12. Hate speech

Recently a piece has made its way around poetry circles via the relatively obscure web lit magazine, Claudius App. Written by “Jacqueline Rigault” and skewering dozens of poets, both well-known and emerging, the piece on its surface is just the kind of sensationalistic silliness we imagine the journal’s editors hoped would make the rounds and, in turn, a name for the editors and their project. And it did, but likely not in the way they expected. You see, the joke was sour out of the gate and even the most casual reader found the misogyny obvious and off-putting at best. While most of the male poets mentioned in the piece are skewered for reasons of talent, many of the women poets are spoken about in terms of their physical attributes. One young poet, Cassandra Gillig, was referred to as “statuatory,” illustrating how casually rape culture is perpetuated by some in even the supposedly progressive lit scene.

The author of this piece is not “Jacqueline Rigault,” not, in fact, a woman at all, but a young man named Jeff Nagy, who is also one of the editors of the Claudius App. Once the backlash began, Nagy began switching poets’ names around, hoping to avoid the stain of misogyny on his reputation and that of the journal because, unfortunately for him, Nagy didn’t realize his words would come across offensively until readers screengrabbed and began sharing excerpts from the original.

GILLIG
MYLES

We reached out to poet Eileen Myles, who had this to say:

“Mostly I was offended by the guise of being female as author. it’s the oldest trick for a cowering man – or one who wants to do his dirty deed without harming his own name. And then of course shit talking women as a woman. The US government does it in other countries when it wants to get rid of governments they don’t like. Counter revolution. Infiltration of the crowds. Really too many women are being heard from abundantly in the poetry world and we must reinstate the rule of men. I think there was some sneaky poetry camp spitting too – Dottie, Adam and Tim were singled out and that meant they are not “our” white man’s tribe. He seems to abhor the mixing of worlds. Yet he wants what they have I believe. Why not write a review, Sneak. The problem with reviews is you don’t get to attack the person. Somehow as a pseudo French woman I think he assumed he would get a pass on that kind of attack. Finally I was thinking about a Leigh Bowery performance in London in the 90s I heard about in which he was performing an enema on himself on stage. The action backfired literally and he got shit all over the audience. I don’t think the people shat on here are the readers or even the subjects of his rant. I think the poets whose work are in Claudius app are made complicit. By roping them in here, the unnamed author (I don’t know him) used their credibility, their work to erect a platform of attention for his unhappy whine. Again my own work is not even mentioned, I’m more of a thing in here, kind of an old moral failure which is true and stupid and irrelevant.”

(…)( If misogyny is unremarked upon and allowed to thrive in the quirky hipster circles of the poetry world, then the entire writing community, as Lasky states, has a lot of work left to do. Instead of simply supporting publications like the Claudius App who perpetuate a hatred for female poets, we can at least call to public attention the derisive ways they frame and position women writers so that future contributors might think twice before hitting the send button. / Amy King and Lynn Melnick, vidaweb

Besprechung: Boston Review

The Claudius App

11. Vera Lourié

360.000 Russen lebten damals in der Stadt, darunter die Crème de la Crème der russischen Kultur. In den Cafés konnte man Gorki, Belyj, Jessenin oder Marina Zwetajewa treffen. Genauso wie die Maler Chagall, Lissitzky oder Kandinsky. Es gab Blini und Bortsch, serviert von Großfürsten. Alle waren sie vor der Revolution und dem Hunger in den frühen Jahren der Sowjetunion geflohen.

Wegen der Inflation war Deutschland ein beliebtes Emigrationsland. „Die deutsche Mark galt damals nichts“, erinnert sich etwa Majakowskis große Liebe Lilja Brik, „sodass wir in unerwartetem Reichtum schwelgten“. 1923, mit der Währungsreform, war es damit vorbei. Nach und nach verließen die Emigranten Berlin. Die deutschen Gesetze hatten sie ohnehin dazu gezwungen, auf gepackten Koffern in möblierten Zimmern, Hotels und Pensionen zu leben. Ein Teil der Flüchtlinge zog weiter nach Frankreich und in die USA, ein anderer Teil ging zurück und passte sich dem Sowjetregime an.

