Kategorie: Österreich

Da ich an mir müd geworden

und aus allen fernen Weiten
(da ich an mir müd geworden)
bringst du Tage, bringst du Jahre –

Lieb ich dieses Wunderbare?
oder deine lichten Haare?

Hau jetzt ab samt deiner Nüchternheit!

Trau der Mannschaft deines Seglers zu,
daß sie tüchtig aus der Trunkenheit
aufstehn könnte, jeder einzeln aufstehn,
jeder noch bis übers Kinn besoffen,
aber hingehn und das Seine tun!

In der Bar zum Krokodil

Mit Ramses saß heut in der Bar
Der Gatte der Frau Potiphar
Und aß von einem Feigenblatt
Gehackte Mumie mit Spinat

in meinem weißen zimmer war ich allein

zu viel hitze überkam mich in der nacht
da in den wäldern die paarende schlange ihre haut streicht
unter dem heißen stein und der wasserhirsch reibt sein gehörn
an den zimmtstauden

Mein Schatten

Mein Schatten kann über Wasser gehen,
wenn Mond oder Sonne nur richtig stehen

Franz Kafka (1883-1924)

In der abendlichen Sonne
sitzen wir gebeugten Rückens
auf den Bänken in dem Grünen.
Unsere Arme hängen nieder,
unsere Augen blinzeln traurig.

Schwüler Abend

Weiße Schwäne senken ihre schmalen,
Schlanken Hälse in den schilfdurchragten,
Stillen, grünen Weiher, plätschern leise

Kein & Ein

zum 50. Todestag von Marlen Haushofer am 21. März 2020,
einer der vielen Schriftstellerinnen am Küchentisch &
zum 59. Todestag von Sylvia Plath am 1. Februar 2022,
einer der vielen Schriftstellerinnen mit schreibhinderförderlicher Beziehungskiste

jeder nach seiner fasson

du ziehst dich zu, du ziehst dich auf,
das ist dein ganzer lebenslauf.

Hobellied

Der eine heißt den andern dumm,
Am End weiß keiner nix.

Karl Kraus zum Republikgeburtstag

Karl Kraus  (* 28. April 1874, heute vor 150 Jahren, in Gitschin, Österreich-Ungarn, heute Jičín, Tschechien; † 12. Juni 1936 in Wien)  ZUM GEBURTSTAG DER REPUBLIKDie Republik soll ich zum Geburtstag feiern?Daß wir sie haben, ihr beteuern?Sie ist jetzt im Alter von acht Jahren.Ich kannte Kinder, die begabter waren.Es bleibt wohl die beste… Continue Reading „Karl Kraus zum Republikgeburtstag“

Kaum habe ich die Lampe ausgelöscht

Christine Lavant  (* 4. Juli 1915 in Großedling bei St. Stefan im Lavanttal; † 7. Juni 1973 in Wolfsberg) Kaum habe ich die Lampe ausgelöscht gehn meine beiden dummen Augen über und eine Maus nagt unter meinem Bett.Doch greift dann niemand, wie bei meinen Schwestern, durchs Dunkel her und fragt: Bist du denn traurig? –Und niemand stellt… Continue Reading „Kaum habe ich die Lampe ausgelöscht“

Das ist die Bienenstrophe

Aufschäumender Traum, ich schwimme
oben. Der Schaumschläger ist ein Tenor,
er trägt die Arie von den Zitronen vor.
Das ist die Seifenstrophe.
#MargretKreidl

Lesen mit Google Lens

Es wird Nachrichten geben. Die Zeit ist noch nicht gekommen.
#MartinWinter

Robert Schindel 80

Hölderlin isch it Verrückt worra
#RobertSchindel #otd