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Veröffentlicht am 12. März 2026 von lyrikzeitung
146 Wörter, 1 Minute Lesezeit.
Rainer Kirsch
(* 17. Juli 1934 in Döbeln / Sachsen; † 4. September 2015 in Berlin)
Petrarca auf dem Weg ins Exil
Wie sie sich giften, daß ich gut zu Fuß bin.
Wo längs am Rain die goldnen Krücken liegen,
In die sich wundersanft die Glieder schmiegen,
Bis die Gelenke steif, die Knochen Mus sind,
So daß mir, schritt ich heitern Blicks nicht weiter,
Bald um die Stirn ein Reif von Würden blühte,
Und, ohne daß ich mich noch extra mühte,
Läg ich erhöht und sänge von der Leiter –
Der wird hier Kanzler, der am krümmsten humpelt,
Und der dem Volk den Sand siebt, machts im Streckbett
Seltsam umwoben vom Singsang der Wechsler;
Die Bagger klirren, und der Prägstock rumpelt,
Und ringsum winken ernst, als ob es Zweck hätt,
Goldmineneigner und die Krückendrechsler.
Juli 1996
Aus: Rainer Kirsch, Gedichte und Lieder (Werke Band I). Berlin: Eulenspiegel, 2004, S. 128
Kategorie: Deutsch, DeutschlandSchlagworte: deutsche Lyrik, Exil, Gedicht, Petrarca, Petrarca auf dem Weg ins Exil, politisches Gedicht, Rainer Kirsch, Satire, Sonett
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