Veröffentlicht am 27. August 2002 von rekalisch
„Lieber reiner Schnaps als Rainer Barzel!“, dichteten die Jusos, während die Junge Union „Lieber Weinbrand als Willy Brandt“ dichtete.
Und Barzel himself, CDU-Chef vor Kohl, dichtete vor:
Ich bin Delegierter,/ kein Geschmierter, Bornierter./ Ich hab was zu sagen/ und werde es wagen.
oder auch, hochaktuell:
Nun manipulieren sie wieder:/ Mal auf und mal nieder/ rechnen sie Zahlen/ wegen der Wahlen/ die Demoskopisten -/ als ob sie es wüssten. / Berliner Zeitung 27.8.02
Veröffentlicht am 27. August 2002 von rekalisch
Bekanntlich hat sich Vladimir Nabokov (1899-1977) in allen Sparten der schönen Literatur umgetan, am erfolgreichsten war er als Erzähler, am wenigsten erfolgreich als Dramatiker. Seine hochkarätige, schwer übersetzbare Lyrik bleibt noch zu entdecken, sein Briefwerk, die Essayistik, die Vorlesungen sind in mehreren Bänden greifbar. / Felix Philipp Ingold schreibt in der NZZ v. 27.8.02 über neuaufgetauchte Interviews des Autors.
Veröffentlicht am 26. August 2002 von rekalisch
„Do I still yearn for my virginity?“ Sappho asks in another fragment. What is the meaning here? Who is talking? Is it Sappho, an old woman tormented by sex? Or the voice of Sappho’s creation? It is the need to decide that draws us in.
In the fragments of just a single line, the words assume a particular, devastating power. „You burn me,“ she says in one piece of verse. / NYT 26.8.02 *)
Veröffentlicht am 26. August 2002 von rekalisch
Die australische Dichterin Dorothy Hewett: („poet, playwright, novelist and bohemian“, Feministin, „grande dame of the australian literature“) starb im Alter von 79 Jahren.
An obituary. (From The Age.)
More on the Australian poet. (From The Age.)
Auszug aus einem Gedicht:
where are the lips now Alice
that opened to the man you loved
& the strong thighs
that held him close as birth?
Three feet is enough in the clay
three feet of earth is deep
they sleep sound they settle down
the sweet flesh falls off
like a snake’s skin
/ 26.8.02
Veröffentlicht am 26. August 2002 von rekalisch
Der Spiegel 35/2002 berichtet lyrisch über einen Lyriker und Pfarrer:
„… Die Flut hat ein Urvertrauen zerstört. Das wird noch lange in den Menschen arbeiten“, sagt der Pfarrer von Weesenstein.
Pfarrer Christian Lehnert ist ein blasser, stoppelhaariger junger Mann, der die vorislamischen Mystiker studiert hat. Er betreut die Pfarrei nur halbtags. Eigentlich ist er Lyriker bei Suhrkamp und bekam für seine dunklen, klein geschriebenen Verse einen „Leonce und Lena“-Förderpreis.
Jetzt muss Lehnert eine Welt von 223 Seelen wieder aufbauen. Eine kleine Welt, die einmal aus 40 Häusern bestand, von denen jedes Vierte in den Fluten verschwunden ist. Und anders als Noah bleiben ihm dafür nicht 350 Jahre Lebenszeit.
/ 26.8.02
Veröffentlicht am 25. August 2002 von rekalisch
The fragments of Sappho constitute a compelling demonstration of the tragic power of the word, its capacity to make us feel loss as deeply as we do in life. The lines just quoted are all that survive of the original poem, recovered from a paraphrase by an obscure orator named Maximus of Tyre. We will never know what happened after Eros shook the poet’s mind, or who caused the tempest. The sensitive reader, confronted with fragment 47, must attempt something like an imaginative reconstruction of the whole poem, as it might have been. Despite the impossibility of the undertaking, the longer the lines play in the mind, the closer the lost poem comes glimmering toward the surface.
There have been many fine translations of the fragments of Sappho since Philips‘ day, and now Anne Carson, a distinguished Canadian poet, offers her version. Carson restores to us the Sappho who fell in love with a girl because she reminded her of a graceless child and strips away the mawkish cliche of the odd musical lady leaping off the cliff (admittedly less of a problem now than when classical literature was widely read).
If Not, Winter: Fragments of Sappho, translations from the Greek by Anne Carson, reviewed by Jamie James. / Los Angeles Times, 25.8.02
Veröffentlicht am 24. August 2002 von rekalisch
Die NZZ vom 24.8.02 druckt einen Text von Mahmud Darwish: Ein Quadratmeter im Gefängnis.- Die SZ am 23.8. Robert Gernhardts Sonett „Geburt eines Kritikers“. Am gleichen Tag bespricht sie das Werk des arabischen Dichters al-Maarri. (Siehe hier).- In der FAZ vom 23.8. schreibt der Lyriker Heinz Czechowski über die Flut in Dresden.
Veröffentlicht am 23. August 2002 von rekalisch
Über einen Spamschutz mit Hilfe eines Haikus berichtete FAZ-Net am 23.8.02.
Veröffentlicht am 22. August 2002 von rekalisch
Stellvertretend für die im edlen Ambiente zu feiernde „junge Lyrik 2002“ konterte die in Hamburg lebende Sabine Scho, auch den Nachwuchspoeten gehe es doch vor allem darum, Anschluss an die offiziellen Literaturzirkel zu bekommen.
