es da die Bücher zu entdecken gibt, die unser aller Glück dann auch ausmachen — neben dem Buch, das alle gelesen haben und über das alle sprechen, will man ja dann doch auch noch die kleineren, schrägeren, prickelnderen Bücher finden.
Ökonomisch ist das gar nicht so das Problem. Ich hab überhaupt keine Schwierigkeiten damit, einen Lyrikband herauszugeben, weil ich exakt weiß, was der mich kostet. Da ist sozusagen kein Risiko drin, das muss ich in meinem Gesamtplan einrechnen.

Scheck: Pleite gehen Verlage an Lizenzen, für die sie für anderthalb Millionen kaufen und an denen sie nur eine Million verdienen.

Lendle: Exakt, exakt. Genau. Das sind wirklich die Dinge, die uns wirklich dazu bringen, uns aus der Halle 3.1 der Frankfurter Buchmesse zu stürzen, weil wir sagen: Das ist jetzt vorbei. Aber bei einem Lyrikband, da spring ich noch nicht mal eine Treppenstufe runter, wenn der plötzlich seine 10.000 Euro Miese einbringt.

Nachhörbar im Archiv

(Danke an Ron Winkler)

56. Gestern

… vor 947 Jahren schlug Wilhelm der Eroberer die Engländer in der Schlacht bei Hastings. König Harold II verfolgte die Normannen, wurde aber durch Kriegslist geschlagen und getötet. Am 25.12. wurde William in London zum König gekrönt.

Heinrich Heine schrieb eine Romanze vom „Schlachtfeld bei Hastings“, die so beginnt:

Romanzero. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1851

… vor 119 Jahren wurde Edward Estlin Cummings in Cambridge/ Mass. geboren.

Zwei Kostproben seiner Gedichte aus meiner gestrigen Postmappe (Mail ist ein poetisches Medium):

i carry your heart with me(i carry it in
my heart)i am never without it(anywhere
i go you go,my dear;and whatever is done
by only me is your doing,my darling)

——-

O sweet spontaneous
 earth how often have
 the
 doting
 
                fingers of
 prurient philosophers pinched
 and
 
 poked
 thee
 , has the naughty thumb
 of science prodded
 thy
 
          beauty                  how
 often have religions taken
 thee upon their scraggy knees
 squeezing and
 
 buffeting thee that thou mightest conceive
 gods


55. Zíngano und Domeneck

Und langsam findet die brasilianische Lyrik auch ihren Weg nach Europa. Weitab von esoterischer Dichtung à la Paulo Coelho entwickeln junge Dichter eigene Konzepte und Gedankengänge. Eine davon ist Érica Zíngano. In ihren Gedichten benutzt sie gern banale Bilder, um Spannungen innerhalb der Sprache aufzudecken oder betont mit rhythmischer Monotonie den alltäglichen Trott. Ein anderer brasilianisch-stämmiger Künstler ist Ricardo Domeneck. Er verbindet Dichtung und Körper, rezitiert bei den Lesungen manchmal verkrampft und kurzatmig, manchmal entspannt und tanzend seine Gedichte. Bei beiden spielt der Rhythmus – in Form des getakteten Alltags oder als befreiendes Element – eine große Rolle. Im Lyrik Kabinett werden auch Texte von anderen brasilianischen Dichtern vorgestellt und von Zíngano und Domeneck gelesen. / Die Welt