Eine, die mit ihrer Familie in Berlin blieb, war die Dichterin Vera Lourié. Während viele andere Autoren, die sich Anfang der zwanziger Jahre in Berlin versammelt hatten, in die russische Literaturgeschichte eingingen, blieb Lourié jedoch unbekannt. Zwar waren viele ihrer Gedichte, Erzählungen und Feuilletons in russischen Exilzeitschriften erschienen, aber bereits in den dreißiger Jahren verstummte sie und schlug sich in Berlin mehr schlecht als recht durch, indem sie Russischstunden gab.  / Fokke Joel, Die Zeit

10. Hamburg „RENKU“-Dichtaktion

Das HAMBURG BALLETT: „RENKU“-Dichtaktion wird verlängert

Die zum Frühlingsanfang vom HAMBURG BALLETT initiierte Dichtaktion zum Ballett „RENKU“ wird auf die beiden Vorstellungen am 11. und 16. Mai 2014 ausgedehnt. Zahlreiche Gedichte auf Deutsch, Englisch und Japanisch, von sechsversigen Kurzgedichten bis hin zu 39-seitigen Großwerken, waren eigens für die Aktion geschrieben worden. Die große Beteiligung veranlasst das HAMBURG BALLETT, die Aktion fortzusetzen.

„Ich freue mich, dass die Dichtaktion verlängert wird“, sagt Yuka Oishi, Choreografin von „RENKU“, „uns haben wirklich wunderschöne Gedichte erreicht und ich habe den Eindruck, dass die Aktion auch zu einem besseren Verständnis für unser Ballett beiträgt“. Auch Orkan Dann, der das Ballett „RENKU“ mit Yuka Oishi choreografiert hat, zeigt sich begeistert: „Es freut mich zu sehen, wie das Publikum uns durch das Dichten nähergekommen ist und sieht, wie außergewöhnlich Kunst sein kann, wenn zwei Menschen ihre Ideen und Emotionen zusammen zum Ausdruck bringen.“

Wer bis zum Tag einer „RENKU“-Vorstellung des HAMBURG BALLETT im Mai ein Renku-Gedicht schreibt, erhält für denselben Abend eine kostenlose Eintrittskarte für das gleichnamige Ballett – am Aktions-Schalter im Foyer der Hamburgischen Staatsoper. Diese Aktion gilt für die beiden „RENKU“-Vorstellungen des HAMBURG BALLETT im Mai 2014.

Was ist ein Renku?

Renku bedeutet wörtlich „verkettete Verse“. Die Tradition des gemeinsamen Dichtens zweier oder mehrerer Autoren reicht weit in die japanische Literaturgeschichte zurück. In der Renku-Dichtung besteht die Kunst darin, einen Anschluss an den vorangegangenen Vers zu finden und dann mit einem phantasievollen Sprung in neue Schauplätze und Stimmungen einzutauchen.

Wie schreibe ich ein Renku?

Setzen Sie sich mit jemandem zusammen und schreiben Sie ein Gedicht von mindestens sechs Versen. Jeder Vers umfasst zwei bis drei Zeilen. Zwischen den Versen wechseln Sie sich ab, dabei wird das Thema des ersten Verses aufgegriffen, aber der Schauplatz oder die Stimmung gewechselt. Der Anfang sollte leicht beschwingt sein, den Frühling thematisieren. Das Ende sollte einen positiven Ausblick geben. Reime sind übrigens nicht zwingend notwendig. Mailen Sie Ihr Renku-Gedicht an renku@hamburgballett.de bis spätestens 15.00 Uhr am Tag der „RENKU“-Vorstellung, die Sie besuchen wollen. Alle ernstgemeinten Zuschriften werden geprüft und beantwortet.

Choreografie: Yuka Oishi und Orkan Dann
Musik: Franz Schubert/Gustav Mahler, Alfred Schnittke und Philip Glass

/ Hamburg Magazin

9. Versesammler / Gammler

Im Suhrkamp-Blog Durs Grünbein über seinen neuen Gedichtband:

Der Zyklus kam eines Tages einfach in Gang  und begann für sich selbst zu sprechen, nicht anders als die Sonette an Orpheus, wenn auch in einer leichteren Tonlage und ohne das strenge Formgerüst. Daß die einzelnen Stücke nicht immer unmittelbar evident sind, war mir bewußt. Schon die erste Zeile führt ja in eine Unbestimmtheitszone – und aus ihr folgt vieles weitere. Ein leichtes Schwindelgefühl ist von Anfang an im Spiel – so als würde man plötzlich von der Erde abheben ohne zu wissen warum. So hat das Subjekt der ersten Zeile sofort etwas Schillerndes. Unter dem voraussetzungslosen »Er« machen sich mindestens drei Vertreter auf die Reise: die barocke Persona Cyrano de Bergerac, der weltraumerobernde Mensch an sich – und der Poet, von dem es heißt, er sei der »Versesammler, der Gammler / Des Universums«.

