Vergänglichkeit der Schönheit

210 Wörter, 1 Minute Lesedauer.

Auf das heutige Gedicht kam ich nach dem Besuch einer Ausstellung im Berliner Scharf- / Gerstenberg-Museum. Die Sammlerfamilien haben bedeutende Teile ihrer Sammlung den Staatlichen Museen zu Berlin als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Die jetzige Sonderausstellung „Möglichkeiten einer Insel. Denken in Bildern von Gerstenberg bis Scharf“ präsentiert eine große Zahl der nicht zur Dauerleihgabe gehörenden Werke. Darunter die Radierung Carezza-Morte. Sanfter Tod des Italieners Luigi Russolo (1885-1947).

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau 

(getauft 25. Dezember 1616 in Breslau; † 18. April 1679 ebenda) 



Sonnet.
Vergaͤnglichkeit der ſchoͤnheit.


ES wird der bleiche tod mit ſeiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit um deine bruͤſte ſtreichen/
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der ſchultern warmer ſchnee wird werden kalter ſand/
Der augen ſuͤſſer blitz/ die kraͤffte deiner hand/
Fuͤr welchen ſolches faͤllt/ die werden zeitlich weichen/
Das haar/ das itzund kan des goldes glantz erreichen/
Tilgt endlich tag und jahr als ein gemeines band.
Der wohlgeſetzte fuß/ die lieblichen gebaͤrden/
Die werden theils zu ſtaub/ theils nichts und nichtig werden/
Denn opffert keiner mehr der gottheit deiner pracht.
Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen/
Dein hertze kan allein zu aller zeit beſtehen/
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

Aus: Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesene und bißher ungedruckte Gedichte. [Bd. 1]. Leipzig, 1695.

Luigi Russolo, „Carezza-Morte“, Radierung eines sanften Todes – Ausstellung Scharf-Gerstenberg-Museum Berlin

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