Rot wie Blut, rot wie Glut, rot wie Feuer – von diesen Zusammenhängen ausgehend webte Rakow seine Lyrik wie einen assoziativen, dramatischen Strom, der eine verbindliche Lesart verneint. Jedoch folgt dieser Strom formalen Vorgaben: „Die Grundidee besteht darin, Gedichte auf Basis der Farben zu schreiben, die in etwa ebenso viele Worte wie die Zahl des jeweils dazugehörigen RAL-Codes umfassen“, erklärt Rakow. Als weitere Inspiration dienten ihm die seriellen Gedichte der dänischen Lyrikerin Inger Christensen. „Im Drucksatz wird zudem eine DNS-Spirale ersichtlich.“ Diese wird im mündlichen Vortrag zwar nicht deutlich, wohl aber die Intention, ein umfassendes lyrisches Pendant zum Leben und zur Menschheit zu erschaffen. / Christian Pfeiff, Weser-Kurier
Der mit 10.000 Euro dotierte Lyrikpreis „Orphil“ geht in diesem Jahr an die 1942 in Berlin geborene Lyrikerin Karin Kiwus.
Kiwus erhält den Preis für ihren in diesem Jahr erschienenen Band „Das Gesicht der Welt“ (Schöffling & Co.), der ihre Gedichte von 1976 bis 2006 versammelt. Eine Fachjury, bestehend aus dem Kritiker und Herausgeber Michael Braun, dem Literaturkritiker Alf Mentzer sowie der Schriftstellerin Silke Scheuermann, hat sich einstimmig für die Preisträgerin entschieden. „Der Gedichtband zeigt eine Lyrikerin, die sich konsequent allen Moden entzieht und immer wieder von Neuem in klaren Bildern Wahrnehmungen, Reflexionen und Erinnerungen miteinander verschränkt“, so Jurymitglied und Moderator des Abends, Alf Mentzer, von hr2-kultur. Am Freitag, 6. Juni, 19.30 Uhr, findet die Preisverleihung mit Kulturdezernentin Rose-Lore Scholz im Literaturhaus Villa Clementine, Wilhelmstraße/Ecke Frankfurter Straße, statt.
Zudem zeichnet die Jury den 1980 in Meerbusch geborenen Lyriker Levin Westermann aus. Er erhält für seinen 2012 erschienenen Band „unbekannt verzogen“ (luxbooks) den mit 2.500 Euro dotierten „Orphil“-Debütpreis. „Westermann schreibt eine Poesie der ‚Dringlichkeit‘, die primär die unsichere Kontur des Ich in den Blick nimmt“, so Braun.
Beide Preise werden vom Kulturamt Wiesbaden in Kooperation mit hr2-kultur vergeben. Die musikalische Umrahmung der Preisverleihung übernimmt das Duo „Sudestada“, bestehend aus Valentín Garvie (Trompete, Flügelhorn, Cornetto und Piccolotrompete) und Daniel Adoue (Klavier). Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos.
Die Bezeichnung „Orphil“ stammt von dem 1991 verstorbenen Dichter George Konell, der so die eisernen Hühner auf den Rathäusern Frankreichs nannte, die für ihn das Lied des Sängers Orpheus sowie die Ideale der Französischen Revolution verkörperten. Er verbrachte viele Jahre seines Lebens in Wiesbaden und hätte am Freitag, 6. Juni, seinen 102. Geburtstag gefeiert. Seine Witwe Ilse Konell stiftete die Preise. Vergeben wird der „Orphil“ alle zwei Jahre an Lyriker, die mit ihrem Werk Stellung beziehen und sich politischen wie stilistischen Moden zu widersetzen wissen. Vor zwei Jahren erhielt ihn Ursula Krechel.
Der deutsch-amerikanische Lyriker und Übersetzer Paul-Henri Campbell rezensiert im GedichtBlog Lyrik-Neuerscheinungen in einem zweiwöchigen Rhythmus. In dieser Woche:
WortBildKünstler. Von Goethe bis Ringelnatz. Und Herta Müller
Ulrich Luckhardt (Hrsg.)
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2013
360 S. mit 243 Abbildungen
€ 39,80 (gebunden mit Schutzumschlag)
Der katalanische Lyriker und Essayist Gerard Vergés ist am 23. April im Alter von 83 Jahren in seiner Heimatstadt Tortosa gestorben. Vergés, im Hauptberuf Pharmazeut, hatte bereits in den 1950er Jahren die Zeitschrift Géminis mitherausgegeben. 1981 erhielt er für seinen Debutband L’ombra rogenca de la lloba [Der rötliche Schatten der Wölfin] den angesehenen Carles-Riba-Preis, es folgten u.a. der Premi Josep Pla 1985 und die Verleihung der Creu de Sant Jordi 1997. Vergés übersetzte unter anderem Shakespeares Sonette ins Katalanische; sein letzter Gedichtband El jardí de les delícies [Der Garten der Lüste] gehörte in seiner Heimatgegend, dem Ebro-Delta, zu den meistverkauften Büchern am Sankt-Georgs-Tag, dem in Katalonien traditionell verwurzelten Tag des Buches, an dem er starb. /ara.cat
[Vergés‘ Lyrik zeichnet sich durch eine tiefe Skepsis gegenüber Mythifizierung, Erhabenheit, Rhetorik und Pathos aus, die er als Ausdrucksformen repressiver Machtstrukturen unterwandert]
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Let’s celebrate the first warm days of spring with a poem for mushroom hunters, this one by Amy Fleury, who lives in Louisiana.