8. Meisenprinz

Berlin, das ist ein guter Ort, um Gedichte zu schreiben. Sagt einer, der es wissen muss. Lutz Steinbrück, geboren in Bremen, aufgewachsen und zur Schule gegangen in Delmenhorst, ist seit 2004 Berliner – und dort zum Lyriker geworden. Lyrik, ist das eigentlich noch zeitgemäß? Das ist keine Frage, mit der sich der 42-Jährige lang beschäftigt. Die Worte kommen eben – und sie müssen raus. „Dabei bin ich als Lyriker ein Spätstarter“, sagt Steinbrück. (…)

„In Berlin gibt es eben so viele skurrile Typen“, sagt er und erzählt von dem Meisenprinz, der in die U-Bahn stieg und ständig schrie: „Wer hat die Perserkatze erfunden?“. Der Beginn eines neuen Gedichts – frei Haus geliefert. / Marco Julius, Weser-Kurier

7. Listen to Sappho

Edith Hall reading in Greek the newly discovered Sappho poems on BBC Newsnight January 2014

Und eine weitere Aufnahme zum Mitlesen:

6. Rediscover Cummings?

But it’s astonishing how far Cummings’s literary star has fallen. When he died in 1962, the only poet more widely read in the United States was Robert Frost. The man whom Ezra Pound called “Whitman’s one living descendant” is rarely read today nor taught much outside the precincts of the high school classroom. We’re overdue for a reexamination of Cummings and his place in the canon — perhaps, this time, something aimed at a general readership, a little chapel of insight and appreciation to encourage a new generation to discover the pleasures of this inventive and bracingly lyrical poet. / Steven Ratiner, Washington Post

5. Sao Paulo

WADE GOODWYN, HOST:

Sao Paulo is one of the biggest cities in the world and one of the economic engines of South America. Its center is known for its fancy malls, posh departments and even helicopter landing pads. The outlying areas where the vast majority of the workforce live are known for poverty and crime, less often for poetry and high culture. NPR’s Lourdes Garcia-Navarro reports on efforts to change that.

LOURDES GARCIA-NAVARRO, BYLINE: Booze and poetry have a long and honorable tradition that goes back millennia. In ancient Greece, poems would be recited at drinking parties. Here in Sao Paulo’s peripheria, or periphery, poetry night is held at a corner bar by necessity, not by choice. And there aren’t any marble columns. Located in a shanty town, when we arrive, the bar is so full that people flow out onto the street and sit under streetlamps smoking and holding small glasses of beer, waiting for the event to begin.

SERGIO VAZ: (Through translator) This is a very poor and needy area. We don’t have public spaces here like a movie theater or museums. The only public space we have is the bar. So we decided to transform the bar into a cultural center. The idea was to occupy space we have. / mehr

4. Farhad Showghis neue Sprachstückli

In verbrachter Zeit – so lautet der ebenso schlichte wie merkwürdige Titel, unter dem Farhad Showghi seine neuen Prosagedichte in einem schmalen Band zusammenführt. Prosagedichte! Dichterische Prosa? Prosaische Gedichte? Die Genrebezeichnung tut nicht viel zur Sache. Konkret handelt es sich um Mikrotexte von höchster Komplexität und Einfachheit. Einfach und komplex zugleich sind diese minimalistischen Gebilde, die man mit Robert Walser, einem der bevorzugten Referenzautoren Showghis, gern als „Sprachstückli“ bezeichnen würde – als sprachliche Kunststücke in kleinstem Format.

Was Showghi in Kleinformat vorführt, ist grosse Sprachkunst, ist Dichtung, die sich in stetigem Widerspruch zu Logik, Kausalität, Chronologie ebenso witzig wie tiefsinnig behauptet. Was zunächst leicht zu lesen ist, erweist sich bei näherem Hinsehen und wiederholter Lektüre als äusserst vertrackt. Wir haben es hier mit Texten zu tun, in denen sich, ihrer vordergründigen Unbedarftheit zum Trotz, ein dezidiert irreguläres Denken und Imaginieren kundtut.
Die schlicht instrumentierten Prosagedichte (sie kommen ohne Fremdwörter, fast ohne Neologismen, ganz ohne lyrische Überhöhung aus) provozieren durchweg den sogenannten gesunden Menschenverstand, indem sie die automatisierte Alltagsrede wie auch korrektes Argumentieren und Schliessen konsequent unterlaufen. / Felix Philipp Ingold, Planet Lyrik

Weitere Rezension zu diesem Buch:

Farhad Showghi: In verbrachter Zeit. Prosagedichte. Berlin (kookbooks) 2014. 96 S., 19,90 Euro.

3. Is poetry useful?

In the 4th part of the National Poetry Month blog, I ask America’s best poets to answer five more questions by readers of poetry.