Scho hat es schon geschafft. Ironischerweise erscheint ihr erster Gedichtband in einer Reihe des Europa-Verlags, die mehr oder weniger tote und vergessene Dichter für das geneigte Publikum „wiederentdeckt“. Mit ihrem „Album“ präsentiert die 1970 geborene Hamburgerin ein solides Werkstück mit klarem literarischem Vorbild: Arno Schmidt und seine „snap-shot“-Theorie.
Scho hat Schnappschüsse eines beim Trödler erstandenen Fotoalbums aus den Fünfzigerjahren zur Hand genommen, sich auf Bildausschnitte eingezoomt und dann losgelegt. Entstanden sind Zitatcollagen aus zeitgenössischen Sprachfetzen und Redensarten inklusive Minizitaten aus Schmidts Frühwerk. Wenn bei Blende acht die Sonne lacht, Hartmut im braunen Diercke-Atlas Teneriffa sucht oder an der Front bis zum Fotofinish geknipst wird, stellt sich ein merkwürdig anachronistisches Gefühl ein. Verstärkt wurde dies durch Schos pathetischen Wochenschau-Tonfall.
/ taz 22.8.02
Veröffentlicht am 22. August 2002 von rekalisch
Inspiration für Bob Dylan: Ein neuer Blick auf den jungen Brecht
„It ain’t me babe, it ain’t me you’re lookin‘ for.“ Bob Dylans berühmte Selbstverweigerung zitiert den jungen Brecht. „Wer immer es ist, den ihr sucht … / behauptet die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Vermischtes 22.8.2002
Veröffentlicht am 22. August 2002 von rekalisch
In 1956, two Yiddish papers, one in Warsaw and one in New York, gave credible news of the affair for the first time, and in some Jewish circles it gradually became known as “the night of the murdered poets”.
Einer von ihnen,
Peretz Markish was an expressionist poet. He left Russia in the 1920s for Warsaw, where he associated with di khalyastre – the Gang, a group of advanced Yiddish writers – and where he became very widely read, even called “the most popular poet in Poland”. His travels took him to Berlin, Paris, London and Vienna. For a while he stayed in Palestine; but his beloved language was much scorned there by young zealots for whom the Hebrew revival was a central part of the Zionist project. Markish too was drawn back to Russia, where he worked with the State Jewish Theatre…. / TLS 22.8.02
1952 wurde er zusammen mit zahlreichen anderen sowjetischen jüdischen Intellektuellen hingerichtet die meisten wurden am 12. August 1952 erschossen.
Joshua Rubenstein and Vladimir P. Naumov, editors:
STALIN’S SECRET POGROM
The postwar inquisition of the Jewish Anti-Fascist Committee
Translated by Laura Esther Wolfson
527pp. Yale University Press. £25
Veröffentlicht am 22. August 2002 von rekalisch
A year later Plath returns to the theme in Three Women, a poem for three voices written originally for radio. Three women in a maternity ward offer a distillation of their different experiences – one gives birth to a boy, one miscarries, one abandons her baby girl. The voices overlap and counterpoint one another: in experience they are crucially distinct (there is no doubt that the second woman miscarries); but in voice they are uncannily and progressively alike. This time, Plath does name what has happened to each of them, but only as a starting point. As the poem continues, the voices blur. In doing this, Plath raises a question, central to biography, but troublesome if the aim is to get back from the words to the poet’s life, to what happened to her and to her alone. Is any experience, even the most terrible and/ or life-defining, especially if you are a woman, simply your own? /
LRB | Vol. 24 No. 16 dated 22 August 2002 | Jacqueline Rose
Veröffentlicht am 21. August 2002 von rekalisch
Wulf Kirsten erhält den mit 30 000 Euro dotierten Schillerring der Deutschen Schillerstiftung. Dem Weimarer Lyriker werde der Preis für herausragende Verdienste um die deutsche Sprache und Literatur verliehen, teilte die 1859 gegründete Stiftung mit. / 21.8.02
Veröffentlicht am 21. August 2002 von rekalisch
Eine nur leise nostalgische Notiz von Eugen Gomringer selbst rundet den schön edierten Band ab. / Bruno Steiger, NZZ 21.8.02 über
Georg Pöhlein: Gomringer-Wurlitz. Porträt. Mit Texten von Eugen Gomringer und Cornelius Schnauber. Bibliothek der Provinz, A-Weitra 2002. 102 S., Fr. 62.-.
Veröffentlicht am 20. August 2002 von rekalisch
„Tableaux – Sehstücke“ heißt der zweite Lyrikband des 1949 geborenen Luxemburgers Jean Krier, und die Art des Sehens, von der dieser Titel spricht, hat nichts zu tun mit kontemplativem Schauen oder der Gleichmäßigkeit des Beobachtens. Sie meint vielmehr den hektischen Blick, der die Assoziationen zusammenrafft, gleichwohl eine Perspektive erkennen lässt: „nichts Besonderes hier, / beileibe nicht, ein Geschehen am Rande nur“. / Nico Bleutge, SZ 20.8.02
JEAN KRIER: Tableaux – Sehstücke. Gedichte. Gollenstein Verlag, Blieskastel 2002. 96 Seiten, 16 Euro.
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