First Morel
Up from wood rot,
wrinkling up from duff
and homely damps,
spore-born and cauled
like a meager seer,
it pushes aside earth
to make a small place
from decay. Bashful,
it brings honeycombed
news from below
of the coming plenty
and everything rising.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Copyright © 2013 by Amy Fleury from her most recent book of poems, Sympathetic Magic, Southern Illinois University Press, 2013. Poem reprinted by permission of Amy Fleury and the publisher. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Mit ihren Poesie-Shows hat sich die Lyrikerin Sitawa Namwalie schon in Kenia einen Namen gemacht. Jetzt war sie zu Gast in Berlin.
We arrive / Grandmother ululates, a loud long, piercing sound / She holds her hands outstretched her body rigid in a ricktus of astonishment / She leads a crowd, of women, children, men, they embrace us / Running, receiving us /A tangle of humanity.
Worte wie Tautropfen, sanft und kraftvoll zugleich: Sitawa Namwalies Gedichte müssen nicht unbedingt übersetzt werden, sie leben vom Klang, von der Tonart – und sie wirken vor allem auf der Bühne. Mit ihren Shows hat sich Namwalie in Kenia einen Namen gemacht. Shows, in denen Lyrik und Darstellung eine Symbiose eingehen, in denen Dichtung erlebbar wird. (…)
„Viele Dinge können nur durch Poesie ausgedrückt werden. Oder besser: Man kann sie auf vielerlei Weise ausdrücken, aber sie berühren die Menschen nur in einer poetischen Form.“
Sitawa Namwalie schreibt auf Englisch, und sie tut es überall, in Hotels, in Restaurants, sogar im Verkehrsstau:
„Wenn ein Gedicht auftaucht, muss man es einfangen. Am Anfang sagte ich mir: Ich schreibe, wenn wir anhalten. Nein. Selbst wenn man in Bewegung ist, muss man eine Möglichkeit finden, die ersten paar Zeilen festzuhalten, sonst vergisst man sie. Und dann sind sie weg.“ / Irene Binal, DLR
nur noch zwölfhundert Kilometer bis zur Angst
Hansjürgen Bulkowski
Sophie Hannah’s talents are unusual: she is a bestselling crime writer (author of nine novels) and prize-winning poet (her fifth collection, Pessimism for Beginners, was shortlisted for the TS Eliot award). Her poetry is studied by GCSE, A-level and university students. And all her writing is characterised by a zestful intelligence. Her new crime novel The Telling Error explores the psychology of an erring middle-class mother without diluting a bold plot about the stabbing of a newspaper columnist. It is a novel in which hi-tech and low behaviour collide. She has also just edited The Poetry of Sex for Penguin – the sort of idea that, in the wrong hands, could be a fiasco; with Hannah at the helm, it’s a triumph.
(…)
Editing the Poetry of Sex, was it difficult tracking good poems down?
No, although I had worried it might be. I had thought: yikes. But then it was surprising how many poems turned out to be about sex when you actually looked. / Kate Gallaway, Guardian
Eigentlich mag ich Lyrik nicht. Aber ich mag eigentlich auch den Sommer nicht, weil da die Städte glühen und die Häuser dampfen und man in der Nacht auf dem Bett wie dieser Kafkakäfer herumzappelt. Im Schwimmbad freilich ist der Sommer ein Traum.
Und mitunter landen Gedichtbände auf meinem Tisch von solcher Schönheit, dass meine Lyrikverachtung in sich zusammenfällt.
Schreibt Heinrich Steinfest in der Presse. Eins der beiden Ausnahmebücher:
Meine abenteuerlichen Schriften von Edmund Mach (hrsg. von Uwe Schütte; Picus Verlag). Als ich vor Jahren einmal Machs Gedichte im deutschen Fernsehen empfehlen wollte, sagte man mir, es sei nicht so günstig, wenn ein ziemlich unbekannter Autor das Buch eines ziemlich unbekannten Autors vorschlage.
Nun ja: ohne die den Fernsehleuten unbekannten Autoren wären wir ganz schön blöd. (Ohne die uns zuvor unbekannten ja auch).
Über Mach kann man hier anfangen.
Feierliche Antrittsvorlesung des vierten Thomas-Kling-Poetikdozenten
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| Wann | 05.05.2014 von 19:00 bis 21:00 |
| Wo | Bonner Universitätsforum, Heussallee 18-24, 53113 Bonn |
Im April übernimmt Norbert Scheuer (*1951) die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW an der Universität Bonn. Neben Gedichten und Erzählungen hat er bislang vier Romane geschrieben, für die er unter anderem mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, dem Georg-K.-Glaser-Preis und dem Düsseldorfer Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Zuletzt erschien 2012 der Roman „Peehs Liebe“.