1. April 23 is Shakespeare’s 450th anniversary. If you went back in time and could ask him one question, what would that question be?

David Lehman (author of The Last Avant-Garde):
Did you mean „solid“ or „sullied“ when you wrote, „Oh, that this too, too solid [sullied] flesh would melt. . .“?

Henri Cole (author of Touch):
I would ask him if he likes American poetry, and if he thinks we’re doing okay by the sonnet, and if he would like to eat a sandwich in the park next door.

4. Are prizes like Pulitzer, NBA, NBCC are good for poetry. Is there discrimination against women poets, non-white poets, gay poets?

Alfred Corn:
A big prize like the Pulitzer will certainly advance the career of the poet who wins, bringing prize money, well-paid invitations to read, and a boost in book sales. Also, the domino effect: those who win one prize are likely to win others, since committees like to make choices that seem plausible.

David Lehman:
Such prizes are good for those who win them. Their market value goes up. Otherwise, the prizes don’t mean shit.

Henri Cole:
Prizes don’t matter much if other poets don’t admire you. I’m always hoping to convert those who discriminate against me.

John Gallaher:
Prizes are fine and good things. They give newspapers a reason to mention poetry. There is discrimination of all kinds, as these things are run by people. A specific complaint I have is how narrow the aesthetic focus of many awards is. They claim to be rewarding the best, but what it seems is more that they are rewarding a kind of poetry more than a general regard for the totality of what’s being written.

Adam Fitzgerald:
Prizes are for poets, not poetry. Where there’s people, there’s discrimination.

5. Is poetry useful?

Henri Cole:
Must we ask this? Is air useful? Food? Love?

/ Huffington Post

2. Spezialist für Düsteres

„Ich habe kein Innenleben mehr,/Keine Leidenschaft, keine Wärme“, schreibt Michel Houellebecq in seinem neuen Lyrikband. Das Buch, im letzten Jahr in Frankreich und jetzt auch bei uns erschienen, ist in fünf Kapitel unterteilt und trägt den melancholischen Titel „Gestalt des letzten Ufers“. In Frankreich wurde es überwiegend gefeiert. Es gab aber auch kritische Töne: Der Autor, Spezialist für Düsteres, der zuletzt vor 15 Jahren einen Lyrikband veröffentlichte, scheine sich hier selbst zu parodieren, hieß es.

Den notorischen Provokateur, den ewigen bösen Buben der französischen Literatur findet man in diesen Gedichten selten. Statt dessen schreibt da jemand, der im Weltschmerz aufgeht, der die ganze Klaviatur von Einsamkeit, Melancholie, Abschied und Tod beherrscht – es ist hier sicher erlaubt, das lyrische Ich und den Autor gleichzusetzen. Houellebecq, im Ausland vor allem als Romancier bekannt, protokolliert „die B-Seite des Daseins“, wie es in einem Gedicht heißt. (…)

Stilistisch kommt dieser Band seltsam uneinheitlich daher. Da finden sich Aphorismen, umgangsprachliche Wendungen, englische Einsprengsel, Trivialitäten, Pornografisches. Daneben klassische Alexandriner, wie wir sie etwa von dem Dichter Stéphane Mallarmé kennen, den Houellebecq verehrt. Der Autor, der aus seiner Vorliebe für die Dichter des 19. Jahrhunderts (ebenso Baudelaire oder Verlaine) keinen Hehl macht, verweigert sich hier ganz bewusst der Modernität. Die Reime, die er verwendet, wirken stellenweise allerdings recht gezwungen. Immerhin entschuldigt er sich an einer Stelle in einem Klammer-Satz für einen nicht gelungenen Reim, zeigt sogar, was sonst gar nicht seine Sache ist, einen Funken Selbstironie: „(Das reimt sich nicht so gut, pardon).“ / Franziska Wolffheim, Spiegel

Michel Houellebecq:
Gestalt des letzten Ufers:
Gedichte
Übersetzung: Hinrich Schmidt-Henkel
Dumont Verlag; 200 Seiten; 18,- Euro.

1. Beunruhigend geblieben

Mark Lehmstedt: „Volker Braun ist beunruhigend geblieben“

MDR sprach mit dem Verleger Mark Lehmstedt, der eine Anthologie mit Texten, Collagen und Drucken anlässlich des 75. Geburtstags von Volker Braun (am 7. Mai) herausgab. Mehr als 100 Künstler, Kollegen und Freunde haben sich an dem Buch beteiligt, das Michael Opitz und Erdmut Wizisla herausgegeben haben.

Für die Jüngeren unter uns: Was hat uns Volker Braun heute noch zu sagen, warum ist er so wichtig?