ZEPPELIN poetico, Lyrik Kabinett (Amalienstr. 83/Rgb.), Dienstag, 20 Uhr, 7 Euro

54. Latinale

Datum

Vom 15/10/2013 bis zum 19/10/2013

Orte

Instituto Cervantes
Rosenstr. 18-19
10178 Berlín

Instituto Iberoamericano
Potsdamer Str. 37
10785 Berlín

Freie Universität (Lateinamerika-Institut)
Rüdesheimer Str. 54-56
14197 Berlín

Lettrétage
Mehringdamm 61
10961 Berlín

Theater 89
Putlitzstr. 13
10551 Berlín

Latinale: 8. Mobiles lateinamerikanisches Poesiefestival. Literarischer Vortrag

Das mobile lateinamerikanische Poesiefestival Latinale (gegründet 2006 in Berlin) ist dieses Jahr zum achten Mal in Folge in Deutschland unterwegs! An mehreren Spielstätten in Berlin sowie in Jena und Osnabrück erwarten das Publikum Lesungen, Workshops, Gespräche sowie Buch- und Buchobjektpräsentationen.   Ganz real, ja sogar hiesig muten die poetischen Sichtweisen an, die die Latinale dieses Jahr im Original und in deutscher Übersetzung präsentiert. So schreibt sich ein Gedichtzyklus in Spandau ein und erlaubt es sich gar, auf Deutsch zu fluchen. Ein anderer Text fremdelt angesichts der „Poeme der Wall Street“. Und ein weiterer Dichter schreibt über seine Heimatstadt Brasilia so politisch-ironisch wie einst Heinrich Heine. Und doch stammen alle diese poetischen Perspektiven aus mehreren Ländern Lateinamerikas, vor allem der Karibik und Brasilien, dem diesjährigen Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.   Latinale ist eine Plattform, die sich unterschiedliche Strategien zu eigen macht, um lateinamerikanische Literatur sichtbar zu machen. Wie immer steht Poesie als dynamisches Format im Vordergrund: kein Gedicht aus Lateinamerika wird jemals gleich gelesen!

Teilnehmer

  • Gloria Dünkler
  • Wingston González
  • John Jairo Junieles
  • Rafael Montovani
  • Augusto Rodríguez
  • Karen Sevilla
  • Ángel Ortuño
  • Laura Wittner
  • Ricardo de Carvalho Duarte
  • Nicolás Behr

Entidades Organizadoras

Instituto Cervantes (Berlín)

Kooperationspartner

Embajada de Colombia (Alemania), Embajada de México (Alemania), Universidad Libre de Berlín, Instituto de Estudios Latinoaméricanos / Freie Universität Berlin. Lateinamerika-Institut, Instituto Iberoamericano (Berlín) / Ibero-Amerikanisches Institut (Berlín)Universidad de Osnabrück / Universität Osnabrück, Colegio Internacional de Graduados “Entre Espacios“ / Internationales Graduiertenkolleg “Zwischen Räumen“, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Iberoamerica Jena e.V.

Enlaces relacionados

Programm Latinale

Das Programm

Latinale 2013

8. Mobiles lateinamerikanisches Poesiefestival / VIII Festival rodante de poesía Latinoamericana

In Jena

Mittwoch, 16. Oktober, 19:00 Uhr – Eintritt frei
Latinale in Jena. Lesung und Gespräch [sp./dt.]
mit Augusto Rodríguez und Karen Sevilla
In Kooperation mit „Iberoamérica e.V.“ und der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Moderation: Diana Grothues
Haus auf der Mauer / Gewölbekeller, Johannisplatz 26, 07743 Jena
www.internationales-centrum-jena.de

 

In Berlin

Dienstag, 15. Oktober 2013, 19:00 Uhr – Eintritt 5/3 €
Poetry Clash. Brasilien gegen Deutschland [pt./dt.] mit Nicolás BehrChacal,
Rafael MantovaniSabine SchoUlf Stolterfoth und Jan Wagner
In Kooperation mit Berliner Literarische Aktion e.V.
Moderation: Martin Jankowski und Timo Berger
Musik: Aurelie Maurin spielt Berlin Bossa
Theater 89, Putlitzstraße 13, 10551 Berlin
www.theater89.de

Mittwoch, 16. Oktober, 19:00 Uhr – Eintritt frei
Lesung und Gespräch [sp.] mit John Jairo Junieles
In Kooperation mit „alba. lateinamerika lesen“
Moderation: María I. Schulz
Kolumbianische Botschaft, Taubenstr. 23, 10117 Berlin

Donnerstag, 17. Oktober, 19:00 Uhr – Eintritt frei
El disparador poético. Objetos que inspiran. Gespräch und Lesung [sp./pt.]
mit Gloria DünklerWingston GonzálezJohn Jairo JunielesÁngel Ortuño und Karen Sevilla
Special Guests: Nicolás Behr und Chacal
Moderation: María I. Schulz
Im Anschluss Empfang
Ibero-Amerikanisches Institut, Potsdamer Str. 37, 10785 Berlin
www.iai.spk-berlin.de