Norbert Scheuer stammt aus der Eifel, und einen seiner Romantitel, „Kall, Eifel“, könnte man mit einem literarischen Programm verwechseln. Doch das manchmal sogar ganz wörtliche ‚Abtauchen‘ in die eigene Provinz mündet in die Erkundung einer anderen Welt, die mit Schilderungen aus dem Überschaubaren nichts zu tun hat und die – weltliterarisch gesprochen – auch Winesburg (Ohio) oder Kalaurea in der Ägäis heißen könnte.
Die Poetikdozentur ist dem 2005 verstorbenen Lyriker und Essayisten Thomas Kling (*1957) gewidmet, dessen Sprachforschungskunst den Maßstab für dieses einmalige poetische Lehramt bildet.
Stefan Hoffmann hat eine bislang geheime Leidenschaft, mit der er jetzt an die Öffentlichkeit geht: Der Gladbecker sammelt Gedichte von deutschen Lyrikerinnen des 16. bis 20. Jahrhunderts. Möglichst jedes Werk der von ihm entdeckten Autorinnen möchte der 46-Jährige aufspüren.
Wie er zur Lyrik kam:
„Vor einigen Jahren habe ich im Sperrmüll den nicht mehr ganz vollständigen Großen Conrady gefunden“, berichtet er. Die Standardanthologie deutschsprachiger Lyrik habe ihn gefesselt und zur weiteren Recherchen auch im Internet veranlasst. Hier stieß der Gladbecker auf die Gedichtsammlung von Wolf Busch (wortblume.de), die sich speziell mit deutschen Lyrikerinnen beschäftigt.
(…)
Die Krux bei der Suche des Lyrikfans: Stefan Hoffman lebt von Grundsicherung. Er hat nur etwa 40 Euro nach Kostenabzügen pro Woche zur Verfügung. Ein Buch zu bestellen, sei so nur selten drin und auch die Onlinenutzung oder Fernleihe über die Stadtbibliothek koste. Seine große Bitte: Auf wortblume.de die Dichterinnen ansehen und, falls Gedichte und Biografien vorhanden, bitte an die WAZ wenden oder Kopien zumailen (m.esser@waz.de).
/ Marcus Esser
Stefans Leidenschaft für Lyrik braucht Hilfe | WAZ.de – Lesen Sie mehr auf:
Mein ernsthafter Vorschlag: anklicken und überlegen ob man helfen kann.
Polish poet and playwright Tadeusz Różewicz, who was a member of the resistance during Germany’s occupation of Poland in World War II, has died, according to reports in the Polish press. He was 92. Writing in The Guardian, the British-Hungarian poet George Szirtes called him „one of the great European ‚witness‘ poets whose own lives were directly affected by the seismic events of the 20th century.“ Różewicz’s older brother was killed by the Gestapo in 1944, and Różewicz made it his mission to refute Theodor Adorno’s dictum that it is barbaric to create poetry after the atrocities committed at Auschwitz. Różewicz wrote, „at home a task / awaits me: / To create poetry after Auschwitz.“ Czeslaw Milosz wrote in an anthology of Polish poetry that Różewicz’s „first poems published immediately after the war are short, nearly stenographic notes of horror, disgust, and derision of human values. Long before anybody in Poland had heard of Samuel Beckett, Różewicz’s imagination created equally desperate landscapes.“ Różewicz’s bleak poem „cobweb“ begins:
four drab women
Want Hardship Worry Guilt
wait somewhere far away
a person is born
grows
starts a family
builds a home
the four ghouls
wait
hidden in the foundations
/ Annalisa Quinn, NPR
Der Gedichtband Dorfspiel von Andrea Zanzotto wurde von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats im April 2014 gewählt.
Die Begründung der Jury zur Wahl: Andrea Zanzotto, der 2011 starb, ist der Dichter einer Gegend, des Veneto, und einer politischen Haltung, des Widerstands gegen den Faschismus. Der 25. April spielt in den hier gesammelten Gedichten eine große Rolle, das Datum, an dem für Italien der 2. Weltkrieg endete. In Zanzottos Gedichten reiben sich die kleinen Realien an der großen Realität. Darmstädter Jury Buch des Monats (Peter Härtling)
Die Darmstädter Jury, die das Buch des Monats auszeichnet, besteht aus renommierten Schriftstellern, Journalisten und Literaturkritikern. Als eine feste Einrichtung im Literaturbetrieb trifft sich die Jury seit 1952 regelmäßig, um aus der Vielzahl der Neuerscheinungen besonders wertvolle Werke hervorzuheben und diesen durch ihr Votum zu einer größeren Wahrnehmung und Verbreitung zu verhelfen.
Bestellen Sie bitte hier: http://www.engeler-verlag.com/dorfspiel.html
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