Weil er immer, seit seinen ersten Texten und unverändert bis heute, darauf bestanden hat, selbst zu denken. Weil man ihm in seinen Texten beim Denken zuschauen kann. Und weil die (Zwischen-) Ergebnisses seines Denkens ungeheure Lust machen, es damit auch einmal selbst zu versuchen.

Was immer wird, es wühlt im Hier und Jetzt
Im Zwiegespräch mit Volker Braun
Hg. von Michael Opitz und Erdmut Wizisla
Lehmstedt 2014, 288 Seiten
ISBN 978-3-942473-80-4

104. Poetry matters

Dear Michael,

Poetry matters. It deserves the same serious, intellectual, in-depth consideration as global politics, philosophy, and economics. And Boston Review delivers. But to continue giving you the great poetry content you’ve come to expect, we need your support.

Subscribe today to get the May/June issue (pictured here) PLUS the March/April issue as your free gift. March/April features our suite of surveillance poems by John Ashbery, Robert Pinsky, Cathy Park Hong, Rae Armantrout, Harmony Holiday, and others.

Every issue of BR contains new poems and poetry criticism as well as debates, essays, book reviews, fiction, investigations, and more. In May/June, we have poems by G.C. Waldrep, Dara Weir, and Traci Brimhall, reviews of Brian Teare, Arkadii Dragomoshchenko, Cal Bedient, and others, plus the 2014 „Discovery“ poetry contest winners.

Click here to subscribe TODAY ONLY and get the March/April issue absolutely free.

Best regards,

Daniel Evans Pritchard

Marketing Director (and fellow poetry lover)

P.S. The 2014 Boston Review Poetry Contest, judged by Major Jackson, is now accepting submissions. First prize is $1,500 and every entrant gets a complimentary six-month subscription to the magazine.

103. Ende

“Mit seinem Tod endet das 20. Jahrhundert der großen polnischen Dichtung”, schrieb Kulturminister Bogdan Zdrojewski. “Für mich ist er ein Nobelpreisträger ohne den Nobelpreis.“ Von Różewicz existieren (in deutscher Sprache) auch einige sehr kluge Gedanken über seine eigene Poesie. „Meine eigenen Gedichte betrachte ich mit großem Mißtrauen. Ich habe sie aus dem Rest der übriggebliebenen, geretteten Worte gefügt, aus uninteressanten Worten, aus Worten vom großen Müllhaufen, vom großen Friedhof… Ich versuche wiederherzustellen, was mir für mein Leben und das Leben der Poesie am wichtigsten scheint. Die Ethik. Und weil für mich die Ethik mit Politik und nicht mit Ästhetik zusammenhängt, hat meine Kunst einen politischen Akzent“ (aus: “Luftfracht. Internationale Poesie 1940 bis 1990″, Frankfurt am Main, 1991). / litmag

102. Levels an Verstörung

Zwei schlanke Vitrinen voll mit über 200 fragilen, unterschiedlich weißen, unterschiedlich geformten Porzellanbechern hängen seit gestern im lichten Raum des Theseustempels im Wiener Volksgarten (bis 5.Oktober). Die Installation „Lichtzwang“, benannt nach einem Gedicht von Paul Celan, stammt von Edmund de Waal

Im Gespräch mit der Wiener Presse sagt er:

Es gibt unterschiedliche Levels an Verstörung. Aber für mich ist Schönheit ein unglaublich schwierig zu erreichender Zustand. Das Thema der Schönheit ist ja komplett Gegenkultur, es spielt in der Kunstpresse keine Rolle. Das interessiert mich aber nicht. Mich interessiert nur, Kunst zu machen, die in Berührung ist mit Musik, Poesie, dem Ort, die eine Resonanz hervorruft, kein One-Liner ist, kein zeitgenössischer Kunstwitz. Das sind für mich genug Dinge, um die man sich kümmern muss. Aus dieser Ausstellung fragiler Objekte, in einer Vitrine, in einem neoklassizistischen Tempel, in der Mitte Wiens, was wieder sehr viel zu tun hat mit Paul Celan, kann man etwa ein Gedicht machen, das schön ist. Unglaublich traurig. Fragmentarisch und allumfassend zugleich.

Künstler lieben Paul Celan, wenn man an Anselm Kiefer denkt zum Beispiel. Ihr von ihm entliehener Titel „Lichtzwang“ ist allerdings weniger ein schönes, als ein sehr brutales Wort.

Ja, gewalttätig, schmerzhaft. Aber alle diese Aspekte an einem Ort zusammenzubringen, das ist es doch, was Installationskunst wirklich können soll.

Die Presse 30.04.