Freitag, 18. Oktober, 20:00 Uhr
 – Eintritt 5/3 €
Poesienacht. Lesung [sp./pt./dt.] mit Gloria DünklerWingston GonzálezJohn Jairo JunielesRafael MantovaniÁngel OrtuñoAugusto Rodríguez, Karen Sevilla und Laura Wittner
Moderation: Martin Jankowski
Im Anschluss Empfang
Instituto Cervantes, Rosenstr. 18-19, 10178 Berlin
www.berlin.cervantes.es

Anschließend PARTYLOUNGE
Eis36, Adalbertstr. 96, 10999 Berlin
www.eis36.de

Samstag, 19. Oktober, 13:00 – 17:00 Uhr – Teilnahme frei
Übersetzungsworkshop für Schüler/-innen, Studierende und Interessierte
mit den Dichterinnen und Dichtern der Latinale 2013
Leitung: Rike Bolte und Diana Grothues
Lateinamerika-Institut, Rüdesheimer Str. 54-56, 14197 Berlin
www.lai.fu-berlin.de

Samstag, 19. Oktober, 20:00 Uhr
 – Eintritt frei
Latinale in der Lettrétage. Lesung [sp./pt./dt.] mit Luis ChavesWingston GonzálezRery Maldonado, Odile Kennel und Érica Zíngano
In Kooperation mit dem hochroth Verlag
Moderation: Johanna Raabe
Im Anschluss Party mit Live-Musik
Lettrétage, Mehringdamm 61, 10961 Berlin
www.lettretage.de

 

In Osnabrück

Dienstag, 22. Oktober, 18:30 Uhr – Eintritt frei
Latinale in Osnabrück. Lesung und Gespräch [sp./dt.]
mit Gloria Dünkler und Wingston González
In Kooperation mit der Universität Osnabrück
Moderation: Rike Bolte und Susanne Schlünder
Literaturbüro Westniedersachsen, Am Ledenhof 3-5, 49074 Osnabrück
www.literaturbueros.de

 

53. Tod durch Musen

SZ: Ihr erster großer Sammelband, erschienen im Jahr 1966, hieß ‚Tod durch Musen‘. Können Sie sich den Titel noch erklären?
Friederike Mayröcker: Mein Gedanke war, dass man als Schreibender, wenn man es ganz intensiv betreibt, so wie ich es gemacht habe und immer noch mache, an einen Punkt kommt, wo man kaputt geht. ‚Tod durch Musen‘ ist ganz buchstäblich zu verstehen. Wenn der Schreibende das Äußerste hergibt, erreicht er das Ende. Und die Musen sind schuld daran. Das war mein Gedanke damals.
Dann sind Musen also eher verderberische Wesen. Aber haben sie nicht auch etwas Freundliches?
Nein, man gibt sich ja total her. Man schreibt, bis einem die Schreibmaschine aus der Hand fällt. Die Musen sind schuld daran, dass man kaputtgeht.

(…)

Gibt es für Sie so etwas wie weibliches Schreiben?
Das ist eine sehr heikle Frage. Ich glaube nicht, dass es ein weibliches Schreiben gibt. Es gibt eine gute Kunst, und es gibt eine miserable Kunst, dann ist es eben keine Kunst mehr. Was jetzt so getrieben wird mit weiblicher Kunst oder dass man die ‚Dichterinnen‘ unter Anführungszeichen fördern müsse, das ist alles missglückt. Denn wenn ein Mensch schreibt und die Sache gut ist, ist es ganz egal, ob es eine Dichterin oder ein Dichter ist. Es muss gut sein. Es muss erstklassig sein, dann ist es auch egal, ob es ein weiblicher Dichter ist oder ein männlicher. Ich bin also sehr skeptisch, was die Förderung der ‚Dichterinnen‘ betrifft. Es wird da einiges gefördert, das nicht förderungsfähig ist. Da stoße ich mit meiner Meinung manchmal auch auf Widerstand.
Sollte man Kunst dann überhaupt öffentlich fördern?
Das ist eine Frage, die ich mir auch oft stelle. Ich denke, man spürt, was man fördern sollte. Man braucht nur ein paar Seiten eines jungen Autors zu lesen, dann weiß man, ob es Zukunft in sich trägt oder nicht. Wenn ein junger Autor etwas verspricht, dann sollte man ihn fördern.

Michael Stallknecht sprach mit Friederike Mayröcker, Süddeutsche Zeitung 7.10.